Ausstellung

Sven Fennema zeigt schrecklich schöne Orte im Kloster Kamp

Fotograf Sven Fennema zeigt im Gewölbekeller von Kloster Kamp „Melancholia - Zauber vergessener Welten“.

Fotograf Sven Fennema zeigt im Gewölbekeller von Kloster Kamp „Melancholia - Zauber vergessener Welten“.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Sven Fennema fotografiert verlassene, verfallene Häuser und setzt den morbiden Charme im Gewölbekeller am Kloster Kamp in Kamp-Lintfort in Szene.

Sven Fennema fotografiert gerne Architektur. Obwohl: Manche seiner Modelle verdienen das Wort Architektur kaum noch und das mit der Linienführung ist etwas bröselig. Der Krefelder liebt „Lost Places“, verlassene, verfallene Häuser mit all ihrem morbiden Charme. Zum zweiten Mal stellt er nun nach 2014 im Gewölbekeller des Klosters Kamp seine Bilder aus. Diesmal entstanden sie ausschließlich in Italien. Der dazugehörige Katalog ist ein „Möbelstück“ in

DIN A3 mit dem Titel „Melancholia“, 320 Seiten stark und voller verfallener und verfallender Häuser.

Drei Jahre war Fennema in Italien von Nord nach Süd, von West nach Ost unterwegs. Er besuchte nach vom Erdrutsch verlassene Dörfer, seit Jahrzehnten geschlossene Psychiatrien, herrenlose Herrenhäuser, komplett ruinierte Bauernhöfe und Palazzi, die nicht Glanzvolles mehr haben. „Ich fahre nie Autobahn, sondern über die Dörfer. Da entdecke ich oft manches über das hinaus, was ich vorher recherchiert habe“, erzählt der Fotograf, der inzwischen von seiner Passion leben kann.

Das Kopfkino geht an

Was er findet und ins Bild setzt, macht sofort das Kopfkino an. Wer hat wohl zuletzt auf diesem zerschundenen Stuhl gesessen, der da einsam und umgeben von Efeu steht? Warum verlässt jemand das Haus mit diesem traumhaften Blick über den See? Wieso wirkt das Wasser in der Therme so frisch und glitzernd, obwohl es von bröselndem Gemäuer umgeben ist?

Manchmal ist Sven Fennema selbst überrascht, was er vorfindet: „In einen völlig zusammengefallenen Bauernhof in der

Lombardei bin ich mal reingegangen ohne große Erwartungen und da gab es eine wunderschöne, riesige Halle mit alten Fresken.“ Was ihn ebenso fasziniert, sind Orte, die sich die Natur wieder zurückerobert: „Die Natur macht ihre eigenen Gemälde.“

Warum ausgerechnet Italien? „Weil es da so viele alte Gebäude gibt“, weiß der Fotograf, der nie dekoriert, sondern höchstens mal Müll oder alte Plastikflaschen aus dem Bild räumt. Auch Blitzlicht kommt nicht in Frage: „Wenn es mit dem Licht knapp ist, lege ich mehrere Aufnahmen übereinander.“

Die Auflagen sind hoch

Warum die Italiener so manchen Prachtbau so herunterkommen lassen? Fennema erklärt sich das so: „Die stehen meist abseits der touristischen Zentren. Die Denkmalauflagen sind hoch. Ein Privatinvestor kann sich das überhaupt nicht leisten. Und für andere lohnt es sich nicht.“ Und manchmal, sagt er, gebe es Besitzer, die durchaus stolz sind auf die Patina ihres Hauses.

„Lost Places“ sind begehrte Fotomotive. Leider auch bei Menschen, die nicht so verantwortungsvoll mit ihren Funden umgehen und deren Existenz dann in Kreisen bekannt wird, die sich dem nicht mit der Kamera nähern, sondern mit der Axt. Auf einem von Fennemas Bildern ist ein knorriger, schiefer, alter Baum zu sehen. „Den gibt es leider nicht mehr“, ärgert sich der Fotograf.

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