Partnerschaft

Beim Senioren-Speed-Dating sind die Männer heiß begehrt

Irmingard Degen und Margrit Ast (r.) organisieren das Speed-Dating für Männer und Frauen ab 55.

Foto: Michael Dahlke

Irmingard Degen und Margrit Ast (r.) organisieren das Speed-Dating für Männer und Frauen ab 55.

Senioren-Speed-Dating in der Fünte: Ziel ist es, Singles in der zweiten Lebenshälfte bei der Suche nach einer Partnerschaft zu unterstützen.

Das Senioren-Speed-Dating feierte am Wochenende in der Fünte ein kleines Jubiläum. Zum zehnten Mal brachten die beiden Veranstalterinnen Magrit Ast und Irmingard Degen Männer und Frauen ab 55 Jahren zusammen. „Mit unserem Dating-Konzept wollen wir Singles in der zweiten Lebenshälfte bei der Suche nach einer erfüllten Partnerschaft unterstützen. Im vergangenen Jahr haben sich schon fünf Paare bei uns gefunden“, erzählen die beiden Frauen nicht ohne Stolz.

Ihr Konzept ist im Grunde so, wie man sich eben das klassische Speed-Dating vorstellt: In der Fünte in Heißen sitzen an zehn Tischen Paare, die sich angeregt unterhalten. Jedes Paar bekommt acht Minuten, um sich gegenseitig Fragen zu stellen und sich ein bisschen zu beschnuppern. Nach Ablauf der Zeit erklingt ein Glöckchen, und der Mann muss einen Tisch weiter wandern, ob er will oder nicht. „In einigen Fällen kann es natürlich auch das Glöckchen der Erlösung sein“, sagt Margrit Ast lachend.

Einmal im Monat gibt es einen Stammtisch

Den Eindruck hatte man heute an Tisch drei aber nicht. Der Herr bleibt einfach sitzen und stört sich überhaupt nicht daran, dass seine Zeit hier abgelaufen ist. Die beiden Veranstalterinnen nehmen das schmunzelnd zur Kenntnis und lassen ihn gewähren. Dann führen sie ihn kurzerhand persönlich an den nächsten Tisch „Ein bisschen müssen wir uns dann doch an die Regeln halten, sonst gehen wir hier im Chaos unter“, sagen die beiden fröhlich. Wobei diese lockere Art und das „Unperfekte“ den Charme dieser Veranstaltung ausmachen: Es geht herzlich, nahezu familiär zu. „Wir kennen natürlich einige unserer Teilnehmer schon gut und auch ihre Geschichte. Schon alleine dadurch, dass wir nach der Dating-Runde noch immer auf einen Umtrunk zusammensitzen und quatschen“, erklären die Veranstalterinnen. Zudem gibt es auch einmal im Monat einen Stammtisch, zu dem alle ehemaligen Teilnehmer eingeladen sind.

Die Männer und Frauen sind im Schnitt um die 60 Jahre und kommen aus Mülheim, Essen und Umgebung. Frauen sind insgesamt aufgeschlossener, was das Konzept angeht. „Wir hatten mal über 80 Frauen auf der Warteliste. Dem gegenüber standen etwa zwölf Männer“, berichtet Irmingard Degen. Viele der Teilnehmer kommen aus langjährigen Beziehungen und sind nach einer Scheidung oder einem Verlust auf der Suche nach einem neuen Partner „Das ist in unserem Alter nicht mehr so einfach, man geht nicht mehr jedes Wochenende raus und lernt neue Leute kennen,“ berichtet eine Frau. Das Internet und Singlebörsen sind ihr zu unpersönlich. „Außerdem machen viele dort falsche Angaben, das ist hier hingegen nicht so einfach.“ Erschwerend komme hinzu, dass es eben nur begrenzt Plattformen für Menschen in der zweiten Lebenshälfte gebe.

An einem Abend zehn Frauen kennenlernen

„Ja, die Herren der Schöpfung zu aktivieren, ist tatsächlich schwieriger“, bestätigt auch Margrit Ast. „Aber ich bin mir sicher, dass die in Scharen kommen würden, wenn die wüssten, was hier für tolle Frauen unterwegs sind.“ Diejenigen, die einmal daran teilgenommen haben, sind auf jeden Fall überzeugt. „Bei solchen Veranstaltungen wird man gezwungen seine Schüchternheit an der Garderobe abzugeben“, sagt ein Teilnehmer. Aber wo hätte man denn schon die Chance, an einem Abend zehn Frauen gleichzeitig kennenzulernen.

Wenn die Gesprächsrunde um ist, füllt jeder Teilnehmer einen Bogen aus und kreuzt die Person an, die er gerne näher kennenlernen möchte. Nur bei Übereinstimmung werden die Kontaktdaten weitergegeben. Wobei die beiden Veranstalterinnen nochmal das Gespräch suchen, insbesondere wenn keine Übereinstimmung zustande gekommen ist und versuchen zu ergründen, woran es lag. „Der Bedarf für solche Angebote ist auf jeden Fall da“, sagt Irmingard Degen. Denn Einsamkeit sei doch ein großes Thema und Problem unserer Zeit. „Man muss ja nicht unbedingt einen Partner finden. Es sind beispielsweise auch einige Freundschaften unter Frauen entstanden, die sich nun regelmäßig treffen.“

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