Schule

Scholl-Gesamtschule in Moers wehrt sich gegen Hetze

Schulpate Ibrahim Yetim (l.) und Schulleiter Rolf Grüter vor dem Logo der Gesamtschule. Lehrer und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wehren sich gegen Rassismus und Hetze.

Schulpate Ibrahim Yetim (l.) und Schulleiter Rolf Grüter vor dem Logo der Gesamtschule. Lehrer und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wehren sich gegen Rassismus und Hetze.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  In Moers stößt eine Aktion an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule zu Verschwörungstheorien auf viel Kritik. Das Kollegium bleibt am Thema dran.

In der Corona-Pandemie erfahren Verschwörungstheorien Zulauf. Mit dem Thema hat sich vor den Sommerferien auch die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers beschäftigt – und heftige Reaktionen erhalten.

„Im Frühjahr äußerten die Schülerinnen und Schüler den Wunsch, sich auch im Unterricht näher mit Verschwörungen zu befassen“, sagt Schulleiter Rolf Grüter. Mitte Juni beschloss die Schülervertretung mit dem Lehrerkollegium, einen Online-Wettbewerb für Schüler der Sekundarstufe I und der Oberstufe zu realisieren.

Das Motto: „Mein Aluhut gegen verstrahltes Gedankengut“

Das Motto: „Mein Aluhut gegen verstrahltes Gedankengut.“ „Der Titel zeigt, dass es um einen humorvollen thematischen Einstieg geht“, erklärte Grüter. Die Schüler hätten im Rahmen des Wettbewerbs Aluhüte als Symbol für die Verschwörungsfiktionen gebastelt. Wer wollte, hätte ein Bild vom aufgesetzten Aluhut auf die schuleigene Homepage hochladen und den kreativsten Hut prämieren lassen können. Die Eltern wurden über das Vorhaben informiert.

Was dann begann, entwickelte sich zu einer Empörungsflut: „Über 1200 Spam-Mails und 90 Nachrichten aus ganz Deutschland erreichten uns“, so Grüter. Ein Vater beschreibt, wie er einst stolzer Elternteil eines GSG-Schülers gewesen sei und seinen Sohn nun sofort von der Schule nehmen würde. Der Kreativ-Wettbewerb sei mit dem Widerstandskampf gegen den Nationalsozialismus der Schulnamensgeber Hans und Sophie Scholl unvereinbar. Sie hätten das Regime hinterfragt, während Meinungen heute unterdrückt würden.

Krasse Kommentare auf der Facebook-Seite

Unerwähnt bleibt laut Grüter, dass die GSG-Schüler erst im März eine Gedenkfeier zum 75-jährigen Kriegsende durchführten. Weiter fragt der Vater, welche Parteiwahl Lehrer ihren Schülern „nicht nur empfehlen, sondern befehlen“. Seine Nachricht endet mit der Signatur „Der Nicht-Lehrer, aber Querdenker“. Auf der Facebook-Seite der GSG schreiben die Kommentatoren von „Missbrauch an Kindern – nicht physisch, aber psychisch“ und von einer „Widerstandskämpferschule, die Staatspropaganda betreibt“.

Zahlreiche dieser Nachrichten stammen von der weltweiten Bewegung „StayAwake“, die laut Eigenbeschreibung für Freiheit und Selbstbestimmung steht. „Diese Gruppen stellen sich ironischerweise gegen ein Projekt, bei dem sich die Schüler auch mit ihren Freiheits- und Selbstbestimmungsansichten beschäftigen“, sagte Ibrahim Yetim, SPD-Landtagsabgeordneter und Pate des GSG-Schulprojektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Für die Schulleitung und das Lehrerkollegium ist klar: „Diese Hass- und Empörungswelle hat gezeigt, wie wichtig Aufklärung ist. Der Kreativ-Wettbewerb ruht, aber nach den Sommerferien werden wir Verschwörungstheorien und Fake-News im Unterricht erneut thematisieren.“

Der SPD-Stadtverband lädt am kommenden Freitag von 15 – 17 Uhr zur Bastelstunde in das Ladenlokal in der Kirchstraße am Beginn der Fußgängerzone gegenüber vom Rathaus. Ibrahim Yetim: „Wir greifen die Idee auf, die im Internet zu heftigen Reaktionen geführt hat und setzen mit unserer Bastelstunde ein Zeichen gegen Hass und Verschwörungstheorien. Bastelmaterial soll ebenso wie Masken mitgebracht werden. Geplant ist, die schönsten Aluhüte zu fotografieren und alle Aluhüte auf einen kleinen Spaziergang durch die Stad zu führen. Anmeldungen per E-Mail an Initiator Paul Stucki: pa.stucki@t-online.de. Die Teilnehmerzahl ist zur Einhaltung der Abstandsregelungen auf maximal 20 Personen begrenzt.

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