Politik

Siegmund Ehrmann aus Moers kehrt dem Bundestag den Rücken

Verbunden  mit Moers: Siegmund Ehrmann vor dem Grafschafter Museum.

Foto: Markus Joosten

Verbunden mit Moers: Siegmund Ehrmann vor dem Grafschafter Museum. Foto: Markus Joosten

Moers.   Siegmund Ehrmann verlässt nach 15 Jahren den Deutschen Bundestag. Der Blick zurück: Es waren wichtige Jahre für Deutschland – und für Ehrmann.

In den kommenden vier Jahren wird es keinen sozialdemokratischen Abgeordneten aus Moers, Neukirchen-Vluyn und Krefeld-Nord im Deutschen Bundestag geben. Elke Buttkereit hat sich gegen Kerstin Radomski (CDU) nicht durchsetzen können. 2002 wurde der Wahlkreis auf den noch heute gültigen Stand zugeschnitten. Seitdem war er fest in SPD-Hand, oder besser: fest in der Hand von Siegmund Ehrmann.

Ein Blick zurück: Den 4. Dezember 2001 hat Ehrmann noch in guter Erinnerung: „Da bin ich als Bundestagskandidat nominiert worden.“ Das mag aus heutiger Sicht, nach 15 Jahren in der deutschen Volksvertretung, vielleicht wie selbstverständlich klingen, doch das war es damals nicht.

34 Jahre lang war er Beamter der Stadt Moers

Natürlich: Ehrmann ist Genosse, seit er volljährig wurde. Ehrenamtliches Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit, später in der Kommunalpolitik war stets seine Sache und beruflich hat der Diplom-Verwaltungswirt 34 Jahre als Beamter der Stadt Moers Erfahrung sammeln können, davon acht als Personal-, Organisations- und Kulturdezernent.

Aber ist das zwangsläufig eine Grundlage für den Deutschen Bundestag? Befähigt alles das dazu, die deutsche Politik mitzugestalten und dabei den Wahlkreis nicht zu vergessen? Offenbar war das bei Siegmund Ehrmann so. 51,5 Prozent der Wähler haben ihm 2002 ihre Stimme gegeben, quasi ein Vertrauensvorschuss für den zuweilen harten Politik-Alltag in der Hauptstadt: „Siggi, du schaffst das.“

Die Menschen sind nicht unpolitischer geworden

Wenn Ehrmann seine frühen Jahre als Bundestagsabgeordneter mit den letzten vergleicht, dann fällt ihm eines auf: „Die Menschen haben damals direkter auf Politik reagiert. Ich kann mich in den Wahlkämpfen 2002 und 2005 an heftige Debatten an den Info-Ständen und an Diskussionsrunden mit einer breiten Öffentlichkeit erinnern. Ich glaube aber nicht, dass die Menschen heute unpolitischer geworden sind, sie haben aber eine größere Distanz.“

In den 15 Jahren, in denen Ehrmann Bundestagsmitglied war, ist viel passiert: „Denken Sie nur an die Finanzkrise 2007/2008. Dahinter stand ja auch die Frage: Welchen Weg geht Europa?“ Aktuell bewegt ihn die Frage, welche Rolle Deutschland in Europa spielen soll. Er rät zur Vorsicht: „Wir sollten darauf achten, wie wir im Ausland beurteilt werden. Deutschland darf in Europa nicht in den Verdacht kommen, zu wenig mannschaftsdienlich zu spielen.“

Die persönliche Bilanz

Seine persönliche Bilanz? Von Beginn seiner Zeit in Berlin hat er dem Ausschuss für Kultur und Medien angehört, seit 2014 war er der Vorsitzende. Einen scharfen Blick auf die immensen Bewegungen in der Medienlandschaft und die Pressefreiheit anderswo darf man ihm also unterstellen.

Besonders am Herzen liegt ihm das 2016 verabschiedete Kulturschutzgesetz, in dem es um Regelungen für den internationalen Handel mit Kulturgütern, aber auch die Rückgabe entzogenen Kulturgutes geht. Eine Einschätzung folgt zwar erst 2018, doch Ehrmann hat bereits gesehen: „Das Gesetz greift, es ist kein Bürokratiemonster.“

Nicht erst seit dem Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl macht Ehrmann sich Gedanken über den Zustand der Demokratie: „Das Diffamierende der Rechtspopulisten greift immer mehr Raum. Das geht an die Grundfesten der Demokratie. Wenn dieser Geist Raum greift, mache ich mir Sorgen um die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in unserem Land.“

>>Info

Siegmund Ehrmann, geboren am 24. Januar 1952 in Moers; verheiratet, eine Tochter; Diplom-Verwaltungswirt.

1968 – 2002 Beamter der Stadt Moers, ab 1988 Leiter des Personalamtes, 1994 – 2002 Personal-, Organisations- und Kulturdezernent der Stadt Moers.

Politik: SPD-Mitglied seit 1970; 1984 – 1990 Ratsmitglied Neukirchen-Vluyn; seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages; 2004 – 2013 Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Moers; seit 2014 Mitglied im Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion. Alle Angaben von der Internetseite www.siegmund-ehrmann.de

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