Leaf-Festival

8. Mülheimer Leaf-Festival bietet Shakespeare für Liebhaber

Die hervorragende schauspielerische Leistung der Lord Chamberlain‘s Men begeisterte die Zuschauer beim 8. Mülheimer Leaf-Festival.

Die hervorragende schauspielerische Leistung der Lord Chamberlain‘s Men begeisterte die Zuschauer beim 8. Mülheimer Leaf-Festival.

Foto: Simon Kieser / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Leaf-Festival in Mülheim: Eine hervorragende schauspielerische Leistung begeistert das Publikum. Auch wenn nicht immer alles verstanden wurde.

Einen wundervollen Abend verschaffte die englische Schauspielgruppe Lord Chamberlain‘s Men den Zuschauern im gut gefüllten Hof des Klosters Saarn mit ihrer Inszenierung von William Shakespeare‘s Komödie „A Midsummer Night‘s Dream“ als Höhepunkt und Abschluss des diesjährigen Leaf-Festivals.

Für Theateraufführungen im Allgemeinen kein gewöhnliches Bild, aber bei den jährlichen Gastspielen des Ensembles von der Insel gewohnte gute Sitte, ist das Mitbringen von Picknickkörben, aus denen während der Vorstellung Käse, Oliven und Sandwiches gekramt werden, damit kein Magenknurren die Konzentration auf das Stück stört. Höchstens das Knallen eines Sektkorkens lenkt die Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment von der Bühne ab.

Hervorragende schauspielerische Leistung des Ensembles

Es ist vor allem die hervorragende schauspielerische Leistung unter Leitung des Regisseurs Peter Stickney, die die Zuschauer an diesem Abend begeistert. Kongenial verkörpert James Keningale, der Kleinste der Schauspieler, den schelmischen Elfennarren Puck, der im englischen Original Robin Goodfellow heißt. Schon seine Kopfbedeckung mit zwei angedeuteten Hörnern lässt den teuflischen Spaß erkennen, den er am Stiften von Verwirrungen hat.

Da macht es auch nichts aus, dass nicht von allen im Publikum der komplette Text verstanden wird. Schließlich wird nur in Englisch vorgetragen. „Manchmal versteht man fünf Sätze nicht, dann geht es wieder“, gibt eine Besucherin zu. Es ist nicht jeder so gut vorbereitet, wie eine jüngere Zuschauerin aus Neuss: „Ich habe den Originaltext vorher schon gelesen.“ Damit man nicht ganz auf dem Schlauch stand, verteilten die Veranstalter Handouts mit einer deutschen Zusammenfassung.

Alle Frauenrollen werden von Männern verkörpert

Für Kenner des britischen Theaters zu Shakespeare‘s Zeiten nichts Neues, wurden alle Frauenrollen von Männern gespielt. George Readshaw brillierte besonders als die anfänglich verschmähte, dann von den zwei Rivalen Lysander und Demetrius umworbene Helena. „Erst ist es komisch, nachher vergisst man, dass die Frauen von Männern dargestellt werden“, findet eine Besucherin.

Die meisten Lacher auf ihrer Seite hatten die vier Handwerker, die anlässlich der Hochzeit des Athener Herzogs Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta ein mehr als dilettantisches Schauspiel aufführen – Theater im Theater sozusagen. Köstlich die Unbeholfenheit des sich aufspielenden Webers Nick Bottom in der Rolle des Pyramus, als es ihm erst nach mehrmaligen Versuchen gelingt, sich zu erstechen.

Zum Glück können am Ende alle Verwirrungen aufgelöst werden

Zum Glück können am Ende alle entstandenen Verwirrungen aufgelöst werden und am Hofe von Theseus können sich gleich drei Liebespaare vermählen. Auch das Elfenkönigspaar findet wieder zueinander und stattet die ganze Hochzeitszeremonie mit ihrem Segen aus.

Das Publikum dankt mit Standing Ovations und verlässt gut gelaunt im Schein des Vollmonds den Klosterhof.

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