Kultur

Viel Andrang beim Kulturfrühling in Moers-Meerbeck

Kein Stuhl mehr frei, dann eben auf der Treppe Platz nehmen, hieß es beim Theaterprojekt  „Frühstück mit Heimatlos“.

Kein Stuhl mehr frei, dann eben auf der Treppe Platz nehmen, hieß es beim Theaterprojekt „Frühstück mit Heimatlos“.

Foto: Funke Foto Services

Moers.   Das Theaterprojekt „Frühstück mit Heimatlos“ machte auch den mitspielenden syrischen Flüchtlingen Mut.

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Wie lebendig und facettenreich das kulturelle Leben am Niederrhein ist, dafür sind das „Kulturzimmer“ Neukirchen-Vluyn und der „Meerbecker Kulturfrühling“ nur zwei Beispiele. Das Anfang des Jahres von Konrad Göke auf Anregung der Grafschafter Diakonie im Dorf Neukirchen eingerichtete „Kulturzimmer“ will insbesondere die musischen Traditionen verschiedener Kulturen zusammenbringen. Ein erstes Resultat ist die Band „Heimatlos“. Diese besteht aus fünf syrischen Musikern, Ouday al Abtah (Gitarre), Azad Mohammed (Saz), Samer Dudaki (Darbuka) sowie Mohamad al Shokor und Musa Abtah (Gesang). Sie alle sind Kriegsflüchtlinge. Am Freitag war das „Kulturzimmer“ samt Band im SCI-Jugendsozialzentrum Barbaraschule zu Gast beim Meerbecker Kulturfrühling.

Auf dem Programm stand „Frühstück mit Heimatlos“, ein kleines, von Stefan Ey geschriebenes und inszeniertes Theaterstück rund um die syrischen Musiker. Darin stand zwar die Musik im Mittelpunkt. Doch eigentliches Thema war die Frage, wie gehen Bürger mit Flüchtlingen um und wie kann man ihnen helfen, ohne sich oder die Betroffenen zu überfordern?

Ein bisschen Spaß muss sein

Welche Konflikte dabei entstehen können, zeigt das Stück am Beispiel eines jungen Paares: Die von Stella-Louise Göke sehr realistisch dargestellte junge Frau hat die fünf Flüchtlings-Musiker zu sich nach Hause eingeladen, ohne ihren von Frederik Göke nicht weniger überzeugend verkörperten Partner zu fragen. Seit fünf Wochen leben sie nun in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung zusammen. Die Band macht viel Musik. Ihr Repertoire reicht von arabischer Folklore und politischem Rap bis zu deutschen Schlagern wie „Ein bisschen Spaß muss sein“. Doch der ist zumindest dem jungen Mann längst vergangen: „Sie besetzen mein Arbeitszimmer, trinken meinen Kaffee und Rührei mit Schinken oder Kuscheln mit Dir gibt es auch nicht mehr“, platzt ihm am Frühstückstisch der Kragen.

Eine Situation, die nicht nur der überforderten Gastgeberin, sondern auch den Gästen äußerst peinlich ist. Aber eine Lösung ist zum Glück in Sicht: Alle fünf sind als Asylbewerber anerkannt und haben eine eigene Bleibe in Aussicht: „Uns hat dieses Projekt sehr viel Spaß und Mut gemacht“, erklären die Musiker.

Mut haben ihnen sicherlich auch die fast 100 Besucher gemacht, die am Freitag die Barbaraschule so füllten, dass viele nur noch im Treppenhaus Platz fanden, und die am Ende begeisterten Beifall spendeten: „So einen Andrang haben wir wirklich nicht erwartet“, zeigten sich denn auch Organisatorin Anja Reutlinger sowie Hausherr Frank Liebert freudig überrascht.

Am 17. und am 22. April stehen in Meerbeck weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Den Abschluss bildet am 28. Mai ein „Kulturspaziergang“. Dieser beginnt um 11 Uhr in der Barbaraschule mit der dann kompletten Fotoausstellung von Bettina Engel-Albustin, die am Freitag weitere Menschen in ihr mobiles Atelier bat, gefolgt von einer Vorführung von „Frühstück mit Heimatlos“ im sardischen Vereinsheim. Weiter geht‘s in die Ateliers von Elfriede und Werner Fassbender (Fotografie und Malerei), um am Nachmittag mit Kammermusik im Hause Reutlinger zu enden.

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