Bildung

Austauschschüler aus Chile zu Gast bei Mülheimer Familien

Die Mülheimer Lehrerin Anette Wurring (2.v.l.) mit ihrer chilenischen Kollegin Cristina Labra (5.v.l.) und den Schülern (v.l.) Renato (Chile), Saganiya, Timothy, Trinidad (Chile), Carlos (Chile), Lucie, Diddier (Chile) und Svea, die an dem deutsch-chilenischen Austausch teilnehmen.

Die Mülheimer Lehrerin Anette Wurring (2.v.l.) mit ihrer chilenischen Kollegin Cristina Labra (5.v.l.) und den Schülern (v.l.) Renato (Chile), Saganiya, Timothy, Trinidad (Chile), Carlos (Chile), Lucie, Diddier (Chile) und Svea, die an dem deutsch-chilenischen Austausch teilnehmen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Schüleraustausche sind beliebt, oft geht es nach England oder Frankreich. Doch die Otto-Pankok-Schüler reisten noch weiter: bis nach Chile.

England, Frankreich, Spanien – das sind häufig gewählte Länder für Schüleraustausche. Nicht so an der Otto-Pankok-Schule. Das Mülheimer Gymnasium bietet seit einem Jahr Schülern des zehnten Jahrgangs die Möglichkeit eines Austauschs mit Chile.

Wer das Fach Spanisch schon seit der Sekundarstufe I belegt hat, darf zwei bis drei Monate die spanischsprachige Kultur Chiles kennenlernen. Zwei Schülerinnen und ein Schüler der Otto-Pankok-Schule haben diese Möglichkeit genutzt und vom 1. Juli bis zum 11. September 2019 in einer Gastfamilie in Chile gelebt. Nun kam es zum Gegenbesuch: Seit dem 7. Dezember sind ihre Gastgeschwister in Mülheim, leben mit der Familie zusammen, haben Weihnachten hier verbracht und besuchen als Schüler der zehnten und elften Klasse verschiedene Kurse an der Otto-Pankok-Schule.

An der bilingualen Austauschschule in Chile wird Spanisch und Deutsch unterrichtet

„Ein Schüleraustausch ist eine wunderbare Angelegenheit, seine Sprachkenntnisse einzusetzen und eine andere Kultur kennenzulernen“, findet der Direktor der Otto-Pankok-Schule, Ulrich Stockem. Er hat früher selbst einen Austausch nach Frankreich gemacht und möchte diese Erfahrung auch seinen Schülern ermöglichen. „Das Lernen der Sprache dort war so intensiv, so nah und hat so viel Freude gemacht.“

Doch wie kam es zu einer Kooperation mit einem so weit entfernten Land wie Chile? Der Neffe von Annette Wurring, Englisch- und Spanischlehrerin an der Otto-Pankok-Schule, war selber zu einem Austausch in Chile und so habe sich eine Kooperation entwickelt. Die Austauschschule ist die Deutsche Schule Valpariso in der Stadt Viña del Mar, etwa 120 Kilometer von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt. Die bilinguale Schule unterrichtet in den Sprachen Spanisch und Deutsch. Aus diesem Grund sei auch das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur dort sehr groß, weiß die chilenische Hauptorganisatorin des Austauschs Christina Labra.

Die Proteste in Chile machten den Flug nach Deutschland ungewiss

Die chilenischen Schüler fühlen sich hier in Mülheim sehr wohl. „Ich bin sehr zufrieden hier“, erzählt Diddier in flüssigem Deutsch. Auch mit seiner Gastfamilie sei er sehr glücklich. „Wir haben versucht, ihm möglichst viel vom Ruhrgebiet zu zeigen und er war bei Familienessen dabei“, berichtet seine deutsche Gastschwester Lucie. Umgekehrt war es genauso, die Zeit in Chile habe ihr auch sehr gut gefallen. So geht es allen Austauschschülern. „Er ist wie ein echter Bruder für mich“, sagt Timothy über seinen chilenischen Gastbruder Renato.

Natürlich haben die deutschen Austauschschüler nach ihrer Zeit in Chile ein besonderen Auge auf die Nachrichten geworfen, während dort die Proteste und Demonstrationen anfingen. In dieser Zeit wurde sogar die Austauschschule in Chile für eine Woche geschlossen und der Unterricht früher beendet. „Aufgrund der Proteste war es lange gar nicht klar, ob wir überhaupt nach Deutschland fliegen können“, erinnert sich Christina Labra. Letztendlich lief aber alles nach Plan und die chilenischen Schüler landeten pünktlich in Deutschland. An die interessierte Schüler für den nächsten Austausch gerichtet, sagt Christina Labra ebenfalls:„Die Gastfamilien wohnen in Gegenden, in denen eigentlich nichts passiert. Solange man nicht aktiv am Protest teilnimmt, ist man sicher.“

Durch den Austausch wurden lebenslange Freundschaften geschlossen

Sowohl deutsche als auch chilenische Schüler haben durch den Austausch viel gelernt, gesehen ausprobiert und erfahren. Und das nicht nur über die andere Kultur, sondern auch über sich selbst. „Das Leben hier gibt mir eine ganz neue Perspektive von meinem Leben in Chile“, erzählt Renato. Er habe hier Zeit, darüber nachzudenken, was er wirklich möchte.

„Ich lerne hier, autonom zu leben“, ergänzt Trinidad. „Es ist super schön, andere Menschen kennenzulernen.“ Viele wissen jetzt schon, dass sie das andere Land irgendwann noch mal besuchen möchten. Diddier möchte später gerne eine Flugausbildung in Deutschland machen. „Man findet lebenslange Freundschaften“, erzählt Timothy, dessen Gastbruder Renato jetzt schon weiß, dass er in Chile was vermissen wird: die Döner, die er hier kennengelernt hat.

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