NRZ-Serie: Tolle Tiere

Willi aus Kamp-Lintfort ist ein echter Charmebolzen

Carmen Renner mit Briana und Willi.

Foto: Ulla Michels

Carmen Renner mit Briana und Willi. Foto: Ulla Michels

Kamp-Lintfort.   Familie Renner hat zwei Hunde. Briana ist ein Schäferhund-Mix. Und Willi ist von Adel und heißt eigentlich Luke vom Kranenburger Bruch.

Okay, das ist mal ein Hund. Ein richtiger Hund. Beeindruckend, dieser Willi. Der Kopf so groß wie ein Basketball, die Schulter reicht durchschnittlich gewachsenen Menschen beinahe bis zur Hüfte, die Pfoten darf man getrost als Pranken bezeichnen. Der Blick: zartschmelzend. Der Typ: Mich kennen heißt, mich lieben.

Der sanfte Riese ist von Adel und heißt eigentlich Luke vom Kranenburger Bruch, aber das ist im Alltag – und für den Besuch einer Hundeschule allemal – eindeutig zu unpraktisch. Also heißt er schlicht Willi. Und Willi ist für die Renners der Hund, der alle ihre Wünsche erfüllt. Ein tolles Tier eben.

Es war Zufall, dass die Familie auf den Landseer gekommen ist. „Wir haben eine Koi-Ausstellung besucht. Und da lief jemand mit so einem Hund rum. Und der war ungerührt von den vielen Menschen, von einem kleinen Kind, das ihn überall betatschte, unterwegs. Eine coole Socke, dachten wir“, erzählt Carmen Renner. Und weil man gerade auf der Suche nach einem Familienhund war, hat das Ehepaar unabhängig voneinander sofort im Netz geschaut, was es mit den Landseern so auf sich hat und traf auf einen Spruch. „Ich dachte damals noch, was für ein Blödsinn: einmal Landseer, immer Landseer. Heute bereue ich, dass ich nicht schon seit 20 Jahren einen habe“, gibt die Halterin von Willi zu.

Vater Frank muss am Boden sitzen

Warum? „Weil wir auf einer Wellenlänge sind“, findet die 47-Jährige. „Wenn ich gestresst nach Hause komme, ist er sofort bei mir und legt mir den Kopf auf die Schulter.“ Und überhaupt: So ein Landseer ist schon sehr nähebedürftig. Was er denn bei unserem Besuch auch ausgiebig demonstriert – inklusive sanfter Anleitung für den Krauler, wo es denn jetzt wohl am schönsten wäre. Und seiner Halterin folgt er wie ein Schatten: „Egal, wo ich hingehe und was ich mache, er ist ständig bei mir.“ Der Charmebolzen wickelt seine Familie um den Finger, so dass es schon mal vorgekommen ist, dass Vater Frank auf dem Fußboden Platz nimmt, weil Willi auf dem Sofa liegt. Und das ist dann voll.

Sohn Marvin hat sich gern dran gewöhnt, dass man ein bisschen auf Abstand gehen muss, wenn Willi sich schüttelt. Denn das Tier sabbert. „Das machen die Landseer-Weibchen nicht, die Rüden nur manchmal. Unserer ist eben einer davon“, weiß Carmen Renner. Der Wischmopp steht aus naheliegenden Gründen immer parat. Es ist eben nicht immer alles nur Gold beim Zusammenleben mit Tieren.

Auch das: „Willi ist mit seinen zweieinviertel Jahren jetzt in der Rüpel-Phase. Und so friedlich er auch sonst ist: An der Leine wird er dann anderen Hunden gegenüber schon mal aggressiv. Wir arbeiten dran.“

Bei sturen Landseern, sagt Carmen Renner, gebe es in der Erziehung einfach nur schwarz oder weiß. Ein Grau könne man sich einfach nicht leisten. Klingt einleuchtend, in Anbetracht dieser zierlichen Person, die, sollte Willi meinen, er könnte seinen Willen durchsetzen, dem Kraftpaket im Notfall kaum etwas entgegenzusetzen hätte. Da macht man die Fronten besser grundsätzlich klar.

Das war mit – dem ebenso geliebten – Ersthund Briana einfacher. Der Malamute-Schäferhund-Mix ist ein Mülltonnenfund, den die Renners aus dem Tierheim geholt haben: „Ich hoffe, diejenigen, die das getan haben, lesen das. Sie haben nämlich einen Bombenhund weggeschmissen.“ Ein liebes, durchaus verschmustes Tier, aber im Gegensatz zu Willi geradezu distanziert.

Ob es bei zwei Hunden, beziehungsweise vieren, wenn der ältere Sohn zu Gast ist, im Hause Renner bleibt? Das darf man bezweifeln. Obwohl: Eins ist sicher: „So eine Fußhupe kommt nicht ins Haus. Da habe ich ja immer Angst, dass ich drauf trete.“

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