Kontaktverbot

Corona-Kontaktverbot: Unterwegs mit einer Mülheimer Streife

Jacqueline Vieth und Bernd Hammes vom Mülheimer Ordnungsamt beim Kontrollgang.

Jacqueline Vieth und Bernd Hammes vom Mülheimer Ordnungsamt beim Kontrollgang.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Mülheimer Bürger zeigen sich diszipliniert und halten sich an das Kontaktverbot. Ein Rundgang mit einer Doppelstreife des Ordnungsamtes.

Zum Wochenbeginn, als das Kontaktverbot und alles andere noch neu und ungewohnt war, blieb es zumeist beim Platzverweis. Jetzt muss man beim Nichtbeachten allerdings mit einer Strafanzeige rechnen. Der Eindruck beim Rundgang mit einer Streife des Ordnungsamts: Die Leute halten sich überwiegend an die Regeln, sind einsichtig – und bleiben vor allem gelassen.

Parks, Spielplätze, Skate-Anlagen, Schulhöfe und Geschäfte – mehrmals täglich kommen die Doppelstreifen des Ordnungsamtes vorbei, schauen nach dem Rechten. So wie Jacqueline Vieth und Bernd Hammes, die gerade auf dem großen Gelände des Schulzentrums in Saarn an der Lehnerstraße einem Hinweis nachgehen. Menschenleer sind die Flächen und Schulhöfe, doch von der benachbarten Skateboardanlage weht Musik herüber. Keine Jugendgruppe, nur ein einzelner junger Mann ist hier, der ungestört Breakdance proben wollte. Darf er nicht, alle Spielplätze und Freizeitanlagen sind für Besucher gesperrt, auch wenn da kein Extra-Hinweis steht. Tanzen darf der Mann, aber eben nicht hier, wird er freundlich angesprochen. Dieser packt widerspruchslos seinen Lautsprecher und geht ein paar Meter weiter. „Im normalen Dienst“, sagt Bernd Hammes über Vor-Corona-Zeiten, „haben wir mehr Proteste.“ Später am Tag werden noch zwei junge Männer an der Skateranlage Südstraße angetroffen und verwarnt.

Junge Leute suchen sich in Mülheim oft verborgene Orte

„Viele Jugendliche suchen sich versteckte Orte“, weiß Jacqueline Vieth. Doch es sind nicht nur die Jungen, die sich nicht immer an Regeln halten: Kürzlich wurde auch ein Erwachsener auf einer Spielplatz-Schaukel gesichtet. Das Schulgelände in Saarn hat zudem der dortige Hausmeister im Blick, der ab und zu Jugendliche verscheuchen muss. Aber auch er sagt, es sei überwiegend ruhig, kein Vandalismus, keine Graffiti. Gruppenweise ein Schwätzchen im Park halten, das geht jetzt eben nicht mehr. Die meisten Bürger, so die beiden Ordnungsamt-Mitarbeiter, sähen das wohl auch ein. „Man muss“, sagt Jacqueline Vieth, „aber auch jede Situation einzeln bewerten.“ Man brauche halt Fingerspitzengefühl, ergänzt Kollege Bernd Hammes. Eine freundlich-bestimmte Ansprache reicht da oft schon.

Gern besuchte Treffpunkte wie Spielhallen, Imbiss-Lokale oder Grünanlagen in der Stadtmitte werden in diesen Tagen öfter bestreift. „Derzeit ist kein Werg umsonst“, sagt Bernd Hammes. Verstärkt von Kollegen anderer Fachbereiche der Verwaltung sind derzeit 18 Streifen des Ordnungsamtes im Schichtdienst unterwegs. Unterstützt von der Polizei, aber die hatte in Sachen Kontaktverbot bis Donnerstagnachmittag wenig zu tun in Mülheim.

Die Kunden stehen im großem Abstand an und treten einzeln ein

Jacqueline Vieth und Bernd Hammes bestreifen am Donnerstag auch die Düsseldorfer Straße. Gab’s am vergangenen Wochenende im Stadtgebiet noch diverse Läden und Lokale, die verbotenerweise geöffnet hatten, so zeigt sich Saarns Haupteinkaufsstraße vorbildlich. Bäcker, Metzger, Apotheke, Blumengeschäft, Drogeriemarkt: Die Leute stehen in großem Abstand an, alle sind diszipliniert, treten einzeln ein. „So soll es sein“, lobt Jacqueline Vieth. Als sich die Warteschlange beim Metzger gefährlich in Richtung Fahrbahn ausdehnt, dringt das Ordnungsamt darauf, dass sich die Leute etwas anders aufstellen. „Bitte um die Hausecke anstellen!“ Der Metzger - mit Mundschutz - klebt die neuen Warte-Markierungen auch gleich neu ums Eck herum. Auch die großen Supermärkte werden regelmäßig kontrolliert, vor allem auf den Kassenbereich hat die Stadt ein Auge: Stimmen die Abstände? Sind Markierungen auf dem Boden? Ist genug Desinfektionsmittel vorhanden, um die Kassenbereiche zu reinigen?

Alle Spielplätze in der Stadt werden regelmäßig abgefahren. Stichprobe am Witthausbusch: Auf der großen Wiese tummeln sich sonst oft große Gruppen, das wissen die beiden vom Ordnungsamt, heute natürlich nicht. Auch der Spielplatz ist verwaist. Die Leute gehen mit Kindern oder Hunden, zu zweit oder allein und genießen die Sonne. So, wie es sein soll.

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