Schließungen

Die Kneipenkultur veraltet

Tom Buder steht im Kaisereck am Zapfhahn.

Tom Buder steht im Kaisereck am Zapfhahn.

Foto: NRZ

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Mülheim.Der alte Billardtisch zog gestern ins „Alte Schilderhaus“ um, die meisten Stühle und Stehtische sind bereits geräumt. Tom Buder, Betreiber des Mülheimer Kaiserecks, putzt an der Theke ein Glas und wirkt dabei gelegentlich gedankenverloren. „Sein“ Kaisereck ist seit dem vergangenen Wochenende Geschichte. Mit ihm geht nicht nur eine Kneipe, sondern ein weiterer Treffpunkt in der City für die junge Szene verloren. Gehört die Kneipenkultur der Innenstadt bald zum ‘alten Eisen’?

Das Ende war nur eine Frage der Zeit

Das Ende des Kaiserecks kam für viele Gäste überraschend, es hatte den Status einer Institution. Eigentlich aber war es nur eine Frage der Zeit. Bereits vor sechs Jahren sprach sich die Eigentümergemeinschaft des Hauses Nr. 69 gegen die seit 1977 bestehende Kneipe aus. Mancher Anwohner ärgerte sich über die Lautstärke. „Wenn du aufschließt, und dich fragst, ob heute die Polizei kommen wird, fängt es an, keinen Spaß mehr zu machen“, deutet Buder Probleme an. Die seien zwar nicht massiv gewesen, aber „schon ein Anwohner reicht aus, um einer Kneipe das Leben schwer zu machen“.

Auch das Nichtraucherschutzgesetz zeigte Nebenwirkungen, denn wenn Raucher vor die Tür müssen, steigt der Lärmpegel an. Für Buder gab dies den Ausschlag, die Kneipe aufzugeben. 13 Jahre hatte er sie geführt – was danach kommt? „Vielleicht die x-te Dönerbude“, sagt Buder. Eine Spur Sarkasmus klingt mit. Auch für das „Oberbayern“ an der Bachstraße brachte das Nichtraucherschutzgesetz das Fass zum Überlaufen. Es feierte ebenfalls am Wochenende seinen Abschied.

Treffpunkte für die junge Szene fehlen

Die Innenstadt droht ein „junges“ Nachtleben weiter zu verlieren. Es fehlen zunehmend Treffpunkte für die junge Szene, ist Sean McCartan überzeugt: „Sie gingen zum Marktplatz, zum Kaisereck und zu uns“, erzählt der Inhaber der Rathsstuben. Doch der Marktplatz an der Friedrich-Ebert-Straße machte bereits im Juni 2012 dicht. Nach 30 Jahren. Für die Rathsstuben kein Grund zur Freude: „Es ist schade“, meint McCartan. Denn mehr Wettbewerb zieht auch mehr Publikum in die City.

Doch gerade hier baut die Kneipenkultur ab: Die Palette am Kunstmuseum wechselte in nur zwei Jahren mehrfach ihre Betreiber und steht seit fast einem Jahr leer. Dass hier wieder eine Gastronomie entsteht, ist unwahrscheinlich. Hinter den Kulissen wird bereits über andere Nutzformen durch das Museum nachgedacht.

Wohin wird ein junges Publikum nun gehen? „Es gibt kaum Orte, wo sie sich abends treffen, und für wenig Geld ‘was trinken und essen können“, meint Buder. Er hofft, dass sie nun das Schilderhaus annehmen.

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