Geschichte

Widerstand in Moers mit dem Leben bezahlt

Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule erinnerten am Donnerstag an die Widerständler aus der Mattheck. Zur Erinnerung an die Opfer liegen dort jetzt Stolpersteine.

Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule erinnerten am Donnerstag an die Widerständler aus der Mattheck. Zur Erinnerung an die Opfer liegen dort jetzt Stolpersteine.

Foto: Ulla Michels

Moers.   Die Mattheck war ein Schwerpunkt des Widerstandes gegen Hitler. Jetzt erinnern Stolpersteine an die Opfer. Großes Interesse an der Verlegung.

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Stolpersteine gibt es jetzt auch in der Mattheck. Vor dem Haus Leipziger Straße 6 verlegte am Donnerstag Gunter Demnig, der Initiator der Aktion, sechs Steine, auf denen die Namen von Widerstandskämpfern eingraviert sind.

Es ist heiß an diesem Morgen in der Mattheck, annähernd einhundert Menschen sind gekommen. Sie möchten Anteil nehmen an dem, was da gerade passiert und Anteil nehmen an dem, was vor über 80 Jahren in der Mattheck passiert ist. Bärbel Likar, die die Stolperstein-Verlegungen des Vereins Erinnern für die Zukunft und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in diesem Jahr koordiniert hat, spricht über das, was ihr wichtig ist: die Erinnerung an Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 geworden sind.

Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender von Erinnern für die Zukunft, ruft in Erinnerung, wie die Mattheck zur Zeit der Machtergreifung Hitlers geprägt war: „Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 gab es 278 Stimmen für die Kommunistische Partei und 270 für die NSDAP. Auch aus dem Ruhrgebiet wussten viele: Hier in der Mattheck kann man Hilfe bekommen, wenn man nach Holland fliehen wollte.“

Fliehen: das wollten Hermann Brandenbusch, Margarethe Hänel, Georg Hirschmann, Max Langusch, David Lewkowicz und Hermann Schelinski nicht. Sie wollten bleiben und kämpfen, gegen ein Terrorregime, das sich zu der Zeit erst herausbildete, dessen Menschenverachtung aber schon zu spüren war.

Bürgermeister Christoph Fleischhauer sprach am Donnerstag von der „Schuld, die wir als Volk vor Jahrzehnten auf uns geladen haben“. Er mahnte: „Niemals kann es sein, dass wir in einer Demokratie Konflikte mit Gewalt austragen.“

Genau diese Gewalt haben jene sechs Widerständler aus der Mattheck und Karl Rautenberg (Kirschenallee 11), Adolf Ende (Westerstraße 19) und Wilhelm Flecken (Pfefferstraße 6) aber gespürt und in fast allen Fällen mit dem Leben bezahlt. Auch in Erinnerung an die hier Letztgenannten wurden am Donnerstag Stolpersteine verlegt. Angehörige der Opfer, wie zum Beispiel Werner Schelinski, Sohn von Hermann Schelinski, oder Sonja Derkum, Tochter der im Vernichtungslager Ravensbrück ermordeten Margarethe Hänel, waren am Donnerstag Augenzeugen der Stolperstein-Verlegungen.

Schüler von drei Moerser Schulen begleiteten die Verlegungen mit Aktionen und Liedern.

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