Frühe Hilfen

Familienhebammen: Ein Netzwerk für eine gute Entwicklung

Familienhebamme Jennifer Jaque-Rodney (v.l.) mit Saadia Ibaoune, Haccanım Şakar-Ak und Emine Yurdakul vom Bildungsnetzwerk.

Foto: Walter Schernstein

Familienhebamme Jennifer Jaque-Rodney (v.l.) mit Saadia Ibaoune, Haccanım Şakar-Ak und Emine Yurdakul vom Bildungsnetzwerk. Foto: Walter Schernstein

mülheim.   Die Familienhebammen luden ihre Kooperationspartner zur Fachtagung. Beratung und Begleitung wird von jungen Müttern immer stärker gewünscht.

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Das von den Familienhebammen geknüpfte Netzwerk Frühe Hilfen mit Institutionen, die alle auf ihre Weise zum Gelingen frühkindlicher Entwicklung beitragen, besteht bereits seit drei Jahren. Aber jede Kooperation ist optimierbar. Deshalb laden die Familienhebammen regelmäßig alle Partner zu Fachtagungen ein. Die vierte Tagung stand nun in der Stadthalle unter dem Motto „auf den Anschluss kommt es an“, an der sich über 100 Interessierte beteiligten, die auch von Institutionen aus anderen Ruhrgebietsstädten kamen.

Gemeint ist sinnbildlich, dass ein Rad ins nächste greift und rechtzeitig das Frühförderzentrum, der Kinderschutzbund mit einem Elterntraining oder die sprachtherapeutische Beratungsstelle aufgesucht wird. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es in der Praxis aber nicht. Der Übergang gelingt umso besser, je vertrauter die Mitarbeiter der beteiligten Einrichtungen miteinander und in ihren Tätigkeiten sind. Die jungen Mütter müssen ja davon überzeugt werden, dass ihrem Kind dort geholfen ist.

Viele junge Mütter brauchen auch mal ein Lob

Die Familienhebammen haben dabei die Lotsenfunktion. Spricht man mit Leiterin Jennifer Jaque-Rodney über ihre Arbeit, fällt oft das Wort „wohlwollend“. Das ist ihre Haltung, mit der sie auf die Familien blickt. „Was viele junge Mütter brauchen, ist mal ein Lob“, stellt sie fest. Grundsätzlich wollten sie ja das beste für ihr Kind, seien aber aus unterschiedlichen Gründen verunsichert, entweder, weil sie selbst nicht in einem liebevollen Umfeld groß geworden seien oder weil die Anforderungen an die Erziehung heute so groß erschienen. Aufgabe ist es dann, durch Beratung, Anleitung und Bestärkung die elterliche Kompetenz zu erweitern.

„Das ist keine Pflichtveranstaltung für Eltern“, versichert Sozialdezernent Ulrich Ernst, sondern ein freiwilliges, niederschwelliges Angebot.“ Zielgruppe seien nicht die schweren Fälle, wo eine Kindeswohlgefährdung drohen könne, aber ein Selbstläufer sei eine positive Entwicklung hier auch nicht. Womöglich stelle man bei der Schuleingangsuntersuchung fest, dass man besser etwas getan hätte. Aber dann werde es schon schwierig, denn frühe Hilfen seien besonders wirksam.

Die Anzahl der betreuten Familien hat sich verdoppelt

Das Trio der Familienhebammen, das an der Wallstraße 5 sitzt, komplettiert seit einem Jahr die Kinderkrankenpflegerin Nina Finkelmeier, die sich vorrangig um chronisch kranke und behinderte Kinder kümmert. Mit über hundert hat sich die Anzahl der betreuten Familien verdoppelt. Fast die Hälfte, wie aus der aktuellen Bilanz hervorgeht, kamen aus eigenem Antrieb zu den Familienhebammmen, viele auf Empfehlung von Freunden, der Schwangerschaftsberatung oder anderer Einrichtungen. Fast zwei Drittel kamen während der Schwangerschaft.

Kennzeichnend für die soziale Lage ist, dass über die Hälfte einen Migrationshintergrund haben und arbeitslos sind. Frauen mit niedrigem oder keinem Schulabschluss sind überproportional vertreten. Gegenüber der letzten Erhebung sind zahlreiche Verbesserungen klar erkennbar. Deutlich mehr Frauen stillen ihre Babys, nehmen Unterstützung der Sozialverbände an. Auch Erfolge bei der Sprachentwicklung zeigen sich. Auf das Singen und Spazierengehen mit dem Kind, Spielen und Massage legt Jaque-Rodney großen Wert. Auch das gemeinsame Ansehen von Büchern und Schwimmen wird abgefragt.

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