Lokale Wirtschaft

Geigen-Restauratoren setzen auf Farbe aus Naturpigmenten

Jens Müller (l.) und Teodor Tansek von Mcdrent liefern spezielle Farben, etwa für Stradivari-Geigen.

Jens Müller (l.) und Teodor Tansek von Mcdrent liefern spezielle Farben, etwa für Stradivari-Geigen.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Die Mcdrent Farbmanufaktur hat einen besonderen Kunden: eine Firma, die Stradivaris restauriert. Dafür wurde eigens „Schilbach Braun“ komponiert.

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Mitten in der Altstadt hat ein junges Unternehmen seinen Sitz: die Mcdrent Farbmanufaktur. Zu ihren Kunden gehört seit kurzem das internationale Restaurationshaus Schilbach. Die Spezialität der Schweizer: die Restauration alter Geigen, beispielsweise von Stradivaris. Und dabei spielt im wahrsten Sinne des Wortes der Farbton eine wichtige Rolle. Die Farbe muss so beschaffen sein, dass durch sie nicht das Klangvolumen der Geige leidet.

Solche Farben zu finden, ist aber offenbar nicht so einfach. Die Restauratoren haben lange gesucht, bis sie einen geeigneten Anbieter gefunden haben. An der Farbmanufaktur überzeugte sie, dass dort alle Farben aus Naturpigmenten hergestellt werden. Jeder Farbton, der hier verkauft wird, hat also eine natürliche Grundlage. Er wird aber vor allem auch jeweils neu angerührt. Jedesmal wird eine eigene Rezeptur kreiert. So ist es auch mit der Farbe für die Geigen-Restauratoren: „Schilbach Braun“ heißt sie und wird fortan exklusiv nur für die alten Geigen verwandt, die in der Schweiz restauriert werden.

Viel Post ging her zwischen Mülheim und der Schweiz

„Wir waren ganz überrascht, als wir angesprochen wurden und fühlten uns natürlich geehrt“, sagt Jens Müller, der Geschäftsführer der Farbmanufaktur. Bis der geeignete Ton gefunden wurde, ging einige Male Post zwischen Mülheim und der Schweiz hin und her. „Wir haben immer wieder miteinander telefoniert und der Restaurator hat mir erklärt, welchen Farbton er sich ungefähr vorstellt. Über Farbe kann man aber eben nur ungefähr sprechen. Entscheidend ist, was man sieht.“ Also wurden immer wieder neue Proben angemischt und zur Begutachtung an den Restaurator geschickt, schließlich war der richtige Ton gefunden.

Die Naturpigmente, die Müller in seinem Geschäft in großen Gläsern aufbewahrt, stammen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Der Ocker-Farbton stammt aus dem französischen Roussillon, das am Fuße des Luberon-Massivs liegt. Schon die Römer nannten den Ort das rote Dorf, weil sie dort das Ocker abbauten. Für den Lapislazuli-Farbton werden Naturpigmente aus Afghanistan eingeflogen. Gemischt werden die Pigmente in einer alten Pigment-Mühle. Dort neue Farben zu kreieren, das ist die Spezialität von Teodor Tansek. Er hat schon viele eigene Rezepturen hergestellt.

Er geht auch gern zu Kunden auf die Baustelle

Im Schnitt dauert es zwei Tage bis ein neuer Farbton geschaffen worden ist. Meistens durch Ausprobieren. Er geht auch gerne zu Kunden auf die Baustelle und mischt direkt vor Ort eine kleine Probe an, damit sie feststellen können, welche Farbe am besten zu ihrem Haus passt.

Geschäftsführer Jens Müller hat viele Jahre in der chemischen Industrie gearbeitet, zuletzt bei der Brenntag. Der Mineraloge, der gebürtig vom Bodensee stammt, ist so auch nach Mülheim geraten. „Ich war in einem Alter, in dem ich noch einmal etwas Neues ausprobieren wollte. Und dazu war der richtige Zeitpunkt.“

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