Kunst im öffentlichen Raum

Der bunte Glaskreis im Treppenhaus der Schule glänzt wieder

Die Wiederbegegnung mit dem 1974 entstandenen Buntglasfenster begeistert die Künstlerin Ursula Hirsch. Die Bleiverglasung besteht aus 2500 Einzelteilen.

Foto: Kerstin Bögeholz

Die Wiederbegegnung mit dem 1974 entstandenen Buntglasfenster begeistert die Künstlerin Ursula Hirsch. Die Bleiverglasung besteht aus 2500 Einzelteilen.

Mülheim.   Ursula Hirsch entwarf 1974 die große Bleiverglasung für die Katharinenschule. Das Kunstwerk wurde jetzt sorgfältig gesäubert und restauriert.

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Früher wurden bei öffentlichen Gebäuden immer zwei, drei Prozent der Bausumme für Kunst am Bau verwendet. Für viele Künstler war das wichtig. Auch Ursula Hirsch, die in Essen mehrere Fenster in öffentlichen Gebäuden und auch Kirchen realisierte, hat davon profitiert. 1974, als das schon keine Selbstverständlichkeit mehr war, hat sie ein Glasfenster für das Foyer der Katharinenschule in Speldorf entworfen. Es ist ein riesiges Fenster, das sich über zwei Etagen erstreckt und von einem Gang geteilt und Treppen verdeckt wird. So war es von Beginn an. „Das finde ich nicht schlimm. Im Gegenteil, das macht es erst interessant. Sonst wäre es zu platt“, sagt die 88-Jährige.

Vertikale, diagonale und horizontale Linien der Architektur stehen in einer Spannung zur runden Bleiverglasung. Sie besteht aus mehreren konzentrischen Kreisen, in denen jeweils eine Farbe - Rot, Grün, Blau - in unterschiedlichen Abstufungen dominiert. Das Energiezentrum mit funkelndem Rot ist durch den Gang verdeckt. „Das muss man sich erarbeiten“, sagt die Künstlerin, die in den 50er Jahren eine Ausbildung als Glasmalerin absolvierte. Von draußen bekommt man vielleicht einen besseren Gesamteindruck von dem Kunstwerk. Doch an dem wolkenverhangenen Vormittag wirkt die gesamte Fläche nur matt, dunkel, ja fast einfarbig. Da schmunzelt die Künstlerin. Nur eine Glasfacette funkelt in hellem Grün, weil im Inneren eine Lampe angegangen ist.

Einige Scheiben waren zu Bruch gegangen

Innen strahlt das Fenster nach einer sorgfältigen Restaurierung in neuem Glanz. Da einige Scheiben zu Bruch gegangen waren, und Feuchtigkeit ins Gebäude einzudringen drohte, war die Sanierung des Fensters unaufschiebbar. Ausgeführt wurden die Arbeiten, die aus Mitteln des Kunstmuseum finanziert wurden, bereits im Herbst von der Fachfirma Derix aus Kaiserswerth. Die Scheiben wurden ergänzt, die Verglasung sorgfältig gereinigt und einige defekte Bleifassungen mit Zinn verlötet.

Wenn die Sonne scheint, ist das ganz anderes. Sie sorgt dann auf dem Boden für interessante, sich wandelnde Lichtspiele. Aber das neutrale Licht ist Hirsch am liebsten, weil dann ihr Entwurf unverfälscht zum Ausdruck kommt. Das Fenster besteht aus 2500 Glasscheiben unterschiedlicher Größe und Farbtönen. Sie sind in 28 Felder gegliedert, die jeweils aus 42 bis 92 Scheiben bestehen. „Vermutlich habe ich damals einen Entwurf im Maßstab von 1 zu 20 gemacht“, meint sie. Auf dem hat sie die Farbkontraste komponiert.

Fenster einer Kirche im Languedoc gestaltet

Im Jahr zuvor hatte sie in Südfrankreich die Fenster der romanischen Kirche St. Flour du Pompidou im Languedoc gestaltet. Die Begegnung mit der 44 Jahre alten Arbeit begeistert die Künstlerin, die sich an den Farbkontrasten erfreut. Damals habe sie sich viel mit dem Kreis beschäftigt, der sich auch in ihrer Malerei findet. Bei einer Glassegment hat sie Zweifel, kann sich kaum vorstellen, dass sie diesen Farbton, der so irritiert, gesetzt hat. Sie kann es auf dem Modell überprüfen.

<<< STATIONEN EINES KÜNSTLERLEBENS

Ursula Hirsch ist 1929 in Düsseldorf geboren. 1954 lernte sie in Essen Werner Graeff kennen, den sie 1964 heiratete.1970 bezogen sie einen Bauernhof in Mülheim. In den späten 50ern fand sie in ihrer Malerei zu einer abstrakten Formensprache.

Der Austausch mit Frankreich ist ihr wichtig. Sie wurde 1988 vom Orden „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ geehrt.

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