Corona

Corona-Hotspot Mülheim: Altenheime warten auf Schnelltests

Auf Corona-Schnelltests werden momentan große Hoffnungen gesetzt, auch in einigen Mülheimer Pflegeheimen. Allerdings würden sehr große Mengen gebraucht.

Auf Corona-Schnelltests werden momentan große Hoffnungen gesetzt, auch in einigen Mülheimer Pflegeheimen. Allerdings würden sehr große Mengen gebraucht.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mit den Infektionszahlen wachsen die Sorgen in den Mülheimer Seniorenheimen: Nur kein erneutes Besuchsverbot. Können Schnelltests helfen?

„Die steigenden Zahlen sind für uns besorgniserregend. Wir warten schon sehr lange darauf, dass flächendeckend Schnelltests für unsere Bewohner und Mitarbeiter möglich werden“, sagt Christoph Happe, Leiter der Sozialdienste der Evangelischen Altenhilfe. Sie betreibt in Mülheim Haus Ruhrblick und Haus Ruhrgarten mit insgesamt 113 Bewohnern. Weil man das Besuchsrecht nicht einschränken wolle, seien regelmäßige Schnelltests die einzige Möglichkeit, die Risiken in den Häusern zu minimieren, meint Happe.

Erkältungszeit bereitet den Pflegeheimen große Sorgen

Bislang scheitere der Vollzug bei den Schnelltests, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon länger in Aussicht stellt, an den Kapazitäten, so Happe. Mit Sorge blickt die Evangelische Altenhilfe auf die Erkältungszeit. „Jeder mit Symptomen wird hier mit äußerster Vorsicht behandelt“, erklärt Happe, der auch einen Appell an die Angehörigen richtet: „Je weniger Menschen von außen ins Haus kommen, desto besser können wir unsere Bewohner schützen.“

Die alten Menschen wieder abzuschotten, ist auch für Melanie Ulrich, Leiterin der Alloheim Senioren-Residenz im Stadtquartier Schloßstraße, keine Option. Sie hat das Besuchsverbot im Frühjahr noch in schlechter Erinnerung: „Das war eine große psychische Belastung für unsere Bewohner und Mitarbeiter.“ Mittlerweile gibt es auch in ihrem Haus keine reglementierten Besuchszeiten mehr. Maximal zwei Gäste gleichzeitig dürfen auf die Zimmer, „nicht in den Aufenthaltsbereich, damit es möglichst wenig Kontakte gibt“.

Schnelltests: „Nicht jeder kann einfach drauflos pieksen“

Einlasskontrollen werden durchgeführt: Frage nach Krankheitssymptomen, Fiebermessen, Registrierung. Bald könnte an dieser Stelle auch der Corona-Schnelltest erfolgen, auf Grundlage der neuen Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums.

Doch für die Teams vor Ort sind viele Fragen noch offen. „Wie kommt man an die Tests? Wer darf sie durchführen? Es kann ja nicht einfach jeder drauflos pieksen. All das muss noch geklärt werden“, sagt Melanie Ulrich. Angeblich solle es Einweisungen geben, auch für nicht-medizinisches Personal. „Wir können nicht durchgehend eine Pflegefachkraft an den Eingang setzen, sonst bekommen wir personelle Schwierigkeiten“, so die Leiterin des Seniorenheims an der Ruhrpromenade.

Stadt hofft, dass das Land die Beschaffung regelt

Das Problem mit den Schnelltests in Seniorenheimen bereitet auch der Stadt zurzeit Kopfzerbrechen. „Wir sind jetzt verpflichtet, Bewohner und Mitarbeiter alle 14 Tage zu testen. Wie wir das machen sollen, wissen wir noch nicht“, verweist Stadtsprecher Volker Wiebels einerseits darauf, dass die Kapazität beim Gesundheitsamt und bei den niedergelassenen Ärzten beschränkt sei. Andererseits habe die Stadt aktuell eine Anfrage an das Land gerichtet, „wo wir die Schnelltests herkriegen sollen“. Nach Kenntnis der Stadt gebe es nur zwei Hersteller, „die haben ihre Lieferampel auf Rot“. Die Stadt hofft, dass die Beschaffung von Schnelltests zentral vom Land gesteuert wird.

Ähnlich sieht es Alexander Keppers, Geschäftsführer der Mülheimer Seniorendienste, die drei Pflegeheime betreiben. Mit dem Thema Schnelltests beschäftige man sich durchaus, „aber momentan sind sie nach meinen Informationen nicht verfügbar“, so Keppers. „Und es wird schwierig, sie in der nötigen Menge für alle Heime in Mülheim zu beschaffen.“

Besuchsverbot wäre „ein herber Rückschlag“

Auch wenn Mülheim jetzt offiziell als Corona-Hotspot gilt: In den Pflegeheimen sollen die Vorschriften zunächst nicht geändert werden. In den vergangenen Monaten habe man viele Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Pandemie sammeln können, heißt es von Seiten der katholischen Contilia-Geschäftsführung. „Dabei geht es in erster Linie um das verantwortungsbewusste Zusammenspiel zwischen notwendigem Infektionsschutz und notwendiger sozialer Teilhabe.“

Diese erprobten Regeln und Abläufe hätten sich bewährt und könnten unverändert auch in der momentanen Lage gelten. „Die Einstufung als Risikogebiet hat daher keinen direkten Einfluss auf unsere Einrichtungen“, erklärt das katholische Unternehmen, das in Mülheim die drei Pflegeheime Franziskushaus, Hildegardishaus und Seniorenstift St. Engelbertus betreibt.

Wohl alle, die im Bereich der Altenpflege Verantwortung tragen, hoffen, dass die Türen nicht wieder geschlossen werden. Alexander Keppers sagt: „Das wäre ein herber Rückschlag.“

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