Ausstellung

Eine Reise ins phantastische Athosland

Michael Golz mit der Karte vom Athosland

Michael Golz mit der Karte vom Athosland

Foto: Chartherine Bargeaud-Papi

Mülheim.   Ein Schweizer Museum in Lausanne präsentiert das Werk von Michael Golz, der heute 60 Jahre alt wird

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Das Athosland ist eine Lebensaufgabe und dynamisch wie eine echte Stadt oder Region. Hier wird gebaut, dort saniert, Bewohner kommen und gehen. Es ist ein ganz eigenes Universum, das Michael Golz, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, in den vergangenen 30 Jahren geschaffen hat. Es ist angesiedelt zwischen Fantasiewelt und Realität und so tummeln sich dort auch ganz eigenwillige Gestalten, Monstern gleich, aber mit guten Eigenschaften, die Namen tragen wie Ifiche, Brucktiere oder Putzviehche.

Das Werk hat inzwischen monumentale Maße angenommen. 14 mal 17 Meter misst allein die Karte, die nur über hölzerne Stege zu begehen ist. Hinzu kommen Hunderte von Zeichnungen, die Ansichten der einzelnen Orte zeigen: idyllische Häuser im Dorf mit Kurbad, aber auch Hochhäuser, Shoppingmalls und Bars. Außerdem noch Ordner voller Bildergeschichte, die von einer lebhaften Fantasie des Autodidakten zeugen, dessen Werk in zahlreichen Vitrinen und einer raumgreifenden Installation bis zum 1. Oktober in der Collection de L’Art Brut in Lausanne am Genfer See präsentiert wird. Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog erschienen sowie ein 30-minütiger Film entstanden.

Sensibilität für authentische Kunst

„Es ist so etwas wie ein Ritterschlag“, sagt Matthais Hofmann von der Berliner Galerie Art Cru, der wohl einzigen Galerie für Outsiderkunst, die Golz seit 2012 vertritt und fördert. Das Museum ist das Stammhaus der „rohen Kunst“, die von Jean Dubuffet etabliert wurde. Er erkannte schon früh, dass geistig Behinderte und psychisch Kranke über eine besondere Sensibilität verfügen, die sie zu authentischer Kunst befähigt. Auch Michael Golz ist geistig behindert.

Namen haben oft reale Bezüge

Die Behinderung ist Folge einer Virus-Infektion durch eine Pockenschutz-Impfung. „Aus einem hellwachen, lebhaft an seiner Umwelt interessierten Kind war innerhalb von fünf Tagen bei anhaltend 41° Fieber ein anderes geworden“, schrieb seine Mutter, die inzwischen verstorbene Filmemacherin Renate Golz-Fleischmann („Miles from Nowhere“). „Sein Ich war ihm abhandengekommen.“ Mit Buntstiften wusste er zunächst nichts anzufangen, doch dann war es. „als sei eine Schleuse geöffnet worden.“ Die Namen haben oft reale Bezüge, so setzt er etwa mit dem Städtenamen Karraschhausen seinem langjährigen Betreuer André Karrasch ein Denkmal.

Schon zwei Mal wurde das Athosland vor Jahren in Mülheim präsentiert 2002 und 2010 im ehemaligen Stadtbad und der Zentralbibliothek, Auszüge zuletzt im Makroscope.

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