Schule

Geflüchtete Kinder zeigen Schätze aus der verlorenen Heimat

Bei der Ausstellungseröffnung im  Historischen Rathaus waren neben den drei Mädchen namens Lava auch (v.li.) Justin Kortheuer (16) aus der Foto-AG, Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, Fotograf Frank Plück und Journalistik-Student Niclas Scheidt dabei.

Foto: Michael Dahlke

Bei der Ausstellungseröffnung im Historischen Rathaus waren neben den drei Mädchen namens Lava auch (v.li.) Justin Kortheuer (16) aus der Foto-AG, Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, Fotograf Frank Plück und Journalistik-Student Niclas Scheidt dabei.

Mülheim.  Ein Fotoprojekt dokumentiert Gegenstände, die geflüchtete Kinder nach Mülheim mitgebracht haben. Ausstellung im Historischen Rathaus

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Menschen, die flüchten müssen, tun dies meist mit schwerem Herzen und leichtem Gepäck. Nur die nötigsten Dinge nehmen sie mit. Um Gegenstände, die Kinder aus ihrer Heimat gerettet haben, dreht sich eine Ausstellung, die jetzt im Historischen Rathaus eröffnet wurde. Ihr Titel: „Auf den Punkt 1 reduziert“. Entstanden ist sie im Rahmen einer Foto-AG der Realschule Mellinghofer Straße.

Erstförderung in der „Schule 2.0“

Als Dependance dieser Realschule besteht seit zwei Jahren die „Schule 2.0.“, in der geflüchtete Kinder Erstförderung erhalten, Deutsch lernen, Englisch und Mathematik. Einige von ihnen haben zu dem Fotoprojekt persönliche Geschichten beigesteuert und ihre Mitbringsel präsentiert. Bei Aseel etwa, deren Familie aus Syrien flüchtete und in Mülheim landete, ist es ein Kettenanhänger, ein aufklappbares rosa Herz. Wissem, der aus Tunesien stammt, präsentiert Murmeln und erklärt: „Ich möchte einfach spielen, Spaß haben...“

Der 13-jährige Bassam hat einen Rucksack dabei, in den er vor dem Aufbruch eilig ein paar Kleidungsstücke und Hygieneartikel stopfte. Khairi hat aus dem Irak eine Banknote mitgenommen: 5000 Dinare, das ist kein Vermögen, das sind umgerechnet vielleicht fünf Euro.

Banknote aus dem Irak mitgenommen

Maßgeblich angeleitet wurde das Projekt von Frank Plück, freier Fotograf, der bereits seit drei Jahren die Foto-AG an der Realschule Mellinghofer Straße betreut. Er sagt: „Es war ein großer Vertrauensbeweis, dass die Kinder diese Sachen mitgebracht haben.“

Mitgewirkt hat auch Niclas Scheidt, der Journalismus studiert und an der „Schule 2.0“ als unterstützender Mitarbeiter angestellt ist. Er führte Interviews mit den Kindern und Jugendlichen, um die Fotos mit Geschichten anzureichern, in denen es nicht nur um die dramatische Vergangenheit der jungen Flüchtlinge geht, sondern auch um ihre Zukunft. Viele haben dem Studenten ihre Berufswünsche verraten. Mit allen konnte er sich auf Deutsch verständigen.

Schwarz-weiß-Porträts der Kinder

Wie Plück und Scheidt berichten, haben Mitglieder der Foto-AG über Monate hinweg die „Schule 2.0.“ besucht, das Projekt habe man gemeinsam geplant und dokumentiert. Die nun ausgestellten Bilder stammen aber allesamt von Frank Plück: Mit einer Leica hat er Schwarz-weiß-Porträts jedes einzelnen Mädchen und Jungen angefertigt, auf denen die Gegenstände allerdings nicht zu sehen sind. „Es sollte um die Kinder gehen“, erläutert Plück. „Und bei Rashid, was hätte ich da fotografieren sollen? Ein Fragezeichen?“ Als Aleppo beschossen und seine Familie evakuiert wurde, fehlte Rashid die Zeit, noch etwas Besonderes zu bergen. Zu jedem Porträt gibt es eine Texttafel, auf der die Gegenstände dann abgebildet sind. Bei Rashid ist es ein weißes Blatt.

Dann gibt es noch drei Mädchen, die alle Lava heißen: zwei Cousinen, eine Schulfreundin, zwölf, dreizehn und vierzehn Jahre alt. Ihre Gegenstände sind: ein rosafarbener Plüschhase aus Syrien, ein von Mama gestrickter Schal in Form der kurdischen Flagge, ein von Oma geschenktes Halstuch in den Farben der kurdischen Flagge. Ob sie es gelegentlich hier in Mülheim trägt? „Ja“, antwortet Lava (14), „auch in der Schule.“

Wechsel in die Regelschule

Die „Schule 2.0.“, die sie und die anderen bislang besucht haben, läuft zu den Sommerferien aus, alle Kinder werden auf Regelschulen verteilt. Die drei Lavas werden ab September Gesamtschulen in Mülheim besuchen. Die jüngste gibt zu: „Ein bisschen Angst habe ich auch...“ Der Plüsch-Hase sitzt immer in ihrem Zimmer. Bislang ist es für Lava gut gegangen: „Ich bin hier sehr glücklich“, hat sie dem Interviewer gesagt.

>>Für die „Schule 2.0“ wird das Gebäude der ehemaligen Max-Kölges-Schule an der Bruchstraße genutzt. Seit Sommer 2016 wurden dort junge Flüchtlinge auf den Besuch des Regelunterrichtes vorbereitet. Jetzt läuft die „Schule 2.0.“ aus.

Die Ausstellung „Auf den Punkt 1 reduziert“ ist bis zum 29. September im Historischen Rathaus zu sehen. Die Fotos und Texttafeln hängen auf der ersten Etage, Nähe Ratssaal.

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