Kinder-Universität

Der Campus wird zum Schulhof

Leander, Leo, Christopher und Emma von der Katharinenschule testen ihre Knetmasse-Modelle im Windkanal.

Leander, Leo, Christopher und Emma von der Katharinenschule testen ihre Knetmasse-Modelle im Windkanal.

Foto: Michael Dahlke

mülheim.   120 Grundschüler genossen einen Schnuppertag an der HRW. Professoren hielten kindgerechte Vorlesungen und machten komplexe Phänomene verständlich.

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Die Schüler rufen seinen Namen, winken, Nao dreht seinen Kopf und schon hat er sie fixiert. Seine Augen blinken. „Herzlich willkommen. Mein Zuhause ist das Labor“, sagt er in einer tonlosen Automatenstimme, den Nao ist ein Roboter und für die Kinderuni der HRW von Bottrop nach Mülheim gekommen. Dort tummelten sich gestern 120 Schüler aus fünf Grundschulen bei Experimenten im Hörsaalgebäude, wo auch drei Professoren kindgerecht einen Einblick in ihr Metier gaben.

Aber Nao, das ein Meter große Männchen, ist der Star des Vormittags, den Friedhelm Susok moderiert. Er zeigt zu fernöstlichen Klängen seine Tai-Chi-Kenntnisse, die ihm die Bottroper Studenten in vielen Programmier-Stunden beigebracht haben. So beugt er den Rumpf zur einen Seite und spreizt das Bein zur anderen und wechselte dann die Seiten. Aber seine Kondition ist nicht besonders groß. Rückengerecht geht er in die Knie und sagt ganz poetisch. „Müde bin ich, geh zur Ruh’...“

„Wenn man Mathe einmal blöd findet, dann bleibt das in der Regel so“

Für die naturwissenschaftlich-mathematischen Mint-Studiengänge kann die Hochschule nicht früh genug werben. Für die Grundschulen bietet die HRW unter anderem Workshops in Programmieren und Bionik, also der Nachahmung von natürlichen Phänomen durch die Technik, wie etwa den Klettverschluss oder den Lotus-Effekt, an, wie Insa Larson erläutert. Gemeinsam mit Tanja Lübbers koordiniert sie die Schulprojekte und hat mit einem 20-köpfigen Team das vierstündige Programm im Hörsaal gestemmt.

„Wenn man Mathe einmal blöd findet, dann bleibt das in der Regel so“, fürchtet Tanja Lübbers. Sie bedauert, dass das Fach einen schlechten Ruf hat, dabei könne man wunderbar mit Hilfe von Rätseln die Neugier und den Forscherdrang der Kinder nutzen, um mathematische Methoden einzuüben. Dass Zahlen ihren Reiz haben können, zeigt die Kurzvorlesung von Andreas Sauer. Er verblüffte auch Erwachsene mit der Antwort auf die einfache Frage, wie viele Sitzplatzkombinationen es in einer 20-köpfigen Klasse gibt. Es sind über zwei Trillionen. Viel Spaß beim Kontrollieren! Dass ein Grundschüler diese Bandwurmzahl überhaupt lesen konnte, verdient schon Anerkennung.

„Komm Max, da geht noch was“

Im Foyer erklären die Wissenschaftler mit einfachen Mitteln komplexe Themen wie die Gravitation: Auf einem gespannten Tuch kreisen Murmeln als Himmelskörper um ein Gewicht in der Mitte, das die Sonne symbolisiert. Im Windkanal macht ein feiner Nebelstrahl die Aerodynamik der gekneteten Fahrzeuge sichtbar. Ist die Form zu eckig, werden die Windwirbel deutlich sichtbar. „Komm Max, da geht noch was“, feuern die Schüler ihren Mitschüler an, der sich gerade auf dem Rudergerät verausgabt. 100 Watt zeigt die Anzeige, gar nicht so schlecht. Früher war das die Leistung einer starken Glühbirne. Sein Klassenkamerad legt sich hier noch viel stärker in die Riemen. Hektik hilft aber nicht. Mit der Wärmebildkamera wird die Energie, die die Schüler abgeben, dann auch noch sichtbar.

Wärme und Dynamik war auch ein Thema, das die Vizepräsidentin Susanne Staude am Morgen ganz praktisch demonstriert. Über eine Trinkflasche („Die habe ich meiner Tochter heute Morgen aus dem Rucksack geklaut“) stülpt sie einen Luftballon. Parallel erhitzt sie Flüssigkeit in einem Wasserkocher. „Was passiert, wenn ich die Flasche in das heiße Wasser tauche?“, fragt sie in die Runde und zahlreiche Hände schnellen nach oben. Richtig, die Luft wird erwärmt und bläht den Ballon auf. Das ist auch das Grundprinzip eines Motors, so Staude, und malt Kolben und Zylinder an die Tafel.

>>> Schwellenängste abbauen
Ziel des Schnuppertages ist es, dass Kinder möglichst früh positive Erfahrungen mit der Hochschule machen. Viele Studenten im Ruhrgebiet sind immer noch die ersten in ihren Familien, die studieren. Der Tag soll dazu beitragen, Schwellenängste abzubauen.

Wenn in der 8. Klasse die Berufsorientierung einsetzt, erinnern sie sich an dieses positive Erlebnis mit Mint-Fächern.

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