SOZIALES

Ein Altenheim für Muslime

Foto: NRZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

An der Saarner Straße sollen 55 Zimmer und 28 Wohneinheiten entstehen. Auch Nichtmuslime sind ausdrücklich willkommen. Es soll ein offenes Haus sein.

Die Türkische Gemeinde Rhein-Ruhr (TGRR) feiert Geburstag: Seit 15 Jahren leistet der rund 2000 Mitglieder zählende Verein Integrationsarbeit. Im Jubiläumsjahr soll nun ein besonderes Projekt gestartet werden. An der Saarner Straße 6 wird ein Senioren- und Pflegeheim für Menschen mit muslimischem Hintergrund entstehen.

Immer mehr Einwanderer werden pflegebedürftig, gleichzeitig ändern sich aber die Familienstrukturen. Die Großfamilien, in denen bisher die Senioren oft bis ihrem Tod lebten, werden immer weniger. Zumindest in diesem Punkt passen sich die Migranten immer mehr der deutschen Mehrheitsgesellschaft an: Die Kinderzahl nimmt ab und auch die Möglichkeit, sich rund um die Uhr um die alten Eltern kümmern zu können. Freilich ist die Bereitschaft alter Muslime, in ein deutsches Seniorenheim zu ziehen, nicht sehr groß. Diese Probleme kennt auch Selahattin Günay, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde. „Ich bin einmal mit dem Fall eines alten Türken konfrontiert worden. Er hatte einen Schlaganfall erlitten, wollte sich aber von der Pflegerin nicht waschen lassen”, berichtet der in Gelsenkirchen niedergelassene Mediziner. „Die Ärzte waren verzweifelt. Ich konnte schließlich durchsetzen, dass seine Frau ihn wäscht.” Dem deutschen Pflegepersonal fehle oft die nötige Sensibilität für die Bedürfnisse der älteren Muslime. Das führe dazu, dass viele Einwanderer Angst vor einem Seniorenheim hätten. „Sie glauben nicht, dass man sich richtig um sie kümmert”, weiß Günay.

Zwar existierten in vielen Einrichtungen bereits spezielle Stationen für Muslime, trotzdem würden diese Angebote aber nur sehr selten angenommen. „Hier setzen wir an”, ist Günay überzeugt. Durch eine muslimische Küche werde sichergestellt, dass die religiösen Speisevorschriften eingehalten werden. Auch zwei Gebetsräume werden für die Bewohner entstehen.

Trotzdem ist das Heim grundsätzlich offen für alle Menschen: „Die Religionszugehörigkeit ist nicht entscheidend. Wir verstehen das Projekt als einen Beitrag zur Integration. Es ist nicht nur für uns, sondern für die Allgemeinheit”, betont der Vorsitzende der Gemeinde, Mustafa Okur. Auch bei der Rekrutierung des Pflegepersonals soll die Herkunft keine Rolle spielen. Das Heim soll sich in den Stadtteil eingliedern. Nur wenige Minuten ist das Dorf Saarn entfernt, so dass die Bewohner dort problemlos einkaufen können. Weiterhin soll dem Heim ein Cafe´ angeschlossen sein, dass für den Publikumsverkehr offen ist. „Das ist ein Modellprojekt für Deutschland und ein Muster für die Integration”, ist denn auch der türkische Generalkonsul Hakkan Akbulut überzeugt.

Die Baugenehmigung für das acht Millionen-Euro-Projekt wird vermutlich erteilt werden, sobald der Gestaltungsbeirat Ende August über das Vorhaben beraten hat. Bereits seit zehn Jahren befinden sich die TGRR und die Stadt in Planungsgesprächen. Der Großteil der rund 2200 Quadratmeter großen Baufläche befindet sich im Besitz der Stadt. Es sollen insgesamt 55 Ein- und Zweibettzimmer in der Größe zwischen 24 und 48 Quadratmeter entstehen. Hinzu kommt ein Angebot für betreutes Wohnen, das bis zu 28 Einheiten umfassen soll.

„Wir haben jetzt schon viele Interessenten. Demnächst wird ein Anmeldungsbüro eingerichtet werden”, berichtet Mustafa Okur. Laut Plan sollen die Bauarbeiten nach eineinhalb Jahren abgeschlossen sein. Okur denkt aber jetzt schon an die weitere Zukunft: „Wenn wir einen besonders großen Zulauf haben, besteht auch die Möglichkeit, den Komplex zu erweitern.”

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (32) Kommentar schreiben