Verkehrserziehung

Wie der tote Winkel zur tödlichen Falle wird

All diese Gesamtschüler stehen auf dem Schulhof im toten Winkel des Lkw.

All diese Gesamtschüler stehen auf dem Schulhof im toten Winkel des Lkw.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Polizei und Dekra zeigten Gesamtschülern in Neukrichen-Vluyn, wie groß und wie gefährlich der tote Winkel bei einem Lkw ist.

So schnell verschwindet eine gesamte Schulklasse aus dem Blickfeld eines Brummifahrers: 21 Hütchen sind auf dem Schulhof der Gesamtschule rund um den Dekra-Sattelschlepper verteilt. Und kein einziges Hütchen ist aus der Fahrerkabine heraus sichtbar.

Die Klasse 6 b der Gesamtschule, rund 30 Schüler, stellt sich in diesen Korridor - und wird dann ganz still. Zu groß ist das Erstaunen über den Bereich voller toter Winkel, den der Lkw-Fahrer nicht einsehen kann und der somit zu einer riesigen Gefahrenzone für Fahrradfahrer und Fußgänger wird...

Genau das ist der Zweck der Schulungen, die die Kreispolizei regelmäßig mit der Dekra durchführt: die Schüler zu sensibilisieren und zu zeigen, wie gefährlich die Umgebung eines 40-Tonners auf der Straße ist. Wie an diesem Mittwoch auf dem Schulhof in Neukirchen-Vluyn.

„Lass den Lkw zuerst wegfahren!“

Dekra-Sachverständiger Alexander Auerswald und Adolf Grill von der Verkehrsunfallprävention der Kreispolizei bläuen den Schülern ein, sich auf dem Fahrrad an der Ampel bloß auf kein Kräftemessen mit dem Lkw einzugehen. „Stell dich nicht neben einen Lkw oder Bus!“; „Lass den Lkw zuerst wegfahren!“ - Sätze wie diese fallen ständig an diesem Vormittag. Denn: Auch wenn der Lkw-Fahrer als größerer und schwererer Verkehrsteilnehmer auf andere achten müsse, könne ein Fahrradfahrer oder Fußgänger einen Unfall aktiv vermeiden, indem man großen Abstand zu den zahlreichen toten Winkeln halte, die den Lkw umgeben.

Dekra und Polizei sparen bei den fünf sechsten Klassen der Gesamtschule nicht an eindringlichen Bildern. Unfallfotos von einem Rad, das halb unter einem Lkw liegt oder Bilder von einem Unfall mit einer Seniorin, die mit einem Rollator die Straße überqueren wollte, wirft Alexander Auerswald unter dem Pavillon per Power-Point auf die Leinwand. Adolf Grill berichtet derweil von einem Unfall, an den sich die meisten Schüler selbst noch erinnern können. Im Mai dieses Jahres war ein Schüler unweit der Gesamtschule bei einem Unfall mit einem Lkw schwerst verletzt worden. Der Junge könne mittlerweile wieder zur Schule gehen, sagt Adolf Grill, aber er habe riesiges Glück gehabt.

Die Unfälle mit Lkw und Fahrradfahrern nehmen laut Polizei und Dekra weiter zu. Bei bis zu zehn Unfällen pro Monat werde er mittlerweile nachträglich hinzugezogen, sagt Alexander Auerswald, der als analytischer Gutachter zu Unfallabläufen im Ruhrgebiet und am Niederrhein im Einsatz ist.

Der Informationstag für die Gesamtschüler bettete sich in den landesweiten Schwerpunkttag „Lkw“ ein. In ganz NRW kontrollierte die Polizei Lastkraftwagen unter anderem auf Ladungssicherung und Lenkzeiten.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben