Karneval

Sind die Kamp-Lintforter Karnevalsmuffel oder eher Jecken?

Foto: Oliver Berg

Kamp-Lintfort.   Feiern Sie Karneval? Wir haben uns vor den tollen Tagen auf der Straße umgehört. Überraschung: Die Meinungen gehen nicht weit auseinander.

Morgen geht der Straßenkarneval mit Altweiberfastnacht auch am Niederrhein in die heiße Phase. Und wer feiert mit? Anfang Januar hatten sich bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa 38 Prozent der Befragten über zu viel Karneval im Fernsehen genervt gezeigt. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte vor wenigen Tagen gegenüber der Deutschen Presseagentur gesagt, dass der Karneval in den letzten Jahrzehnten zu etwas geworden sei, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspreche als „unserer Karnevalskultur“.

Wir haben uns in Kamp-Lintfort umgehört und Passanten vor dem EK3 gefragt, ob und wie sie in diesem Jahr Karneval feiern.

Ulrike Balzer (55) wird am Rosenmontag „wie immer“ mit ihrer Clique in Kamp-Lintfort zum Zug gehen. Die passende Verkleidung holt sie aus ihrem Fundus. „Wenn ich Altweiber feiern gehe, dann eher in einer der großen Städte. Aber das passt in diesem Jahr bei mir nicht.“ Bei Karnevalskost im Fernsehen ist sie wählerisch: „Höchstens alternativer Karneval, so etwas wie die Stunksitzung.“

Ein bisschen feiern

„Ein bisschen“ feiern geht Uwe Schubert (55) mit seiner Frau und Freunden. „Wir werden Altweiber und eventuell Rosenmontag unterwegs sein.“ Letzteres sei aber wetterabhängig. Karneval im TV interessiere ihn überhaupt nicht, sagt Schubert. Und das von OB Reker zum Thema gemachte Alkoholproblem, so Schubert, sei nicht neu: „Das war schon immer so.“

Angelina Stradal (35) feiert auf jeden Fall – mit ihren jüngeren Kindern, die sechs und 14 Jahre alt sind. Während die Kinder sich in Spiderman und Punker verwandeln werden, treibt Angelika Stradal für sich weniger Aufwand: „Hütchen auf, etwas Farbe in die Haare, schminken“ – das muss für den Zug am Rosenmontag reichen. Karneval im Fernsehen würde sie selber nicht anschauen. „Aber mein kleiner Sohn guckt das total gerne, und dann schaue ich mit.“

Auch sie sieht an den tollen Tagen Probleme mit dem Alkoholkonsum: „Ich würde meine Kinder nicht alleine zum Zug lassen. Der Zug wird immer mehr zu einer großen Alkoholparty. Bei Sitzungen finde ich es okay, Alkohol zu trinken, aber nicht beim Umzug.“ Sie selbst trinke beim Umzug keinen Alkohol.

Ab heute jagt ein Termin den anderen

Heiner Geldermann (66) kommt aus Orsoy, geht aber desöfteren in Kamp-Lintfort einkaufen. Er ist Überzeugungstäter. Er habe 1982 angefangen, den Karneval in Orsoy wieder zu beleben, erzählt Geldermann, der aktuell Ehrenpräsident des 1. OKK (1. Orsoyer Karnevals Komitees) ist. Klar also, dass für ihn ab heute ein Termin den anderen jagt. Los geht es am Donnerstagmorgen mit Besuchen in verschiedenen Institutionen, dann geht es weiter mit Möhnenumzug und dem Altweiberball am Abend. Am Freitag folgt die Büttensitzung, am Samstag die Schlagernacht. Sonntags wird kurz ausgeruht und am Rosenmontag auf die Ehrentribüne beim Duisburger Rosenmontagszug.

Wenn es das Wetter erlaubt, wird auch Agnes Bailly (85) sich den Rosenmontagszug in Kamp-Lintfort nicht entgehen lassen. Es dürfe aber nicht so kalt sein, sagt sie. Früher habe sie Karneval richtig gefeiert, heute feiere sie eher bei einem Kaffeetrinken mit Freundinnen.

Bei Anna Shin (23) und Oli Turguno (23), beide Studenten an der Hochschule Rhein-Waal und sonst zuhause in Usbekistan, spielt der Karneval in diesem Jahr keine große Rolle. Oli hat sich vor zwei Jahren den nachgeholten Zug in Kamp-Lintfort angeschaut, Anna hat noch nie einen Karnevalsumzug gesehen. „Wir waren auch schon mal auf einer Karenvalsparty in Moers“, erzählen die beiden. Aktuell stehen für die Studenten Prüfungen an – da bleibt in diesen Tagen so oder so nur wenig Zeit zu feiern.

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