Senioren gründeten Netzwerke

Foto: Fotografie Olaf Fuhrmann

Fast 70 Frauen und Männer zwischen 55 und 90 Jahren waren ins Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Meerbeck gekommen, um gemeinsam Netzwerke zu gründen, in denen Sie miteinander aktiv sein können.

Moers. „Welche Angebote gibt es in Meerbeck für Menschen über 55 Jahre?“ fragte Johanna Geistert, Moderatorin des Nachbarschaftstages 55+ in die Runde. „Nichts!“ tönte es zurück. „Volkshochschule“, warf ein anderer ein. „Frauenhilfe“ ergänzte eine ältere Dame. Erst zögerlich, dann zunehmend selbstbewusster formulierten die Seniorinnen und Senioren ihre Wünsche. Diese reichten von Interesse an Computern, Reisen, gemeinsamem Spielen bis zum Philosophieren oder Handarbeiten. Früh zeigte sich, dass sich viele der Ideen überschnitten und schnell fanden sich Personen, die auch Lust hatten, die erste Organisation für einzelne Interessenskreise zu übernehmen. Erfolg des ersten Treffens: Mehrere Gruppen sind in Meerbeck im Entstehen begriffen, darunter ein Literaturkreis, ein Gesprächskreis für Ältere mit und ohne Migrationshintergrund, eine Gruppe zur Reinigung des Stadtteils. Darüber hinaus stellte es sich als Wunsch heraus, dass jemand Fahrten für Menschen mit Behinderungen zum Moerser Wahrzeichen Geleucht auf der Halde organisiert. Dorthin darf man nur mit Ausnahmegenehmigung fahren, so ist der Weg nicht für alle Ältere machbar. Und nebenbei tauschten die Senioren auch Informationen aus, die sonst vielleicht unausgesprochen geblieben wären. Z. B. erfuhren diejenigen, die gern die neue Moschee besuchen wollten, dass am 22. März um 14 Uhr die öffentliche Einweihungsfeier sei, aber man auch sonst jederzeit zu Besuch kommen könne.

Das Konzept ist aufgegangen, denn die Idee hinter dem Tag war, dass es nicht nur darum geht, bestehende Angebote zu nutzen, sondern auch darum, selber aktiv zu werden. „Wenn man ein bestimmtes Alter hat, weiß man selbst, was für einen am Besten ist“, erklärte Rainer Tyrakowski-Freese, Leiter des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers. „Warum also sollten sich Ältere nicht zusammentun und gemeinsam entscheiden, was sie zusammen machen wollen?“ Die Vernetzung diene dazu, dass sie sich kennenlernen, um gemeinsam etwas unternehmen können, aber gegebenenfalls auch „dass wir beim Älterwerden zusammenstehen.“ So fällt es z. B. den anderen auf, wenn eine Person bei einer gemeinsamen Aktivität, die ihm sonst wichtig war, plötzlich fehlt.

Ute Schmitz, stellvertretende Bürgermeisterin von Moers, freute sich über den großen Zuspruch und erklärte, dass die Teilnahme an dem Tag eine Investition in die eigene Zukunft sei: „Seien Sie aktiv, haben Sie Spaß am heutigen Tag und haben Sie Spaß an ihrer Nachbarschaft.“

Den hatten sie: „Ich habe durch den heutigen Tag die Kulturwerkstatt entdeckt“, ist eine 62-Jährige begeistert. Eine 66-jährige erklärte, dass sie sich am integrativen Gesprächkreis beteiligen wird. Und zwei Ehrenamtliche der Kirchengemeinde, 74 und 78 Jahre alt, wollen unbedingt beim nächsten Treffen dabei sein. Ein 65-jähriger Meerbecker ist gespannt, ob es eine Kontinuität der Gruppen geben wird, ist aber guten Mutes: „Durch die Einladung an Bürger über 55 Jahre ist ja schon eine Beständigkeit gegeben.“ Schließlich möchte ein 70-Jähriger ehemaliger Lehrer sich zwar nicht mehr fest an eine Gruppe binden, aber dennoch aktiv und informiert über die Möglichkeiten im Stadtteil bleiben. „Deswegen ist mir wichtig, dass es eine Koordination gibt.“

„Grundlegend ist, dass man sich regelmäßig trifft, z. B. einmal im Monat“, sagte Johanna Geistert aus ihrer Erfahrung in Mülheim und Düsseldorf. „Geben Sie den Ideen eine Chance, sich zu entwickeln. Und: Im Lauf der Zeit kommen noch neue Ideen dazu.“

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag“, erklärt Rainer Tyrakowski-Freese. „Die Idee ist, dass die Seniorinnen und Senioren sich vernetzen. Ein guter Anfang dazu ist gemacht.“ Für einen vollen Erfolg hält auch Dorothee Bartsch vom Ev. Forum Kirchenkreis Moers, das gemeinsam mit der Moerser Diakonie, der Ev. Kirchengemeinde und dem Internationalen Kulturkreis e. V. (IKM) diesen Tag gestaltet hat, die Veranstaltung. „Wir hatten damit gerechnet, dass das Interesse groß sein würde - unsere Erwartungen sind aber weit übertroffen worden, weil sich schon so viele Gruppen gebildet haben.“ Mit Blick auf den Nachbarschaftstag im Bezirk Mattheck/Josefsviertel weiß sie, dass ganz andere Gruppen entstehen werden. „Das ist das Konzept, dass die Menschen in den jeweiligen Stadtteilen selber die Themen am Besten kennen, die ihnen wichtig sind.“

Die Evangelische Kirchengemeinde Meerbeck ist langfristig Ansprechpartnerin für die Netzwerkteilnehmenden. Das nächste Treffen ist am 9. März, 17 Uhr, wieder im Gemeindehaus, Bismarckstr. 35 b. Dort sind auch neu hinzukommende Interessierte gern gesehen.

Meerbeck sei ein aktiver Stadtteil, die Akteure wüssten nur zu wenig voneinander, erklärte auch Jugend- und Sozialamtsleiter der Stadt Moers, Michael Rüddel. Ein großer Erfolg des Nachbarschaftstages sei, dass sie miteinander ins Gespräch gekommen seien und sich durch die Vernetzung neue Initiativen gegründet hätten.

Das Diakonische Werk Kirchenkreis Moers und der Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Moers haben die Federführung dieses Projekts, das im Rahmen des Landesprogramms „Aktiv im Alter“ steht. Bürgermeister Norbert Ballhaus hatte zum Nachbarschaftstag persönlich eingeladen.

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