Klimaschutz

Warum eine Bank in Kamp-Lintfort für stillen Protest steht

Diese von den Grünen gestiftete Bank im Wickrather Feld lädt zum Verweilen, Nachdenken und Protestieren ein.

Diese von den Grünen gestiftete Bank im Wickrather Feld lädt zum Verweilen, Nachdenken und Protestieren ein.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Um ein Zeichen gegen die Auskiesung des Wickrather Feldes zu setzen, haben die Grünen als Ausdruck des Protestes eine Parkbank gestiftet.

„Ein schönes Fest mit traurigem Hintergrund“ – so beschreibt Marion Kempken vom IG Dachsbruch das Einweihungsfest einer neuen Sitzbank im Wickrather Feld in Kamp-Lintfort. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen haben die Bank gestiftet, dessen Standort einen Ausblick in die weite Natur gewährt.

„Jeder, der sich hierhin setzt und eine Pause macht, macht auch stillen Protest“, erklärt Johannes Tuschen, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Kamp-Lintfort. Der Protest richtet sich gegen die Ausgrabungspläne der Kiesindustrie. Circa 60 Leute, darunter vor allem Anwohner, sind gekommen, um dem Fest beizuwohnen. Auf dem Buffet stehen Gulasch- und Gemüsesuppe. Die Tische mitten zwischen den Felder sind mit bunten Wildblumen und Weizenähren geschmückt. Auf großen Infotafeln hängen Zettel mit Fakten über die Pläne der Auskiesung. „Die Zukunft des Niederrheins darf nicht von der Kiesindustrie bestimmt werden“ oder „Bauern brauchen Ackerland“ Korn statt Kies! Brot für uns und unsere Nachkommen“ ist dort zu lesen.

Die Fläche ist so groß wie 126 Fußballfelder

Die betroffene Fläche im Wickrather Feld ist 91,7 Hektar groß, so groß wie 126 Fußballfelder. Eins der vielen Probleme: das Grundwasser. Die Anwohner im Wickrather Feld beziehen ihr Wasser durch Hausbrunnen. Fällt die filternde Kiesschicht weg, hätte das negative Folgen für die Wasserqualität. Auch die Pflanzen im Wickrather Feld würden durch die Ausgrabungen verschwinden. Das wiederum hätte verheerende Folgen auf das Klima in der Stadt.

„Das Gebiet Wickrather Feld dient als Frischluft- und Klimazufuhr. Wenn diese Frischluftschneise wegfällt, heizt sich die Stadt um zwei bis drei Grad auf“, so Tuschen. „Wir denken zurzeit europaweit darüber nach, was wir gegen den Klimawandel machen können und eine Möglichkeit wäre aufzuforsten. Dann kann ich aber nicht hingehen und das, was schon da ist und wahnsinnig viel CO2 bindet, wegputzen. Das widerspricht sich.“

Noch gibt es intakten Ackerbau

Doch es geht nicht nur um die Umwelt: „Es geht um Menschen, es geht um Existenzen, es geht um die Natur, um den Klimawandel, es geht um die Wirtschaftlichkeit dieser ganzen Region“, so Marion Kempken. „Wir haben hier intakten Ackerbau, Regionalvertrieb, mit Klanten einen Bauernladen mit Direktvermarktung. Wir haben hier Pferdehöfe, einen Radweg, einen Reitweg und vor allem geht es ja auch um das Grundwasser.“

Zum Dritten Mal taucht Wickrather Feld als Ausgrabungsbereich im Landesentwicklungsplan auf. Erstmals gab es diesen Plan in den Neunziger Jahren und auch da gab es schon Protest von der IG Dachsbruch. Letztlich mit Erfolg, denn das Feld stellte sich als ungeeignet heraus – bis Ende letzten Jahres. „Seitdem kämpft die IG Dachsbruch wieder dagegen mit allen Parteien hier in Kamp-Lintfort.“ Es gebe einen einstimmigen Beschluss im Rat und alle Parteien seien sich einig, dass sie keinen Kiesabbau mehr auf Kamp-Lintforter Gebiet wollen.

Was die Bürger tun können: Auf der Webseite www.niederrheinappell.de ihre Unterschrift abgeben. Die IG Dachsbruch hat bereits über 12.000 Stimmen für den Erhalt des Wickrather Feldes gesammelt. „Es ist wichtig, auch die Stimme für den Niederrheinappell abzugeben, weil er eine Interessenvertretung mehrerer Bürgerinitiativen ist und da auch auf politischer Ebene langfristig aktiv ist“, so Simone Spiegels vom Bündnis Niederrheinappell und Tochter von Theo Rams von der IG Dachsbruch.

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