Karrieren

Sopranistin Linda Joan Berg auf dem Weg nach oben

Die Sopranistin Linda Joan Berg aus Neukirchen-Vluyn,bei einem Auftritt mit dem MGV Liederkranz.

Foto: Privat

Die Sopranistin Linda Joan Berg aus Neukirchen-Vluyn,bei einem Auftritt mit dem MGV Liederkranz. Foto: Privat

Neukirchen-Vluyn/Hamburg.   Die Neukirchen-Vluynerin sang einst im Jugendsingkreis Rayen und in der Moerser Musikschule. Jetzt arbeitet sie in Hamburg als Profisängerin.

Das Singen begleitet Linda Joan Berg, so lange sie denken kann. Zwölf oder dreizehn muss sie gewesen sein, lebte mit ihren Eltern in Neukirchen-Vluyn und gehörte unter Pfarrer Manfred Mielke dem Jugendsingkreis Rayen an. Sie erinnert sich, wie sie damals ihrer Mutter eine Sehnsuchtsfrage stellte: Ach Mama, warum kann ich nicht immer nur singen? Mittlerweile ist sie 30 Jahre alt, und ihr Lebenstraum hat sich erfüllt: Linda Joan Berg lebt heute als Berufssängerin in Hamburg.

Die Niederrheinerin hat diesen Wunsch mit großer Beharrlichkeit verfolgt. Bei der Musikreferentin der Stadt Moers, die am Martinstift wirkte, nahm sie als Jugendliche Gesangsunterricht: „Frau Dr. Christiane Schumann hat mich enorm gefördert und bestärkt“, berichtet Linda. Noch in der Woche vor den Abiturklausuren am Julius-Stursberg-Gymnasium absolvierte sie in Hamburg erfolgreich die Aufnahmeprüfung. „Da habe ich gespürt, dass dieser Weg für mich tatsächlich in Frage kam. Ich schwebte echt auf Wolke sieben.“ Nach dem Abi schrieb sie sich in der Elbmetropole an der Universität und Hochschule für Musik und Theater zunächst für ein Lehramtsstudium ein. Das war Ihr Plan A, denn die Leidenschaft mit dem Beruf zu verbinden, schien eine traumhafte Perspektive. Nachdem dann aber auch ihr dortiger Professor Jörn Dopfer sie weiter bestärkte, studierte sie an derselben Musikhochschule zusätzlich Gesang und schloss 2015 schließlich den Master of Music sowie 2017 den Master in Liedgestaltung ab, in beiden Fällen mit Bestnoten. Hinzu kamen etliche Meisterkurs- und Wettbewerbserfahrungen. Die Sopranistin erhielt Stipendien und Preise, darunter 2016 den begehrten Schubert-Preis der Deutschen Schubert-Gesellschaft.

Im Dezember in Rheinhausen

Mittlerweile ist Linda als freiberufliche Sängerin auf den unterschiedlichsten Bühnen zu sehen und zu hören: beim Neujahrsempfang der CDU Neukirchen-Vluyn oder einer Operettenrevue über das Berlin der 20er Jahre im Planetarium Hamburg, beim Mozart-Abend auf Gran Canaria oder auf einer Konzertreise der MS Albatros. Am Ostermontag hat sie im Festgottesdienst der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg Bachs Osteroratorium und Mozarts Solokantate „Exsultate Jubilate“ gesungen. In der Heimat wird sie spätestens im Dezember wieder auftreten: Linda ist für das Weihnachtskonzert des Konzertchores Concordia Rheinhausen und dem Johann-Strauß-Ensemble unter der Leitung von Daniel Draganov am 16. Dezember in der Rheinhausen-Halle engagiert.

Darüber hinaus arbeitet Linda viel an Grundschulen: „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt sie. Denn es stört die Sängerin, dass klassische Musik unter solch einem „elitären und altmodischen Ruf“ leidet, wie sie es formuliert. „Dieses Vorurteil möchte ich aufbrechen.“ In der Schule nutzt sie die Gelegenheit, Berührungsängste gegenüber Volksliedern abzubauen: „Ihre Texte sind poetisch und die Inhalte bereichern unsere emotionale Bildung. Man muss es natürlich erklären und die Bewertungen wegnehmen.“ Das hieße aber ja nicht automatisch, dass Klassik das einzig Wahre sei: „Ich höre in meiner Freizeit genauso gerne Pop und gehe tanzen.“

Linda gefällt es, als freiberufliche Sängerin auf vielen Bühnen mit einer großen musikalischen Bandbreite unterwegs zu sein. Ein festes Engagement würde sie freilich nicht in jedem Fall ablehnen, „es muss eben passen“. Ziemlich sicher wird Linda Joan Berg vorerst nicht in ihre Heimat zurückkehren: „Hamburg ist ein gutes kulturelles Sprungbrett.“

Und die Stadt der Elbphilharmonie. Bei diesem Thema gerät Linda Joan Berg ins Schwärmen: „Dieser Raum singt von allein“, sagt sie. „Man muss gar nicht viel Druck geben, der Ton bleibt – egal, ob piano oder forte.“ Klar, ist sie schon im Großen Saal des Konzerthauses gewesen, aufgetreten noch nicht. Linda: „Aber ich arbeite daran.“ Die entsprechenden Leute kennt sie schon…

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