Gericht

Drogenhandel: Mülheimer (21) bekam Jugendhaft mit Bewährung

Das Landgericht Duisburg verurteilte einen 21-jährigen Mülheimer zu anderthalb Jahren Jugendhaft mit Bewährung.

Das Landgericht Duisburg verurteilte einen 21-jährigen Mülheimer zu anderthalb Jahren Jugendhaft mit Bewährung.

Foto: Arne Dedert / picture alliance / dpa

Mülheim.  Jugendhaft mit Bewährung für jungen Mülheimer, Vorwurf des Verkaufs von 18 Kilo Marihuana war nicht zu halten. Gericht: günstige Sozialprognose.

Mit einer Verurteilung zu anderthalb Jahren Jugendhaft mit Bewährung endete vor dem Landgericht Duisburg das Verfahren gegen einen 21-jährigen Mülheimer. Laut Anklage hatte er zwischen März 2018 und Juli 2019 in 144 Fällen insgesamt fast 18 Kilo Marihuana verkauft.

Doch davon war am Ende nur ein Bruchteil zu beweisen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung waren am 18. Juli 2019 rund 175 Gramm Marihuana gefunden worden. Außerdem gab der Angeklagte zu, in 52 Fällen jeweils 25 Gramm an einen Bekannten abgetreten zu haben, mit dem zusammen er eine Einkaufsgemeinschaft gebildet hatte, um so billiger an die Drogen zu kommen.

Angeklagter hatte schweren Schicksalsschlag erlitten

Es war kein typischer Fall, darin waren sich aller Verfahrensbeteiligten einig. Denn der Angeklagte geriet durch einen schweren Schicksalsschlag auf die schiefe Bahn. Der ehemalige Meister in einer modernen Tanzsportart war vor sieben Jahren von seinem Tanzlehrer und Mentor sexuell missbraucht worden. Der Mülheimer beendete die Tanzkarriere und suchte Vergessen im Drogenkonsum.

Dafür, dass der größte Teil der Vorwürfe in sich zusammenbrach, war vor allem der Hauptbelastungszeuge verantwortlich. Die Angaben über die angeblichen Verkäufe im Kilobereich basierten vor allem auf seinen Angaben. In seinem eigenen Prozess hatte er mit dieser „Aufklärungshilfe“ Vorteile erlangt. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Kronzeuge machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das traf auch auf zwei weitere Zeugen zu, die angeblich Zeugen von Übergaben größerer Drogenmengen waren.

Verteidiger kritisierte die Ermittlungsarbeit der Polizei

Der Verteidiger kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Ermittlungsarbeit der Polizei: Widersprüche in den Aussagen des Hauptbelastungszeugen hätten hinterfragt und aufgeklärt werden müsse. Stattdessen hätten die Beamten offenbar einseitig ermittelt und beispielsweise bei der Anfertigung von Protokollen alles andere als sauber gearbeitet. Das Gericht konnte den Angeklagten letztlich nur für das bestrafen, was er selbst zugegeben hatte: 53 Fälle des Drogenhandels in denen es um rund 800 Gramm Marihuana ging.

Zu Gunsten des Angeklagten wirkte sich insbesondere das Geständnis aus. Und an einer günstigen Sozialprognose, die eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung rechtfertigte, gab es wenig Zweifel: Der 21-Jährige lebt in geordneten Verhältnissen, hat unmittelbar nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft einen neuen Job begonnen.

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