Moerser Geschichten

Warum Frauen es mitunter schwer bei der Kleiderwahl haben

Anandita Schinharl vor dem Moerser Schloss.

Anandita Schinharl vor dem Moerser Schloss.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  2003 ist Anandita Schinharl der Liebe wegen nach Moers gezogen. Hier erzählt sie ihre Geschichten einer Zugereisten.

2003 ist Anandita Schinharl der Liebe wegen nach Moers gezogen. Wie und warum die Grafenstadt für sie lebenswert geworden ist, erzählt sie unter dem Titel „Geschichten einer Zugereisten“ für die NRZ. Dieses Mal geht es um weibliche Eitelkeiten.

Kürzlich war es wieder so weit. Die Sonne schien, es war heiß, und der Spiegel in unserer Diele zeigte mir diese faltigen Oberarme. Also TankTops in diesem Sommer ade, ich werde mich abschwitzen bis zum Tode oder bis meine Eitelkeit endlich überwunden ist. Wieso kann die Slomka die Nachrichten in so kurzen Ärmeln vortragen? Hat die was machen lassen?

Hanteln stemmen und Bräunungslotion

Tagelang schaue ich Frauen nur noch auf ihre Oberarme und verliere jedes Mal haushoch. Dann finde ich die Hantel auf dem Speicher und stemme sie gleich so oft zu den Schultern, dass mir am nächsten Tag schon das Händewaschen wehtut. Ich arbeite ein bisschen Lotion mit Bräunungsfaktor und großem Versprechen in die Haut ein. Geht doch, und schon trau ich mich kurzärmelig aufs Rad zur Yogastunde.

Draußen ist es wolkig, also lege ich eine dünne Jacke in den Gepäckträger. An der Ecke Berg-/Heinrichstraße gibt es dieses Schild mit dem Kreuz drin, was sagt, dass rechts vor links gilt. Jedes Mal frage ich mich, wieso die da extra ein Schild aufstellen, was mich eher verwirrt, weil doch eh immer rechts vor links gilt, wenn nix anderes gesagt wird.

Der Fahrer gestikuliert und hupt

Da kommt ein Auto von links, ich fahr weiter, sehe im Augenwinkel, wie der Fahrer rumgestikuliert. Da fängt er auch noch das Hupen an. Ich denke, ist der bekloppt, dreh mich um, halte Arm und Schulter hoch: ‚Was willst du den jetzt?’ Nun reißt er sogar die Tür auf und ruft auf Türkisch-Deutsch: ‚Jaacke, Jaacke’! Da seh’ ich es auch und rufe: ‚Danke, ganz herzlichen Dank!’

Wie peinlich ist das denn? Heute ist aber auch wieder so ein Tag. Ich fahre das Stück zurück und sammle meine Jacke ein. Da hält ein weiteres Auto direkt neben mir, richtig alte Schrottkiste. Was ist jetzt wieder los? Ich schaue auf. Ein jüngerer Mann, sehr attraktiv, strahlt mich an und fragt: ‚Kann ich Ihnen irgendwie helfen?’ Die Stimme ist klangvoll, und der hat eine echt tolle Ausstrahlung. Nun ist es ja so, dass man sich in meinem Alter fragt, ob höfliche junge Männer einen nett anmachen wollen oder einer gebrechlichen Dame nicht zutrauen, noch ein Fahrrad zu lenken. Der lächelt aber auch so nett. ‚Nein Danke, alles in Ordnung’. Ich radle schwungvoll weiter. Irgendwie scheint das Wetter doch zu halten. Und wenn ich meine Arme voll zum Lenker durchstrecke – wo sind da noch Falten? Ein schöner Tag, und die Yoga-Stunde geht rum wie nix.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben