Politik

SPD-Fraktionschef Atilla Cikoglu will mehr Tacheles reden

Atilla Cikoglu ist neuer SPD-Fraktionsvorsitzender in Moers.  

Atilla Cikoglu ist neuer SPD-Fraktionsvorsitzender in Moers.  

Foto: Klaus Dieker

Moers.   Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Atilla Cikoglu im NRZ-Interview: Von Leuchtturm-Projekten und Mittel und Wege gegen einfache Botschaften.

Atilla Cikoglu (42) ist seit vier Wochen Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Moers. Über seine politischen Ziele, über die SPD im Großen und im Kleinen und die einfachen Botschaften der AfD spricht er im Interview mit Matthias Alfringhaus (NRZ).

War es für die SPD sinnvoll, erneut in die große Koalition zu gehen?

Atilla Cikoglu: Am Anfang war ich ein Befürworter der GroKo, aus einer gewissen Staatsräson heraus. Jetzt bereue ich das manchmal, auch weil es Führungsprobleme gibt.

Ist Andrea Nahles geeignet, die schwierige Situation zu meistern?

Ich halte sie nicht für geeignet, um sozialdemokratisches Profil zu stärken und eine Erneuerung voranzutreiben. Ihre Doppelrolle als Bundesvorsitzende und Fraktionschefin ist schon schwierig.

Wie würden Sie aktuell den Zustand der Sozialdemokratie in Moers beschreiben?

Die Seele ist geknickt. Ich erlebe aber auch, dass viele mit Mut und Gesinnung zu unseren Wurzeln zurückkehren und mehr Bürgernähe suchen. Es gibt große Lust und Kraft, in Moers SPD-Politik zu machen, wir sind in einer Jetzt-erst-recht-Haltung.

Was sind die Leuchtturm-Projekte?

Wir möchten den nächsten Schritt in der Seniorenpolitik machen. Vieles ist schon innovativ, aber wir müssen aufzeigen, wohin der Weg führt. Viele ältere Menschen brauchen Hilfe, leiden unter Einsamkeit oder Armut. Mein Wunsch wäre eine aufsuchende Seniorenarbeit. Wir müssen die Kontakte zu diesen Menschen organisieren, zu einer strukturierten Stadtteilarbeit kommen.

Ebenso wollen wir einen sozialen Wohnungsmarkt, ein behindertengerechtes Wohnen und natürlich müssen wir den Wirtschaftsstandort Moers stärken.

Wie steht es denn um die Wirtschaft in Moers?

Viele zeigen mit dem Finger nach Kamp-Lintfort und fragen: Warum ist das alles dort so einfach? Für mich stellt sich da die Frage: Was müssen wir tun, damit die Prozesse hier einfacher werden? Wir wissen, dass die Verwaltung gut arbeitet, aber vielleicht können manche Abläufe ja noch schneller und besser werden.

Apropos schnelle Abläufe: Sind angesichts bundesweit sinkender Mitgliederzahlen drei Moerser Ortsvereine noch gut?

Als Fraktionsvorsitzender stellt sich mir die Frage nicht. Von meinem Ortsverein (Rheinkamp, Anmerkung der Redaktion) ist die Zusammenlegung mit anderen Ortsvereinen mit nein beantwortet worden. Natürlich haben die Ortsvereine Moers und Kapellen ihre eigene Autonomie, über das Thema zu sprechen.

Sie sind mit großer Mehrheit zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Ist das nicht eine gute Grundlage, um bei der Kommunalwahl 2020 als Bürgermeisterkandidat anzutreten?

Nein, das ist kein Signal. Ich stelle mich jetzt der Verantwortung als Fraktionsvorsitzender ohne weitere Gedanken. Eine Kandidatur als Bürgermeister kommt für mich zurzeit nicht in Frage.

Drei Dinge, die Sie mit Moers verbinden?

Heimat, Familie, Schloss.

Drei Dinge, die Sie sich für Moers wünschen?

Eine Universität, keine Schulden mehr und eine zufriedene Bürgerschaft.

Wie ist der Sachstand bei den Plänen fürs Weiße Haus und am Kastell?

Wir haben nach dem Ratsbeschluss noch keine Rückmeldung erhalten. Wichtig ist, dass es ein fraktionsübergreifender Antrag ist. Bis auf die FDP sind alle dabei, auf die Freien Demokraten werde ich bald zugehen.

Bei der Bundestagswahl 2017 gab es in Bezirken, in denen bisher traditionell SPD gewählt wurde, teilweise über 20 Prozent für die AfD. Wie gehen Sie damit um?

Die AfD sendet einfache Botschaften für unzufriedene Wähler. Viele merken dabei nicht, dass sie in einer Filterblase stecken. Wir müssen mit Leuten sprechen, die eine andere Meinung haben, mehr Tacheles reden und nichts beschönigen. Unser Konzept „ansprechBar“ wollen wir verstärken, um die Menschen zu überzeugen. Das ist übrigens auch eine Aufgabe über die Kommunalwahl 2020 hinaus.

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Atilla Cikoglu (42), in Moers geboren, gehört seit 2004 dem Rat an, ist Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und im SPD-Ortsverein Rheinkamp Bildungsbeauftragter.

Er ist aktives Mitglied in vielen Moerser Vereinen, unter anderem gehört er dem FC Meerfeld und dem Vorstand des Vereins Klartext für Kinder an. Der Verwaltungsfachwirt ist seit 2007 Sachbearbeiter beim Polizeipräsidium Dortmund.

Ab heute, 11. Januar, gibt es jeweils um 11 Uhr eine offene Bürgersprechstunde im SPD-Fraktionszimmer, im Rathaus (3. OG).

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