Wirtschaft

Pottkorn produziert exklusives Popcorn in Kamp-Lintfort

Geschäftsführer Mario Grube mit den verschiedenen Popcorn-Sorten, die unter dem Namen „Pottkorn“ für verschiedene Kunden exklusiv produziert werden. Es gibt auch eine Supermarkt-Linie. Dazu ist „Pott-Korn“ auch im Kaffeeröstgeschaft tätig.

Geschäftsführer Mario Grube mit den verschiedenen Popcorn-Sorten, die unter dem Namen „Pottkorn“ für verschiedene Kunden exklusiv produziert werden. Es gibt auch eine Supermarkt-Linie. Dazu ist „Pott-Korn“ auch im Kaffeeröstgeschaft tätig.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Das Unternehmen musste sich wegen des großen Erfolgs schnell vergrößern und zog deshalb aus Oberhausen nach Kamp-Lintfort an die Kruppstraße.

Vergessen Sie alles, was Ihnen im Zusammenhang mit Popcorn einfällt: Kirmes, Kino, Rieseneimer, im schlimmsten Falle gummiartige Konsistenz und fader Geschmack zu fadem Film. Das geht auch anders. „Pottkorn“ ist die veredelte Variante des aufgeplöppten Mais und hat eher die Bezeichnung Praline oder Konfekt verdient. Auch, was die gefühlte Kalorienanzahl angeht. Und das gilt nicht nur für die Sorte „Hüftgold“, sondern auch für „’Schmatzi für Schatzi“ oder „Rosa Innenfutter“, und wie sie alle heißen.

Seit zwei Jahren gibt es das Luxus-Korn. „Aber das ist so brutal durch die Decke gegangen, dass wir uns schnell vergrößern mussten“, erklärt der Firmen-Inhaber von Pottkorn, Mario Grube. Deshalb ist das Unternehmen jetzt von Oberhausen nach Kamp-Lintfort in die Krupp-Straße gezogen, um dort säckeweise Maiskörner aufploppen zu lassen. „Anfangs haben wir gedacht, 300 Tüten fertiges Popcorn die Woche wären super, jetzt sind wir bei 10.00 Tüten.“ Das führt Grube unter anderem darauf zurück, dass er durch sein #Catering-Unternehmen Lime-Line und die Kaffeerösterei „Mahlgrad“ schon über einen Kundenstamm verfügte, der nicht nur billig will. Inzwischen geht es aber auch andersherum: „Da hat Lufthansa angefragt wegen des Pott-Korns und fragte dann erst nach unserem Kaffee.“ Durch After-Show-Partys wie bei der 1Live Krone, dem deutschen Fernsehpreis, Echo und beim Deutschen Comedy Preis, Musikveranstaltungen wie dem Open-Air-Festival Luft und Liebe oder jüngst beim Parookaville wird das Gourmet-Popcorn noch bekannter. Dabei war es eine „illustre Idee“, wie der Chef es nennt, die zu dieser sensationell erfolgreichen Geschäftsidee führte.

Die Sorten haben Namen wie „Endstufe“, „Lieblingsmensch“ oder „Gefundenes Fressen“

David Spickermann arbeitet im Catering-Unternehmen und war elf Jahre lang im Sternerestaurant von Björn Freitag tätig. Eines Abends warf er ein paar Maiskörner in den firmeneigenen Kaffeeröster, um zu sehen, was passiert. Das Ergebnis hat ihn nicht zufriedengestellt, also hat er den Kaffee-Mais veredelt mit Butterkaramell und noch mal abgebacken, fertig war das Hüftgold. Spickermann experimentierte weiter und erfand auch herzhafte Varianten wie die „Endstufe“ mit Trüffel-Öl. Die schrägen Namen für die Produkte erfindet das Duo selbst. Edeka und Rewe wollten auch Pottkorn im Programm haben. Weil aber Grube sein Produkt im hochpreisigen Feinkosthandel etabliert hatte, wollte er eine extra Supermarkt-Reihe auflegen: Dort gibt es nun „Cheat Day“ mit Kaffee und weißer Schokolade, „Gefundenes Fressen“ mit Maracuja und Kokos, „Lieblingsmensch“ mit Cornflakes und die „Gepoppte Antje“ mit Käse.

Als gut fürs Geschäft hat sich auch die Idee erwiesen, für Unternehmen oder Feiern extra Banderolen um die Tüten zu wickeln. „Das machen wir im Notfall auch ab einem einzelnen Beutel oder für eine Hochzeitsgesellschaft“, erklärt Grube. Ob er in Kamp-Lintfort auch einen Shop eröffnen will? „Das weiß ich noch nicht. Unser Geschäft läuft eher online. Aber wenn ich einen finde, der das machen will, vielleicht.“ Der Shop in Oberhausen laufe jedenfalls „wie doof“. Dabei ist das Gourmet-Popcorn mit Preisen zwischen 4,50 und 8,90 Euro je 80 Gramm nicht gerade ein Schnapper.

„Alles was du brauchst, ist Bock auf die Sache und Leute, die Bock drauf haben“

Zuweilen verunsichert Mario Grube auch der Erfolg: „Natürlich frage ich mich: Wie lange geht das noch? Wann ist der Hype vorbei? Aber die Jahre nehmen wir jetzt mit.“ Es sei anstrengend, ein Start-up zu gründen: „Da muss man alles fünf und sechs mal überlegen. Das kostet Zeit, Energie und Nerven.“ Dass er das bis jetzt gut durchsteht, liege vielleicht an seinem „Zocker-Syndrom“: „Ich mache mir keine schlaflosen Nächte. Alles was du brauchst, ist Bock auf die Sache und Leute, die Bock drauf haben.“Und so ist schon wieder ein neues Produkt entstanden: Aus ausgesiebten, weil zu kleinen Popcorn, die sonst weggeworfen werden, wird nun „Gold-Schuss“ gemacht: Handgemachter Korn destilliert mit Karamell-Popcorn. Auch eine Form von Nachhaltigkeit, die im Unternehmen groß geschrieben wird. Deshalb gibt es auch den Mahlwerk-Kaffee bei Bedarf nicht in Alu-Kapseln, sondern in solchen aus Maisstärke. Nur eines wird es wohl kaum geben: Pottkorn in Kinos.

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