Rock ‘n’ Roll

Gitarrist Andy Brings arbeitet an etwas anderer Film-Doku

Das kreative Trio von „Full Circle“: Alexander Waldhelm, Popo Chanel und Rockmusiker Andy Brings an der Theke im „Schrägen Eck“. Kameramann Jan Weiner komplettiert das Team.

Das kreative Trio von „Full Circle“: Alexander Waldhelm, Popo Chanel und Rockmusiker Andy Brings an der Theke im „Schrägen Eck“. Kameramann Jan Weiner komplettiert das Team.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Nach dem Senkrechtstart kam für Rockmusiker Andy Brings der tiefe Sturz. Der Film „Full Circle“ beleuchtet das Auf und Ab in seinem Leben.

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Das Talent zeigte sich schon früh. Es gibt eine Super-8-Aufnahme aus den frühen 70er Jahren, da steht der zweieinhalbjährige Andy Brings vor dem Tannenbaum, hält eine Spielzeuggitarre in Händen und streckt das nackte Hinterteil in die Kamera, während die Strümpfe bis über die Knie hochgezogen sind. Ob diese Sequenz Eingang in den Film „Full Circle“ findet, den der Rockmusiker gemeinsam mit Alexander Waldhelm realisiert, ist noch nicht klar. Es wird schon einige rare Konzertausschnitte geben, etwa von einem Auftritt 1989 am Kassenberg und den Touren, die der 46-Jährige mit Stars wie Whitesnake, Motörhead und Alice Cooper um die Welt führte.

Ein Trailer ist schon im Netz

Aber bevor Missverständnisse entstehen, macht Andy Brings klar, dass es sich bei dem Filmprojekt weder um eine Anekdotensammlung aus seinem Leben noch um die Verfilmung seines Lebens handelt. So ein bisschen geht es um seine Karriere natürlich schon, aber sie wird unter einer bestimmten Perspektive betrachtet, als exemplarisch dargestellt und mit anderen Lebenswegen verschränkt. Das mag komplizierter klingen als es ist. „Wir werden eine starke Bildsprache haben“, verspricht der Rockmusiker. Für den Look des Films ist die Make-Up-Artistin Popo Chanel zuständig und hinter der Kamera steht Ja Weiner, der für Brings schon mehrere Musik-Videos realisiert und bereits einen Trailer für Full Circle gedreht hat. Der Film wird auch von originellen Drehorten leben, an denen er Prominente wie Doro Pesch oder die Schauspielerin Liz Baffoe („Lindenstraße“)trifft. Mit beiden verbindet ihn eine lange Freundschaft.

Waldhelm und Brings kennen sich schon seit Jahren, waren im Dichterviertel Nachbarn. In „Pottkinder“ spielt der Rockmusiker neben all den Comedians den ständig wechselnden Pförtner – und das extrem cool und rotzig. Was ihn an dem Filmprojekt so beeindruckt, ist, dass Waldhelm es einfach trotz aller Widrigkeiten gemacht, den inneren Schweinehund überwunden und seinen Traum gelebt hat. Andere haben vielleicht gelacht und gedacht: ‘Spinn jetzt nicht rum’. Und genau darum geht in dem Film. Welche Kräfte sind da im Spiel, dass man seinen Weg unbeirrt weiter verfolgt? Auch die Zuschauer sollen sich fragen: Kann ich noch abbiegen zu einem wahrhaftigeren Leben? „Ist da noch Benzin im Tank oder ist es schon Kerosin?“, fragt er mit einem Grinsen. Wenn er dazu Andrea Lukner befragen wird, ist die Mischung im Tank klar. Die beiden werden am Flughafen in einer Sportmaschine abheben. Für ihn ist sie die beste Tätowierungskünstlerin, hat ihr Studio am Löhberg und unter anderem sein großes Skid-Row-Tattoo gestochen.

Bald auf Tour mit der Lieblingsband

Die Band ist Dreh- und Angelpunkt des Films. Als er Skid Row als 18-Jähriger in der Grugahalle sah, hat das sein Leben verändert. Es gab auch andere Idole, aber hier hat er Nähe gespürt, hat ihn der Sound gepackt, war das wie ein religiöser Moment. Im Frühjahr wird seine Band Double Crush Syndrome mit seinen einstigen Idolen auf Tour gehen. Da schließt sich für ihn ein Kreis.

Geradlinig verlief seine Karriere nicht, kam aber noch zur Schulzeit von Null auf Hundert. Er wurde Gitarrist bei Sodom und am hatte am Tag des Abi-Balls im Handelshof das Foto-Shooting für das Cover des „Metal Hammer“, Europas schwergewichtigstes Musikmagazin. Drei Jahre später kam nach der Japan-Tour der tiefe Fall, der grundlose und traumatische Rauswurf. „Aufhören war nie eine Option“, sagt Brings. Aber er ließ nicht locker. „Der Motor läuft seitdem auf Hochtouren“. Auch Sodom -Frontmann Tom Angelripper befragt Brings nach all den Jahren. Den passionierten Jäger wird er auf einem Hochsitz interviewen. Die Zeit bis zur Premiere am 12. September ist knapp. Außerdem erscheint ein neues Album von Double Crush Syndrome. Ist das nicht zu ehrgeizig? „Je stärker die Zweifel, umso konsequenter verfolge ich die Idee.“ So ist er.

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