Unternehmen in Moers

Systemische Hilfen aus Moers planen eine neue Zentrale

Ruth Scheuvens und Stephan Köster in Moers-Kapellen: Die Systemischen Hilfen Niederrhein planen eine neue Zentrale.

Ruth Scheuvens und Stephan Köster in Moers-Kapellen: Die Systemischen Hilfen Niederrhein planen eine neue Zentrale.

Foto: SHN

Moers.   Die Systemischen Hilfen Niederrhein gehören zu den am schnellsten wachsenden Moerser Unternehmen. Ihre Arbeit verfolgt einen bestimmten Ansatz.

Wenn ein Unternehmen in nur acht Jahren von 20 auf jetzt über 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wächst, darf man durchaus von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Im Fall der Systemischen Hilfen Niederrhein ist das so. Die beiden Gesellschafter Ruth Scheuvens und Stephan Köster haben sich dem Feld der sozialen Arbeit gewidmet und verfolgen dabei einen ganz bestimmten Ansatz.

Das Jugendamt meldet sich

„Der Bedarf ist gewachsen“, sagt Scheuvens und meint damit zum Beispiel die Integrationshilfe an Schulen oder das Pflegekinderwesen. Immer wieder komme es zum Beispiel vor, dass Kinder aus ihren Familien herausgenommen werden müssten. Dann melde sich das zuständige Jugendamt, um nach einer Lösung zu suchen. Die kann in einer Pflegefamilie liegen, die das Kind aufnimmt. Diesen für alle Beteiligten schwierigen Übergang können Anbieter wie die Systemischen Hilfen Niederrhein leisten.

Doch das ist längst nicht alles, was Scheuvens und Köster in den vergangenen Jahren im eher beschaulichen Moerser Stadtteil Kapellen aufgebaut haben. Es geht dabei um ambulante Jugendhilfe, schulische Maßnahmen und Freizeitangebote.

Längst wissen Städte wie Moers, Duisburg, Oberhausen, Voerde und die Kreisjugendämter in Wesel und Kleve die Arbeit des Teams zu schätzen. 95 Prozent der Anfragen kommen über die Jugendämter, nur fünf Prozent aus dem privaten Bereich.

Immer wieder wird bei den Gesprächen das Prinzip der systemischen Hilfe angewendet. Das heißt: Betrachtet werden nicht nur die Probleme eines Einzelnen, sondern auch das Verhalten der Personen, die ihn umgeben. „Wir werden oft bei Krisen angefragt, wie etwa im Fall einer Teenagerin, die im Internet Pornobilder hochgeladen hat. Alle, Tochter und Eltern, waren mit der Situation überfordert“, berichtet Ruth Scheuvens.

Die systemische Arbeit sieht dann so aus, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und mit Unterstützung einer geschulten Mitarbeiterin einen Weg aus der Krise entwickeln. Gemeinsam formulierte Ziele gehören dazu. Im konkreten Fall hat das Team von Scheuvens und Köster auch die hochgeladenen Fotos wieder aus dem Netz herausgeholt, so gut es ging. Doch es muss nicht immer ein Krisenfall sein. Scheuvens hat schlichtweg vielerorts eine „Verunsicherung in Erziehungsfragen“ ausgemacht, die viele Ursachen habe. Eine davon: „Das Leben ist so schnell geworden.“ Eine klassische Familientherapie könne da helfen.

Blick nach innen ist wichtig

Viel Wert legen Scheuvens und Köster auf den Blick nach Innen. Regelmäßige Teamgespräche und Fortbildungen fördern sie, externe Fachleute geben ihre Visitenkarte in Kapellen ab und in Einzelfällen finanzieren sie auch eine durchaus kostspielige Ausbildung, um den systemischen Ansatz ihrer Arbeit weiter zu vertiefen. Das rasante Wachstum der letzten acht Jahre hat jetzt Folgen. Zwar gibt es zahlreiche externe Termine, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrnehmen, doch der Platz am Stammsitz wird knapp. Deshalb planen Scheuvens und Köster den Umzug ins Grafschafter Gewerbegebiet Genend. Dort soll auf 800 Quadratmetern die neue Zentrale der SHN entstehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben