Bietspiel

90-Jährige freut sich „Hamsterkönigin von Mülheim“ zu sein

Ingrid Kocks freut sich über den Titel „Mülheims Hamsterkönigin“. Mit ihrem Glas eingemachter Kirschen aus dem Jahr 1952 lag sie ganz weit vorne.

Foto: Tamara Ramos

Ingrid Kocks freut sich über den Titel „Mülheims Hamsterkönigin“. Mit ihrem Glas eingemachter Kirschen aus dem Jahr 1952 lag sie ganz weit vorne. Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Ingrid Kocks bekam nun Urkunde und Pokal überreicht. Diese sollen einen besonderen Platz zwischen den eingemachten Gläsern bekommen.

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Damit hatte Ingrid Kocks nicht gerechnet – umso größer war die Freude über den Titel „Hamsterkönigin von Mülheim“. Gestern nahm die 90-Jährige stolz den gläsernen Pokal und die Urkunde der WAZ-Redaktion entgegen.

In unserem Bietspiel hatten wir unsere Leser aufgerufen, in ihren Vorratsschränken zu kramen: Wer hat das Lebensmittel mit dem am längsten abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum? Dabei hat das 66 Jahre alte Glas mit den eingemachten süßen Kirschen von Juli 1952 die Keksdose von 1958 oder das Starkbier aus 1958 übertroffen.

Die Kirschen stehen heute zusammen mit Johannisbeersaft aus dem Jahr 1954 und grünen Bohnen aus dem Jahr 1959 auf einem Tischchen vor Ingrid Kocks Haus im Rumbachtal. „Ich weiß gar nicht, was ich damit nun machen soll“, sagt die rüstige alte Dame und lacht. „Essen möchte ich die Sachen lieber nicht mehr und zum Wegschmeißen sind sie auch zu schade.“ Den Pokal und die Urkunde sollen aber einen Ehrenplatz in ihrem Haus finden, da ist sie sich sicher. „Ich freue mich riesig“, sagt Ingrid Kocks.

Obst rettete die Familie im Krieg oft vor dem Hunger

Schließlich sind die alten Gläser auch so etwas wie Zeitkapseln in längst vergangene Tage, in denen sie als junge Frau zusammen mit ihrer Mutter Kirschen von den Obstbäumen in ihrem Garten pflückte und diese in die Gläser einmachte. „Die Bäume stehen heute noch hier“, sagt Ingrid Kocks und deutet auf die Gewächse neben dem Haus, die wohl mehr als 100 Jahre auf der Rinde haben. „Heute schmecken die Kirschen aber nicht mehr so wie früher, die sind viel kleiner und saurer.“

Das Obst von den zahlreichen Bäumen rettete die Familie damals im Krieg häufig vor dem Hunger. „Äpfel, Kirschen und Birnen waren damals auch Handelsgut für uns“, erinnert sie sich. „Wir tauschten Äpfel gegen Brot beim Bäcker oder gegen neue Schuhe beim Schuster.“ Von den vielen Bäumen, die heute immer noch auf dem großen Grundstück ihre Früchte tragen, blieb so viel übrig, dass die Familie das Obst in Gläser einmachte. Im Keller und im zwölf Meter tiefen Bunker unter dem Garten lagerten die Gläser. „Ich finde hier immer wieder neue Dinge von früher“, lacht Ingrid Kocks.

Schade finde sie es allerdings, dass die heutige Generation in Massen konsumiert und so viele Lebensmittel im Müll landen. „Wir haben damals gelernt, mit wenig auszukommen, die Ressourcen zu schätzen und nicht zu verschwenden – der Verzicht im Krieg und in den Nachkriegsjahren hat uns geprägt.“ Diese Botschaft möchte Ingrid Kocks gerne an die jüngere Generation weitergeben.

>> Zweiter und dritter Platz

An unserem WAZ-Bietspiel „Wer wird der Hamsterkönig von Mülheim?“ haben sich zahlreiche Leser beteiligt.

Den zweiten Platz belegte Leserin Hanne Radtke mit ihrer Dose Notfall-Kekse aus Mai 1958. Knapp dahinter folgt Rolf Erd mit seiner Flasche Starkbier der Marke König Pilsener aus dem Jahr 1958.

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