Märchen

Silvia Knapp erzählt Märchen im Kamp-Lintforter Café Klatsch

Märchenerzählerin Silvia Knapp.

Märchenerzählerin Silvia Knapp.

Foto: Volker Herold

Kamp-Lintfort.   Silvia Knapp ist Märchenerzählerin. Am Sonntag ist sie im Café Klatsch in Kamp-Lintfort gewesen. Thema an dem Tag: Rotkäppchen und der böse Wolf.

„Es war einmal, vor langer Zeit“: So begann am Sonntag ein besonderer Nachmittag im Cari-Treff auf der Kamperdickstraße. Jeden vierten und zweiten Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr treffen sich Senioren zum Sonntagscafé.

Das „Café Klatsch“ ist ein Angebot des Gemeinsamen Quartiersbüros Mitte. Das Konzept: Jeder ist willkommen und kann kostenfrei teilnehmen. Wer nicht gut zu Fuß ist, wird auf Anmeldung vom Quartiersbüro-Team abgeholt und zum Cari-Treff gefahren.

Hier erwartet die Teilnehmer immer etwas Neues: „Wir haben jeden Sonntag ein anderes Programm“, sagt Jeannette Fritz vom Quartiersbüro. „Nun besucht uns zum ersten Mal eine Märchenerzählerin.“

Jeder hat hier seinen Platz

Kein Wunder also, dass die 15 Senioren ganz schön neugierig waren, was sie erwartet. In gemütlicher Runde nahmen sie am Tisch Platz. „Ich bin mal gespannt“, sagt Josefine Frost. Die 89-jährige Kamp-Lintforterin hat das Sonntagscafé zum dritten Mal besucht. „Jeder hat hier seinen Platz“, sagt sie. „Und es gibt immer ein neues Programm und Zeit für Kaffee und Kuchen.“

Neugierig blickte sie mit den anderen Zuschauern zur Türe: Märchenerzählerin Silvia Knapp betrat den Raum. So ein bisschen erinnerte sie an frühere Zeiten: Im bodenlangen, erdfarbenen Kleid schritt sie mit runder Brille auf der Nase ihres Weges.

Für Knapp ist das Märchenerzählen eine Herzensangelegenheit: Seit vielen Jahren liest sie ihren beiden Töchtern Märchen vor. Ihre ältere Tochter ist geistig behindert. „Die Geschichten machen sie glücklich“, sagt Knapp.

Sie hat eine Ausbildung gemacht

Überzeugt von der positiven Wirkung auf die Psyche des Menschen absolvierte die Bönninghardterin eine neunmonatige Ausbildung zur Märchenerzählerin. Seit 2013 besucht sie Seniorenzentren in ganz Deutschland und zaubert besonders von Demenz betroffenen Personen ein Lächeln aufs Gesicht. „Märchen wecken Emotionen“, findet Knapp. Und genau war es, was ihr beim Sonntagscafé gelang.

Sie hatte einen großen, alten Koffer dabei. Darin: Utensilien wie märchenhafte Puppen, Pelze, alte Bücher und ein Weidenkorb. „Werden wir verhext?“, fragte Josefine Frost lachend, als Knapp mit einer Klangschale Töne erklingen ließ.

„Die rote Puppe im Koffer ist Rotkäppchen“, erinnerte sich eine Seniorin. Just begann die Märchenerzählung, bei der Knapp in verschiedene Rollen schlüpfte: die liebe Großmutter, der böse Wolf und das brave Rotkäppchen.

Die Senioren sind mittendrin

Das laute Klopfen an der Türe, das Schnarchen des Wolfes: All das imitierte Knapp grandios. Und: Als der Wolf die Großmutter frisst, stellen die Senioren lachend fest: „Dann bisse weg.“ Nach dem Satz „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ ging Knapp reihum. Die Senioren erfühlten Stoffe wie Samt und Leinen. Passend zum Rotkäppchen-Märchen fiel den Senioren einiges ein: Natur, Ruhe, Tiere und einige Sprichwörter verknüpften sie mit dem Wald.

Als Knapp Lorbeerblätter, Tannenzweige und Holunderzweige zum Fühlen und Riechen anreichte, waren die Senioren mittendrin - in der zauberhaften Märchenwelt, in der jeder wieder Kind sein darf.

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