Tierschutz

Pünktchen und Anton leben jetzt bei Familie Kneisel

Anne Kneisel mit einem der beiden geretteten Rehkitze.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Anne Kneisel mit einem der beiden geretteten Rehkitze.

Neukirchen-Vluyn.   Familie Kneisel hat die beiden Rehkitze bei sich aufgenommen, nachdem deren Mutter tot geborgen worden ist. Jetzt tapsen sie munter herum.

Pünktchen und Anton sind noch ein wenig wackelig auf den kleinen Beinchen. Und wenn sich Fremde ihrem Gehege nähern, verstecken sich die beiden auch erstmal unter dem Gestrüpp, bevor sie ganz vorsichtig darunter hervor luken und aus ihren rehbraunen Augen neugierig schauen, mit wem sie es da zu tun bekommen haben. Zwei Wochen sind die niedlichen Kitze jetzt alt.

Dass sie einmal bei Anne und Ingo Kneisel wohnen würden, sollte eigentlich nicht so sein. Aber die Jungtiere haben einen tragischen Schicksalsschlag hinter sich. Ihre Mutter ist vor anderthalb Wochen offenkundig Opfer eines Unfalls geworden. Die Ricke ist an der Nieper Straße geborgen worden, erzählt Anne Kneisel, die mit ihrem Mann zusammen das Revier gepachtet hat und insofern zum Unfallort gerufen wurde.

Einen Tag später ruft der Nachbar an

Einen Tag später habe ein Nachbar angerufen und berichtet, dass er ein Fiepen auf der Wiese gehört habe. Also sind Anne und Ingo Kneisel losmarschiert – und haben die zwei völlig verängstigten und geschwächten Kitze gefunden.

„Die waren ganz klein und haben sich im Gras versteckt“, erinnert sich die Jägerin. „Wir haben dann sofort bei der Rehkitzhilfe angerufen“, sagt sie. Denn woher sollten sie wissen, was wenige Tage alte Kitze an Nahrung brauchen, um ohne Mutter durchzukommen? Ziegenmilch!

Jäger ziehen Rehkitze groß

Jäger ziehen Rehkitze groß

„Ich habe dann erstmal die Nuckelpullen von den Kindern sterilisiert“, erzählt sie weiter. Gut, dass die Flaschen noch im Haus waren. Die Kinder Franzi und Clemens sind drei und zwei Jahre alt. Franzi hat die Namen für die neuen Mitbewohner ausgesucht.

Freunde bringen Milch und Hundeboxen

Ein Jägerfreund hat umgehend die Milch besorgt. Von anderen Freunden bekam das Ehepaar die Hundebox, in der das putzige Geschwisterpärchen jetzt übernachtet. Wieder andere brachten die Welpenausläufe, aus denen nun das schattige Gehege gebaut ist.

Ein ungenutzter Komposter dient als Regenschutz. Und ein Kälbcheneimer mit einem Sauger für Lämmer tut auch seinen Dienst.

Mittlerweile können Pünktchen und Anton ihre Milch aber schon ganz gut aus dem Schälchen trinken, auch, wenn sie zuweilen staksig mittenrein treten. Mit der festen Nahrung sind sie wählerisch. „Wir müssen zweimal täglich Wildkräuter und Rosen pflücken“, erzählt Anne Kneisel und lächelt.

Um 5.30 Uhr bekommen die Kitze ihr Frühstück, alle drei Stunden wird nachgelegt. „Ich fühle mich wie eine Zwillingsmutter“, sagt die 36-Jährige und muss selbst lachen. Aber damit konnte sie nun wirklich nicht rechnen.

„Es gibt hier keine Wildtierauffangstation“, erklärt Anne Kneisel. Deswegen lag es nahe, den beiden Kitzen diesen Unterschlupf zu geben. Und: Die Kneisels haben noch alle Optionen, wie es heißt. Die Rehe können wieder in die Natur zurück, sie könnten aber auch bei den Kneisels bleiben. Das Grundstück ist groß genug. Zunächst müssen Pünktchen und Anton aber ein Jahr lang mit Milch aufgezogen werden. So lange können sie auch die abendlichen Wasch- und Massageeinheiten an Bauch und Po genießen. „Sonst bekommen die Verstopfung“, sagt Anne Kneisel.

Man merke aber, dass es den beiden auch gut gefällt.

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