Klassik

Perlen der Kammermusik erklingen bei den Kamper Konzerten

Ein überzeugendes Trio Charolca: Anne-Cathérine Heinzmann, Roland Glassl und Andreas Mildner (v.l.)

Ein überzeugendes Trio Charolca: Anne-Cathérine Heinzmann, Roland Glassl und Andreas Mildner (v.l.)

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Das Trio Charolca begeisterte in Kamp-Lintfort mit ungewöhnlicher Instrumentalisierung und klanglicher Fülle. Ein Abend voller Überraschungen.

Wo bekommt man schon ein Trio aus Querflöte, Bratsche und Harfe zu hören? So geschehen beim jüngsten Kamper Konzert im Rokokosaal Kloster Kamp. Das Trio Charolca mit Anne-Cathérine Heinzmann (Flöte), Roland Glassl (Bratsche) und Andreas Mildner (Harfe) kommt mit einem französisch geprägten Programm, das die Zuhörer von Beginn an einfängt. Der musikalische Leiter, Professor Alexander Hülshoff, verspricht eingangs nicht zu viel, wenn er von Perlen der Kammermusik redet.

Alle drei Musiker bilden an deutschen Hochschulen als Professoren musikalischen Nachwuchs aus. Alle drei bestritten erfolgreich Wettbewerbe, errangen zahlreiche Preise und Titel. 2005 fanden die Musiker zusammen, auch, weil die Besetzung so farbenreiche Musik hervorbringt. Klanglich sticht mehrmals die Harfe hervor – die Kraft und der klare Klang, wenn Mildner die Saiten zupft. Öfter an diesem Abend erinnert sein melodieführendes, energisches Spiel an ein Klavier. Virtuosen sind die Musiker allemal, was nicht zuletzt auch das anspruchsvolle Programm verdeutlicht.

Das Trio erhöhte die Vorfreude auf die nächste Saison

Zum Auftakt Jean-Marie Leclairs Triosonate D-Dur, der die tänzerische Ausbildung ihres Komponisten deutlich anzumerken ist; mal beschwingt, mal schreitend als Sarabande im Stile des Barocks. Mit Max Regers Suite Nr. 1 g-Moll brilliert Roland Glassl als Solist, wenn er der Bratsche ihre klanglichen Möglichkeiten abverlangt. Tänzerisch, voll Kraft und Fülle, dann wieder still und getragen.

Atemlos still wird es im Rokokosaal während der wunderbaren Fantasie für Flöte und Harfe von Camille Saint-Saens. „Da nehmen sich Hänsel und Gretel bei der Hand und wandern im Nebel über den Niederrhein“, hätte es Hanns Dieter Hüsch übertragen beschrieben. Märchenhaft verzaubert, sanft, leidenschaftlich und einschmeichelnd ist das Zusammenspiel von Flöte und Harfe.

Näher an der Moderne liegen die klar strukturierte Sonatine en Trio von Maurice Ravel, sowie das Trio für Flöte, Viola und Harfe von Leo Smit, einem jüdischen Holländer, der die Harfe liebte und mit nur 43 Jahren von den Nazis im KZ umgebracht wurde. Nicht zu vergessen, Debussys berühmte, farbenreiche Sonate für Flöte, Viola und Harfe, mit ihrer ruhigen Poesie und ihrem bezaubernden Klang.

Ein begeistertes Publikum dankt mit reichlichem Applaus. Alexander Hülshoff bekundet im Vorfeld, er freue sich schon auf die nächste Saison. Nicht nur er.

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