Musik

Virtuose Martin Kohlstedt hofft in Moers auf „Mitflieger“

Martin Kohlstedt beim Haldern Pop Festival 2016.

Martin Kohlstedt beim Haldern Pop Festival 2016.

Foto: NRZ

Moers.  Martin Kohlstedt spielt Klavier und Synthesizer wie kaum jemand sonst. Nächste Woche ist der Musiker in Moers - und hat sich viel vorgenommen.

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Martin Kohlstedt tritt am 21. November im Jugendkulturzentrum Bollwerk 107 in Moers auf. Der Mann hat schon in der Hamburger Elbphilharmonie gespielt. Matthias Alfringhaus (NRZ) hat nachgefragt, was den Tastenvirtuosen so antreibt – und was er für Moers plant.

Ihre Musik wird gern als „anders“ dargestellt. Wir würden Sie sie beschreiben?

Anders ist doch schon einmal gut. Ich selbst kann nur sagen, dass die Musik intuitiv und improvisiert aus mir herauskommt. Alle Stücke die ich so am Klavier spiele, verbinden sich zu langen Diskussionsketten auf der Bühne und bleiben so stets im Prozess. Das klingt alles tierisch verkopft, ist es irgendwie auch, aber die Elektronik findet immer wieder ihren Weg durch die sphärischen Klänge und versucht den ganzen Brei zu ordnen. Auf den Alben ist von diesen Wallungen weniger zu spüren, da ich dort alle Argumente, Gedanken und Sehnsüchte in ihrer Essenz zu sammeln versuche, um sie selbst zu begreifen. Live kommt alles immer wieder in einen neuen Kontext und wird ausdiskutiert.

Warum sind Klavier und Synthesizer ideale Instrumente für Ihre Kompositionen?

Mein ganzes Vokabular und so auch mein ganzes Universum, mich auszudrücken oder eher gesagt in mich hinein zu kommen, entstand am Klavier, das reichte über zehn Jahre. Bis ich bemerkte, dass ich mich wohl etwas selbst betrogen habe, denn ich habe auf meiner Selbstsuche stets den beschönigten Weg des Wohlfühlens gewählt, der dann wohl oder übel die Entwicklung hemmte, denn nichts stellte sich meinen Kompositionen in den Weg. Der Junge vom Land in seinem Schrebergarten ohne über den Tellerrand hinaus zu wollen und schön glauben, dass man alles weiß. So wurde es also immer wichtiger, einen Gegenpol mit einzubeziehen. In manchen Konzerten begleitet mich so also ein Fender Rhodes, drei Synthesizer und ein Drumcomputer, um die zarten, eingefahrenen Improvisationsmodule aufzusprengen und komplett neu denken zu müssen. In Moers wartet jedoch ein Solo-Klavier-Konzert auf mich, ein wichtiger Zwischenstopp, um zu schauen, wie sich das Vokabular verändert hat.

Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit dem Publikum während des Konzerts?

Der Austausch geschieht von ganz allein, dabei braucht niemand aktiv mitzuwirken, ich sitze sogar mit dem Rücken zum Publikum. Dabei gerate ich mehr und mehr in Kontakt mit mir und lasse Musik aus mir heraus. Das könnte wiederum dazu führen, dass jeder Zuschauer auch in seine eigene Blase hineinkommt. Ist die Augenhöhe so erst einmal erarbeitet, kann die Reise überall hinführen. Ob bewusst oder unterbewusst.

Was planen Sie für das Konzert in Moers?

Für Moers wünsche ich mir eine Art Familienzusammenkunft. Wir haben sogar darüber geredet, das Klavier in die Mitte des Raums zu befördern, und alle Mitflieger sitzen drumherum. Es wird intensiv, gerade die Solo-Piano-Konzerte bergen immer neue Themen. Es wäre also gut, alle Zuschauer in meine Blase hineinzubekommen.

Könnten Sie sich vorstellen, auf dem Moers Festival zu spielen?

Habe es mir im Internet angesehen, sieht prima aus. Sehr liebevoll. Da finden wir sicher eine Lösung.

Sie sind kurz vorm Mauerfall geboren: Wie erleben Sie Unterschiede zwischen Ost und West?

Oha, ein Thema, bei dem eine Flasche Rotwein wohl nicht genügt. An sich spüre ich in meiner Regenbogenwelt als Musiker beste Aussichten, in vielen Köpfen scheinen einige Mauern jedoch erhalten geblieben zu sein. Man selbst muss ja schon die ständig fester werdenden Gedanken wieder verflüssigen, um ganz frei weiter zu walten. Aber da ich größtenteils Gleichgesinnte auf meinen Konzerten anziehe, bekomme ich auch recht wenig Unterschiede mit. Und wenn, dann wird dabei meistens geschmunzelt.

Zur Person

Martin Kohlstedt wurde am 28. Januar 1988 in Breitenworbis, Thüringen geboren. Als Jugendlicher hat er die Musikschule in Leinefelde besucht, später studierte er Medienkunst und -gestaltung in Weimar. Neben seinen Solo-Projekten macht Kohlstedt auch Filmmusik. Vor zwei Jahren ist er in der Elbphilharmonie aufgetreten.

Das Konzert in Moers
Das Jugendkulturzentrum
Bollwerk 107 in Moers präsentiert Martin Kohlstedt am kommenden Donnerstag, 21. Dezember, 20 Uhr. Karten (26 Euro inklusive Gebühr) gibt es unter anderem im NRZ-Leserladen im Medienhaus Moers, Homberger Straße 4 am Königlichen Hof oder über
www.bollwerk107.de.

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