Städtebau

„Schwarm“ hilft bei der Finanzierung von Moerser Wohnungen

So soll es aussehen: rechts das umgebaute alte Neue Rathaus, links der Bau, der auf dem Schotterparkplatz entstehen soll.

So soll es aussehen: rechts das umgebaute alte Neue Rathaus, links der Bau, der auf dem Schotterparkplatz entstehen soll.

Foto: Tecklenburg

Moers.   Tecklenburg investiert mehr als 21 Millionen Euro am ehemaligen Moerser Rathaus. 1,5 Millionen Euro davon sollen Kleinanleger beisteuern

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Vier Monate nach dem Einstieg des Straelener Investors Tecklenburg in das Wohnungsbauprojekt am Schlosspark kommt das Vorhaben offenbar endlich voran. Anfang des Jahres beginnt die Entkernung des ehemaligen Rathauses an der Meerstraße. Neu für Moers ist die Art der Finanzierung des teuren Vorzeigeprojektes.

21,38 Millionen Euro investiert Tecklenburg in den Bau von 60 Eigentumswohnungen, die im entkernten Rathaus und auf dem benachbarten Schotterparkplatz entstehen sollen. Doch eine Bank übernimmt nur einen Teil dieser Summe. 1,5 Millionen Euro will der Bauträger und Projektentwickler von Kleinanlegern einsammeln, die schon ab einem Einsatz von 500 Euro dabei sein können.

„Schwarm-Finanzierung“ (Crowd-Investing) nennt die Branche diese relativ junge Art der Geldbeschaffung für Wohn- und Gewerbeimmobilien. Für Moers ist es offenbar eine Premiere. Im konkreten Fall arbeitet Tecklenburg mit der Internetplattform Zinsland zusammen. Das Vorhaben am Schlosspark ist das bereits fünfte Projekt, das die Straelener und Zinsland gemeinsam angehen.

7 Prozent jährliche Rendite werden den Anlegern versprochen – eine Menge in Zeiten von Fast-Null- Zinsen. Gebühren, verspricht Zinsland zudem, entstehen für sie nicht. Die übernimmt der Projektentwickler komplett. Freilich gehen Anleger – bei der hohen Verzinsung kein Wunder – durchaus ein Risiko ein. Sie sind per Darlehensvertrag so genannte „nachrangige Gläubiger“. Sollte der Bauherr insolvent werden, müssen sie damit rechnen, dass ihr Geld futsch ist.

Jede Woche 15 Anfragen

„Entscheidend für den Erfolg sind immer die Qualität des Bauvorhabens und die Erfahrung des Projektentwicklers“, sagt Carl von Stechow, Gründer und Geschäftsführer von Zinsland. „Jede Woche bekommen wir etwa 15 Anfragen, vier von fünf sortieren wir nach einer ersten Sichtung gleich wieder aus, weil sie unseren Anforderungen nicht genügen.“

Bei Tecklenburg ist man jedenfalls zufrieden. Wie Projektmanagerin Stephany Quarte berichtet, sind über die Internetseite www.zinsland.de binnen weniger Tage schon gut 500 000 Euro zugesagt worden. Damit ist mehr als ein Drittel des „Schwarm-Beitrages“ eingenommen – und die so genannte Funding-Phase läuft noch bis Ende Januar. Dass Tecklenburg überhaupt diesen Weg geht, statt das Moerser Projekt trotz der „enorm vielen Anfragen von Kaufinteressenten“, so Stephany Quarte, nicht komplett durch eine Bank finanzieren zu lassen, erklärt die Managerin damit, dass Kreditinstitute „gerne eine möglichst hohe Eigenkapitalquote haben.“ Genau das könne man mit den Beiträgen der Kleinanleger erreichen: „Das ist eine gute Sache.“

Nur kaufen, nicht mieten

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass der Alpener Architekt Peter Werle den Zuschlag für den Kauf des ehemaligen Rathauses und des angrenzenden Schotterparkplatzes bekommen hat. Das Engagement von Tecklenburg begann im August mit der Übernahme von 51 Prozent der Anteile an Werles Firma Webag. Anders als ursprünglich geplant, sagt Stephany Quarte, werde man ausschließlich Eigentumswohnungen – 55 bis 155 Quadratmeter groß – bauen und auf Mietwohnungen verzichten. Änderungen gibt es auch bei der Tiefgarage, die nun ein- statt zweigeschossig werden soll. Darüber hinaus habe Tecklenburg entschieden, die beiden Projektteile auf dem Schotterplatz und am Rathaus gleichzeitig – und nicht nacheinander – zu realisieren. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit, geht es mit der Entkernung das Baukörpers Anfang 2017 los. Im vierten Quartal, so hofft Stephany Quarte, können an der Meerstraße die Umzugswagen vorfahren.

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