Rechtsmittel eingelegt

Moers: Raserunfall - auch Mercedes-Fahrer will nach Mord-Urteil Revision

Der hochmotorisierte AMG E 63 S mit mehr als 600 PS war in Moers-Meerbeck in den Kleinwagen von Sema S. gekracht. Die Frau starb einige Tage später im Krankenhaus.

Der hochmotorisierte AMG E 63 S mit mehr als 600 PS war in Moers-Meerbeck in den Kleinwagen von Sema S. gekracht. Die Frau starb einige Tage später im Krankenhaus.

Foto: Polizei Duisburg/dpa / dpa

Moers/Kleve/Duisburg.  Moerser Raserunfall: Schuldsprüche im Prozess sind nicht rechtskräftig. Die beiden Angeklagten aus Duisburg legen gegen das Urteil Revision ein.

Der Moerser Raser-Prozess geht in die nächste Runde. Auch der Mann, der mit seinem Auto bei einem illegalen Autorennen den Tod von Sema S. verursacht hat, will gegen das zu Beginn der Woche verhängte Urteil in Revision gehen. „Beide Angeklagte haben Rechtsmittel eingelegt“, sagte der Klever Landgerichtssprecher Alexander Lembke am Freitag. Die Urteile sind damit vorerst nicht rechtskräftig. Die Anwälte des wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten 22-jährigen Duisburgers wollten sich auf Anfrage nicht äußern beziehungsweise reagierten gar nicht darauf. Welche Strategie sie verfolgen, bleibt also offen.

Der andere am Rennen beteiligte 22-Jährige, der ebenfalls aus Duisburg stammt, hatte bereits kurz nach dem Urteil Revision eingelegt. Er war am Landgericht Kleve am Montag zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden - selbst die Staatsanwaltschaft hatte noch eine Bewährungsstrafe gefordert. Der 22-Jährige, der bei dem Rennen in Moers-Meerbeck noch rechtzeitig bremsen konnte, dürfte im weiteren Verlauf des Verfahrens auf ein milderes Urteil hoffen.

Bundesgerichtshof muss entscheiden, ob das Urteil Bestand hat

Das Landgericht hat nach dem mündlichen Urteilsspruch nun fünf Wochen Zeit, das Urteil schriftlich zu verfassen. Danach beginnt eine Frist von einem Monat, in dem die Verteidiger ihre Revision begründen müssen. Der Bundesgerichtshof entscheidet schließlich, ob das Urteil gegen die beiden Angeklagten Bestand hat oder ganz oder in Teilen aufgehoben und möglicherweise neu verhandelt werden muss. Das dürfte einige Monate dauern.

Im Prozess hatten beide Angeklagte den Hinterbliebenen des Opfers, die als Nebenkläger teilnahmen, ihr Bedauern ausgesprochen. Nach drei Verhandlungstagen hatten es die Richter als erwiesen angesehen, dass sich die beiden jungen Männer am Ostermontagabend des vergangenen Jahres mit einem Mercedes AMG E 63 S und einem Range Rover Sport, beide mit weit mehr als 500 PS, auf der Bismarckstraße in Moers zu dem Rennen verabredet hatten. Der Mercedes, der in den Kleinwagen von Sema S. krachte, war demnach mit bis zu 167 Stundenkilometern unterwegs, wo Tempo 50 erlaubt ist.

Mercedes-Fahrer weiter im Gefängnis, Range-Rover-Fahrer auf freiem Fuß

Der Mercedes-Fahrer, der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft saß, bleibt im Gefängnis. Der Range-Rover-Fahrer, dem bei Rechtskraft des Urteils ebenfalls eine längere Freiheitsstrafe droht, bleibt dagegen auf freiem Fuß. Fluchtgefahr habe das Gericht bei ihm nicht gesehen, sagt Sprecher Lembke, er habe sich der Hauptverhandlung bis zum Schluss freiwillig gestellt.

Noch nicht abgeschlossen ist das Verfahren in diesem Fall auch in zwei anderen Punkten. Weiter ermittelt die Staatsanwaltschaft Kleve gegen den Vater und den Bruder des Todesfahrers. Die Frage ist, ob sie sich strafbar gemacht haben: Der Vater, weil er seinem Sohn den Wagen überlassen haben soll, obwohl der keinen Führerschein hat. Und der Bruder wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat. Er hatte den Mercedes kurz nach dem Unfall bei der Polizei als gestohlen gemeldet.

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