Theater an der Ruhr

„Der Untergang der Titanic“ hat Premiere auf Mülheimer Bühne

„Der Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger hat am 19. September im Theater an der Ruhr Premiere. Im Bild: Sven Schlötcke (li, Geschäftsführer und Dramaturg) und Philipp Preuss (re., Regisseur, ab sofort auch Mitglied der Künstlerischen Leitung des TaR).

„Der Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger hat am 19. September im Theater an der Ruhr Premiere. Im Bild: Sven Schlötcke (li, Geschäftsführer und Dramaturg) und Philipp Preuss (re., Regisseur, ab sofort auch Mitglied der Künstlerischen Leitung des TaR).

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Das Theater an der Ruhr zeigt „Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger in einer eigenen Bühnenfassung. Regie führt Philipp Preuss.

„Der Untergang der Titanic“ ist ein vielschichtiges und sprachgewaltiges episches Gedicht in 33 Gesängen von Hans Magnus Enzensberger, das eigentlich nicht für die Bühne gedacht ist. Regisseur Philipp Preuss und Dramaturg Sven Schlötcke haben das Werk „neu entdeckt und sozusagen vom Meeresgrund geholt“ und eine Spielfassung geschaffen. Die Produktion hat am Donnerstag, 19. September, um 19.30 Uhr im Theater an der Ruhr (TaR) Premiere.

Geschichte des Schiffsunglücks ist der rote Faden

Wie der Titel schon sagt: Es geht um den Untergang der Titanic, des großen Passagierschiffes, das im Jahre 1912 im versank. Die Geschichte des Unglücks ist der roten Faden, der sich durch das Werk zieht. „Es geht Enzensberger aber um viel mehr. Der Untergang der Titanic steht hier als Metapher für Untergänge schlechthin“, sagt Sven Schlötcke. Der Stoff sei hochaktuell, gegenwärtige oder drohende Katastrophen gebe es in der heutigen Welt zuhauf.

„Zudem haben wir es mit einem Text von großer sprachlicher und kompositorischer Qualität zu tun“, findet der TaR-Geschäftsführer. „Der Text ist wie Musik, wir hören alle Stimmen, die in Enzensbergers Kopf vorkommen“, sagt Philipp Preuss. Der Autor hat sein Stück „Komödie“ genannt, das ist wohl sarkastisch gemeint. Dennoch zeigt es „so manche absurde Situationen auf“ und berge daher eine gewisse Komik.

Die reale Story vom Untergang des Atlantik-Liners, in den Gesängen und Gedichten „stark erzählt“, ist mit anderen örtlichen und zeitlichen Ebenen verwoben. Enzensberger reflektiert auch über seinen Aufenthalt in Kuba in 1969 und eine persönliche Schaffenskrise Ende der 70er Jahre in Berlin.

Der Mensch neigt dazu Probleme zu verdrängen

Das Stück entlarvt die Technikgläubigkeit. „Es passt zu dem Gedanken, dass in jedem technischen Fortschritt schon die Katastrophe steckt, jede Katastrophe wieder zu einer Erfindung führt und diese wieder zu einer Katastrophe“, sagt Phillip Preuss. Enzensberger spiele auch auf die Neigung des Menschen an, zu verdrängen: Er merke, dass der Untergang nahe, er könne und wolle sich das Ende aber nicht vorstellen. „Wir wissen, dass die Klimakatastrophe da ist, aber wir glauben immer noch, dass es nicht so schlimm wird“, gibt Sven Schlötcke ein Beispiel. Dieser Mechanismus wiederhole sich auf allen Ebenen immer wieder. Enzensberger betrachte das mit einem lakonischen Blick.

Regisseur Philipp Preuss und Bühnenbildnerin Ramallah Sara Aubrecht haben für die Inszenierung eine spezielle Raumlösung erdacht. Die Zuschauer sitzen auf einem „Schiff“, einer Drehscheibe im Theaterraum. Drumherum wird gespielt, der ganze Saal wird genutzt, das gesamte Ensemble des TaR ist im Einsatz. Auch Musik spielt eine große Rolle. Kornelius Heidebrecht hat unter anderem aus Musik der 60er und Salonmusik der 20er einen speziellen Sound geschaffen. „Die Aufführung kann für den Zuschauer zu einer sehr sinnlichen Erfahrung werden“, glauben die Theatermacher.

Der Österreicher Preuss hat schon in Berlin, Dortmund und Bochum inszeniert

Philipp Preuss (44) hat schon an vielen Theatern inszeniert – unter anderem in Berlin, Frankfurt, München, Dortmund, Bochum. Der Österreicher hat Regie und Schauspiel am Mozarteum in Salzburg sowie Theaterwissenschaften und Philosophie in Wien studiert. Seit 2001 ist er als freier Regisseur tätig. Er hat auch eine große Affinität zur bildenden Kunst.

Auch in Mülheim kennt man Preuss schon. Er hat am Theater an der Ruhr bei den Produktionen „Leonce und Lena“ sowie „König Ubu # Am Königsweg“ Regie geführt. Auch das diesjährige Siegerstück der Mülheimer Theatertage, „Atlas“ von Thomas Köck, hat er inszeniert – am Schauspiel Leipzig, dort ist er auch Hausregisseur. Erst kürzlich zeichnete der gebürtige Bregenzer für das Auftaktstück, einem Schauspiel über die Wagner-Familie, für die Bayreuther Festspiele verantwortlich.

Mitglied des künstlerischen Leitungsteams am Theater an der Ruhr

Ab sofort ist Phillip Preuss nun Mitglied des künstlerischen Leitungsteams am Theater an der Ruhr. Er wird an der inhaltlichen Ausrichtung des Theaters mitstricken. In dieser Spielzeit wird der Regisseur noch ein weiteres Stück in Mülheim auf die Bühne bringen – ein Drama von Michel Houellebecq.

Die Premiere ist ausverkauft. Weitere Termine: 20. September, 4. und 5. Oktober (jeweils 19.30 Uhr) sowie 6. und 20. Oktober (18 Uhr)

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