Weiberfastnacht

Was für eine Wucht! Neukirchen-Vluyns Möhnen stürmen Rathaus

Das war’s, Herr Bürgermeister: Neukirchen-Vluyns Obermöhne Elsa Bertz, Astrid Fibich und ihre Mitstreiterinnen haben den Rathausschlüssel.

Das war’s, Herr Bürgermeister: Neukirchen-Vluyns Obermöhne Elsa Bertz, Astrid Fibich und ihre Mitstreiterinnen haben den Rathausschlüssel.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Die Möhnen haben in Neukirchen-Vluyn das Rathaus gestürmt. Bürgermeister Harald Lenßen und seine Mitarbeiter wehren sich mit Buntstiften…

Was hat das Rathaus nicht schon für Stürme überstanden! Sabine konnte ihm nichts anhaben, auch Victoria ist vor ein paar Tagen kläglich gescheitert. An Weiberfastnacht jedoch war alles anders: Dem Sturm der Neukirchen-Vluyner Möhnen waren Bürgermeister Harald Lenßen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gewachsen.

Mehr mehr als 50 schwarzgewandete Frauen rissen das Rathaus samt Schlüssel für die Dauer der tollen Tage an sich. Von wegen, alte Weiber!

Dabei waren sie Minuten vorher – Obermöhne Elsa Bertz vorneweg – so harmlos vor dem Verwaltungssitz aufgetaucht. „Neukirchen-Vluyner Möhnen haben Herz und Schwung das ganze lange Jahr, wir sind einfach wunderbar“, sangen sie zur Melodie von „Deine himmelblauen Augen“ und reimten, was alle längst wussten, „Möhnen sind schön“ auf Neukirchen-Vlön.

Vor der Rathaustreppe wurde es schon ernster: „Ihr könnt nach Hause geh’n“ und „Reißt die Hütte ab“, schmetterten sie den Bediensteten entgegen, die mit ihren überdimensionalen und sehr spitzen Buntstiften zunächst noch furchtlos den Eingang versperrten. Bürgermeister Lenßen grüßte derweil aus sicherer Entfernung aus seinem Dienstzimmer in der ersten Etage, versuchte es mit Durchhalteparolen – „Ich habe eine wehrhafte Mannschaft!“ – und erinnerte daran, dass er in seiner Amtszeit nach zehn verlorenen Möhnenstürmen diesmal sicher gewinnen werde.

Da hatte der Mann die Lage gehörig verkannt. „Wir Möhnen sind bereit!“, hieß es jetzt kämpferisch zur Melodie von Mickie Krauses „Für die Ewigkeit“, was sich als Schlachtruf entpuppte. Die Eroberungsstrategie der Damen war zwar nicht besonders raffiniert, aber wirkungsvoll: Der Sturm ging einfach durch die Mitte der tapferen Verteidiger hinein ins Rathausvergnügen. Neukirchen-Vluyns Möhnen – eine Wucht! Der Rest war Formsache, Harald Lenßen gab sich vorsichtshalber schnell geschlagen, rückte den Schlüssel heraus, den Elsa Bertz stolz mit beiden Händen wie einen Pokal in die Höhe riss.

Elsa Bertz und ihre Kampfgefährtinnen nahmen das Rathaus in ihren Besitz und den Bürgermeister gefangen. Obwohl – die Gefangenschaft glich eher einer Art offenem Vollzug, Harald Lenßen schunkelte und sang gut gelaunt und befreit von der schweren Last seines Amtes mit den schwarz gekleideten Möhnen auf der Bühne, wo übrigens sein bunter Gehrock besonders auffiel. Seine Idee für das Kostüm: „In Neukirchen-Vluyn sind wir bunt und tolerant.“

Die Kondition der Närrinnen forderte durchaus Respekt. Ihr Weiberfastnachtstag begann am Morgen um halb acht mit einem Frühstück in den Vluyner Stuben, bis zum Rathaussturm um 15.11 Uhr hatten sie bereits ein gutes Dutzend Stationen angesteuert. Und nach diesem Höhepunkt des Tages ging es selbstverständlich auf die Möhnenbälle. Das passende Motto dazu lieferte erneut ein schönes Möhnenlied: „Party die ganze Nacht!“

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