SO EIN TAG

Als die Ruhr erstmals überbrückt wurde

Foto: NRZ

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Die Eröffnung der Kettenbrücke ließ die Stadt am 13. November 1844 enger zusammenrücken. Die Schollsche Fähre war damit passe´.

Heutzutage fahren Ausflügler mit einem Nachbau der Schollschen Fähre über die Ruhr. Bis zum Bau der Kettenbrücke war das Original der Schollschen Fähre die einzige Möglichkeit die Ruhrseiten zu wechseln. Bei Hochwasser galt: Nichts geht mehr.

Insofern rückte die Stadt enger zusammen, als am Vormittag des 13. November 1844 die Kettenbrücke eröffnet wurde. Das feierten die Mülheimer mit einem Festzug und diversen Festessen. Als die ersten Baubeamten und Ingenieure, gefolgt von einem vierspännigen Kohlenwagen die Brücke überquerten, läuteten in ganz Mülheim die Kirchenglocken. Der preußische Finanzminister weilte damals ebenso in Mülheim, wie der Düsseldorfer Regierungspräsident und der Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz.

Das überraschte nicht, hatte der preußische Staat doch den Löwenanteil der Baukosten von insgesamt 79 000 Talern aufgebracht. Die Verhandlungen über die Frage: „Wer soll das bezahlen?” hatte am Ende wohl dazu geführt, dass neun Jahre ins Land zogen, ehe die Pläne für eine Kettenbrücke Wirklichkeit wurden. Letztlich mussten die Mülheimer 15 000 Taler beisteuern, um den Brückenschlag möglich zu machen.

Zwischenzeitlich hatte Mathias Stinnes eine private Finanzierung des Brückenbaus angeboten. Doch die öffentlichen Hände lehnten ab, weil sie sich das künftig zu zahlende Brückengeld nicht entgehen lassen wollten. Wer mit Pferd und Wagen die Brücke passieren wollte, musste beim Brückenbeamten dafür zahlen. Für Fußgänger und die Post war die Kettenbrücke, die offiziell Friedrich-Wilhelms-Brücke hieß, unentgeltlich zu passieren. Deshalb ging der sparsame August Thyssen auch nur zu Fuß über die Kettenbrücke, um das Brückengeld zu sparen. Der Brückenbeamte residierte in einem Brückhäuschen, dort, wo heute das Möbelhaus von der Linden steht.

Der Brückenbeamte wachte über die Verkehrssicherheit auf der 1874/75 mit zusätzlichem Stahl verstärkten Brücke. Die Brückenordnung schrieb vor, dass die Brücke nie von mehr als 1000 Menschen auf einmal überquert werden durfte. Für Fuhrwerke und Automobile galt Schritttempo. Und das Mülheimer Infanterieregiment 159 hatte Befehl die 7,53 Meter breite Kettenbrücke nur im Gänsemarsch zu passieren, um deren Stabilität nicht zu gefährden.

Dass die Kettenbrücke trotz ihrer Unzulänglichkeiten geliebt wurde, zeigte der Fackelzug, mit dem sie am Tag vor ihrem Abriss, im Oktober 1909, verabschiedet wurde. Doch das Bauwerk konnte den neuen Verkehrsanforderungen nicht mehr Stand halten. Erst mit der Eröffnung der ersten breiten und aus Stein gebauten Schloßbrücke konnten ab 1911 auch Autos und Straßenbahnen die Ruhr überqueren und das auch auf der heutigen, 1960 für den Verkehr freigegebenen Teil der Schloßbrücke, ohne Brückengeld bezahlen zu müssen.

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