VERBRAUCHER

Abzocke beim Umzug

Foto: Remo Bodo Tietz NRZ

Mindestens fünf unseriöse Speditionsfirmen soll es in Mülheim geben. Spottangebote werden vielen Kunden zur Falle.

Drei Mann, ein Transporter, ein Umzug. Nur 39 Euro für drei Stunden. Das hat die Anzeige versprochen. Da konnte man nur zuschlagen. Und dann kommen die Männer am Umzugstag, mit einem viel zu kleinen Laster und einem Arbeitstempo, weit unter der üblichen Mindestgeschwindigkeit. Endlich ist alles im Wagen, nach fünf Stunden. Und da halten sie die Kralle auf. Bargeld wollen sie sehen, für die zusätzliche Arbeitszeit: gesalzene 150 statt 39 Euro. Sonst blieben die Möbel im Auto. Abzocke beim Umzug. In Mülheim, Oberhausen und Duisburg tummeln sich zunehmend schwarze Transportschafe wie sonst nirgendwo in Nordrhein-Westfalen. Sie werben mit Billigpreisen meist in Anzeigenblättern, nur mit Handynummer und ohne Firmenadresse, sagt Jürgen Weihermann, stellvertretender Geschäftsführer vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW (VVWL). Die Anbieter lebten davon, dass die Leute nur ein Mal anrufen. Dann komme die Abzocke. Auf dauerhafte Kundschaft seien sie gar nicht aus. Ihr Trick: „Der günstige Festpreis gilt nur für die ersten drei Stunden, dann wird es deutlich teurer”, erklärt Weihermann. Und unter diese drei Stunden fallen pauschal je eine Stunde An- und Rückfahrt. So steht es im Kleingedruckten. Also gibt es nur noch eine einzige Packerstunde zum Spottpreis von 39 Euro. Hinzu kommen Montagepreise pro aufgebautem Meter Möbel. Der Umzug kostet plötzlich bis zu 5000 Euro. Erst kürzlich hat das Gelsenkirchener Amtsgericht eine Mülheimer Firma wegen Betrugs verurteilt. Das Ordnungsamt hat das schwarze Schaf dann aus der Stadt vertrieben. Und hat seit einigen Tagen schon wieder neue Anfragen auf dem Tisch: Transporter und Firmengelände von fraglichen Kandidaten sollen sie überprüfen. Rund fünf solcher unseriösen Umzugsunternehmen mit mehreren Subfirmen gibt es in Mülheim, schätzt Weihermann. Genau kann er das nicht sagen, weil sie meistens keinen feste Adresse haben. Und wenn es die doch gibt, entpuppt die sich oft als falsch: So stand ein Mülheimer kürzlich vor einem brachliegenden Grundstück, als er sich einen zusätzlichen Umzugskarton besorgen wollte. Weil ihm das merkwürdig vorkam, bat er die Umzugsfirma Westhoff um Hilfe. „Aber wir haben ihn nicht mehr aus dem Vertrag rausbekommen”, sagt Mitarbeiterin Annette Budde. Zwei bis drei solcher Umzugsopfer hat sie pro Woche am Hörer. „Das ist Abzocke”, ärgert sich Klaus-Dieter Müller, Geschäftsführer der Müller KG. In seinem Schrank steht eine dicke Akte, in der er Verträge von Ex-Kunden unseriöser Konkurrenten sammelt. Besonders in den vergangenen zwei Jahren ist die stark angewachsen. „Wir haben Auflagen ohne Ende, daran halten die sich alle gar nicht.” Mit ihm ärgern sich auch seine Kollegen der anderen zertifizierten Speditionsfirmen wie Westhoff und Becker. Nicht nur, weil auf die Masche vor allem sozial Schwache und Rentner reinfallen, die ihr Geld zusammenhalten müssen. Die krummen Geschäfte schadeten der gesamten Branche und setzten die seriösen Anbieter unter Druck, ähnlich günstig zu sein – was sie nicht können, weil sie festes Personal haben, Steuern und Krankenversicherung bezahlen, sagt Weihermann. „Viele Kunden fallen darauf rein, und sind dann erstmal weg für uns”, sagt Norbert Börgartz von der Becker GmbH. Da breche ein Teil des Geschäfts weg. Erste Konsequenzen hat Klaus-Dieter Müller vor eineinhalb Jahren gezogen. Um den Imageverlust aufzuhalten: „Wir inserieren nicht mehr im lokalen Anzeigenblatt, weil wir nicht zwischen solchen Leuten annoncieren wollen.”

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