Literatur

Ein satirischer Rückblick auf die 68er

Ursula Maria Wartmann bei der Buchpremiere von „Schwedische Verführung“ m März in Dortmund.

Ursula Maria Wartmann bei der Buchpremiere von „Schwedische Verführung“ m März in Dortmund.

Foto: Wartmann

Mülheim.   Ursula Maria Wartmann liest am 26. Juni in der Buchhandlung Fehst aus ihrem neuen Roman „Schwedische Verführung“

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Als 64-Jährige ist Ursula Maria Wartmann zwar noch einen tick zu jung, um ein aktiver Teil der 68er-Bewegung zu sein. Die Atmosphäre dieser Aufbruchszeit hat sie aber noch gut in Erinnerung. „Gegen das ganze Schweigen der Eltern über den Nationalsozialismus und den Holocaust half nur die sexuelle Befreiung“, sagt die aus Oberhausen stammende Autorin, die in der Buchhandlung von Michael Fehst am Löhberg 4 am Dienstag, 26. Juni, um 19.30 Uhr aus ihrem neuen Buch „Schwedische Verführung“ liest.

Im vergangenen Jahr hat sie dort bereits aus dem Manuskript eine Kostprobe serviert. „Die Leute haben sich gekringelt“, sagt Wartmann, die bereits mit dem Förderpreis des Literaturpreises Ruhr ausgezeichnet wurde. Es gibt auch Leser, die eher prüderen, bei denen das Buch weniger gut ankomme. Deftig wird es also schon. Sie spricht von einer durchgeknallten Satire, voller Klischees, bei der man nicht mit Logik anfangen dürfe. Sie wolle den ganzen bierernsten Publikationen über diese Zeit, die sicher alle ihre Berechtigung haben, etwas Humorvolles entgegen setzen.

Zwei zuckersüße Pseudonyme

Wartmann hat selbst im linken Marburg Politik und Soziologie studiert. „So schnell habe ich noch kein Buch geschrieben“, erzählt sie und sie habe dabei selbst extrem viel Spaß gehabt. Geschrieben hat sie es gemeinsam mit ihrer Freundin Regina Müller-Ehlbeck, die seit Jahren in Schweden lebt. Sie haben sich die Charaktere aufgeteilt, viel gemailt und geskypt. Und da lag Schweden, ohnehin der Inbegriff der Freiheit, als Spielort nahe. Veröffentlicht haben sie es im Selbstverlag (Neopubli) mit einem schrillen Cover unter den zuckersüßen und komischen Pseudonymen Hanna Holm und Linda Lövgren, die sie aber schon auf der zweite Seite auflösen.

Im Herzen ist sie eine Anarchistin

Im Mittelpunkt steht Marlene, inzwischen als konsumfreudige und weinselige Pharmavertreterin gesettelt – aber im Herzen ist sie noch eine Anarchistin. Sie erfährt zufällig, wo der „rote Dieter“ heute mit seiner Gerlinde lebt. Er war der einzige Typ, den sie damals nicht rumgekriegt hat, und so möchte sie es noch einmal versuchen, obwohl sie dessen Frau nicht ausstehen kann. Freundinnen werden sie nicht, aber wie geht es mit Dieter? Es ist eine rasante Komödie inklusive Elchjagd, Sauna am See, trinkfestem Pastor und einer Quad fahrenden Hebamme.

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