SPD

Die Mitglieder wünschen sich Bakum als SPD-Vorsitzenden

Rodion Bakum hat eine breite Unterstützung der SPD-Mitglieder bekommen für seine Kandidatur für den Parteivorsitz.

Rodion Bakum hat eine breite Unterstützung der SPD-Mitglieder bekommen für seine Kandidatur für den Parteivorsitz.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Rodion Bakum (28) soll neuer Chef der SPD in Mülheim werden. So wünschen es sich zumindest die Mitglieder. Am 28. September wählt der Parteitag.

Zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Partei sind die SPD-Mitglieder gefragt worden, wer ihre Partei in Zukunft als Vorsitzender führen soll. In der durch interne Querelen infolge der OB-Affäre zerrissenen Partei war das Ergebnis mit Spannung erwartet worden. Schließlich galten die zwei Bewerber als Vertreter je eines der zerstrittenen Lager.

All dies aber spielte bei der öffentlichen Auszählung und Verkündung des Ergebnisses der Mitgliederbefragung am Freitagabend im „Haus Bürgergarten“ höchstens in den Hinterköpfen einiger Genossen eine Rolle: Wahlsieger Rodion Bakum und seine Gegenkandidatin Sina Breitenbruch-Tiedtke bescheinigten sich gegenseitig einen fairen Umgang miteinander, einen fairen Wettstreit der Ideen, um die SPD in die Kommunalwahl 2020 zu führen.

Wahlbeteiligung lag bei 45,3 Prozent

633 Mitglieder hatten sich an der Befragung beteiligt. Wahlleiter Arno Klare stellte mit Stolz eine Wahlbeteiligung von 45,3 Prozent fest, „eine bemerkenswerte Zahl für eine Partei, die hierin ungeübt ist und es zum ersten Mal macht“.

Bei 37 ungültigen Stimmen entfiel die deutliche Mehrheit der Stimmen auf Bakum. Für ihn als Vorsitzenden stimmten 378 Genossen, für Breitenbruch-Tiedtke 200. Die beiden Kandidaten umarmten sich nach der Ergebnisverkündung.

Klare spricht von „einer deutlichen Empfehlung“ für den Parteitag

Auch wenn erst der Parteitag am 28. September die endgültige Entscheidung trifft, ist kaum zu erwarten, dass er einen Bogen um Bakum machen wird. Die Mitglieder haben „eine deutliche Empfehlung“ ausgesprochen, wie Bundestagsmitglied Klare betonte.

Bakum wandte sich am Freitag direkt an die Genossen, die zur Stimmenauszählung in den Bürgergarten gekommen waren. Der angehende Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zeigte sich „ein Stück weit überwältigt“.

Bakum erwartet „ehrliches Ergebnis“ auf dem Parteitag

Er sprach davon, dass die vergangenen Monate des parteiinternen Wahlkampfes „eine zeitliche und körperliche Herausforderung“ gewesen seien. In den Parteitag gehe er mit Demut und der Erwartung „eines ehrlichen Ergebnisses“.

Bakum kündigte an, dass es mit ihm an der Spitze der Partei noch mehr personelle und inhaltliche Entscheidungen auf Basis von Mitgliederbefragungen geben soll. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte er, dass die Basis als nächstes etwa entscheiden solle, mit welchem Spitzenkandidaten für den Rat und für das Amt des Oberbürgermeisters die SPD in die Kommunalwahl 2020 gehen soll.

Es soll einen „Wettbewerb der besten Ideen“ geben

Mülheims SPD habe „einiges geradezurücken“, um das Vertrauen vieler Bürger zurückzugewinnen, sagte Bakum. Der parteiinterne Streit soll zugunsten der Inhalte in den Hintergrund rücken. Er wolle den „Wettbewerb der besten Ideen“ in der SPD unter Beteiligung der Basis vorantreiben. Die ersten Textentwürfe für das Kommunalwahlprogramm der SPD seien formuliert. Nach Bakums Wunsch sollen sie nochmals an die Basis gespielt werden „für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess“.

Die unterlegene Sina Breitenbruch-Tiedtke präsentierte sich am Abend als faire Verliererin. Sie sei „natürlich enttäuscht“, aber es sei eben ein politischer Wettbewerb gewesen. Dabei sei auch ihre eigene Kandidatur wichtig gewesen, „um die Partei wieder ans Laufen zu kriegen“.

Breitenbruch-Tiedtke lässt offen, ob sie in anderer Funktion in den Vorstand will

Breitenbruch-Tiedtke fühlt sich durch zahlreiche positive Rückmeldungen während des parteiinternen Wahlkampfes motiviert, weiter ihre Ideen und Inhalte in die Parteiarbeit einzubringen. Am Freitag ließ die 35-Jährige es aber offen, ob sie in der kommenden Woche für ein anderes Amt im Parteivorstand kandidieren wird. „Ich lasse es jetzt erst mal sacken.“

Umarmungen beider Kandidaten gab es auch von OB Ulrich Scholten, der sein Amt als SPD-Vorsitzender bekanntlich seit September 2018 ruhen lässt. Scholten zeigte sich „ziemlich zufrieden mit dem Prozess und Ergebnis“ der Mitgliederbefragung. „Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit.“

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