Helfen ist ihr Handwerk

Detlev Berghof ist ein gestandener Heinzelmann, Uwe Springer macht gerade seine ersten Schritte in diesem Metier, er ist sozusagen noch ein Heinzelmännchen, in der Ausbildung eben. Anders als ihre Kölner Ahnen, die sich der Legende nach als dienstbare Geister im gesamten Haushalt betätigt haben, sind die Mülheimer „Heinzelwerker“ auf einen Bereich konzentriert: Sie sind Handwerker und kommen ins Haus, wenn die Tür quietscht, der Wasserhahn verstopft ist oder ein Küchenschrank angebracht werden muss. Was allerdings wie im Märchen ist: Sie tun es für den guten Zweck, ehrenamtlich und damit kostenlos.

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Detlev Berghof ist ein gestandener Heinzelmann, Uwe Springer macht gerade seine ersten Schritte in diesem Metier, er ist sozusagen noch ein Heinzelmännchen, in der Ausbildung eben. Anders als ihre Kölner Ahnen, die sich der Legende nach als dienstbare Geister im gesamten Haushalt betätigt haben, sind die Mülheimer „Heinzelwerker“ auf einen Bereich konzentriert: Sie sind Handwerker und kommen ins Haus, wenn die Tür quietscht, der Wasserhahn verstopft ist oder ein Küchenschrank angebracht werden muss. Was allerdings wie im Märchen ist: Sie tun es für den guten Zweck, ehrenamtlich und damit kostenlos.

Heute haben die Zwei es mit einem typischen Fall zu tun: Edeltraud Hinze lebt zusammen mit ihrem Mann. Sie ist sehbehindert, er sitzt im Rollstuhl. Früher hat er alles selbst gemacht. Doch das geht nun nicht mehr. Kleinere Arbeiten fallen aber trotzdem an. Ein Türscharnier braucht Öl, an der Fahrrampe für den Rollstuhl ist eine Schraube locker und zwei Rauchmelder müssen angebracht werden - diese Aufgaben stehen heute bei Berghof und Springer auf dem Zettel. „Ich bin sehr froh, dass es dieses Angebot gibt“, sagt Edeltraud Hinze. „Ich sammele auch immer. Dann können die Helfer bei einem Besuch gleich mehrere Aufträge zusammen erledigen.“

Die „Heinzelwerker“ wollen keine Konkurrenz für professionelle Handwerker sein. „Wir leisten Nachbarschaftshilfe“, sagt Detlev Berghof. Es geht also um die kleineren Handgriffe, für die kein Betrieb extra rauskommt. „Wir haben vor allem mit älteren Damen zu tun. Oft Witwen, wo früher der Mann alles selbst gemacht hat.“ Seit 2009 gibt es die Initiative, die unter dem Dach des Diakonischen Werkes angesiedelt ist und mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) kooperiert. Seitdem wurden rund 2500 Aufträge erledigt. Ein Angebot, das offensichtlich in die Zeit passt. Im letzten Jahr allein gab es rund 450 Aufträge - „deutlich mehr als 2015“, wie Berghof betont. Immer mehr Menschen leben alleine oder die Angehörigen wohnen weiter entfernt. Sie profitieren von dieser Hilfsbereitschaft.

Ein gutes Gefühl

Erfreulicherweise wächst auch die Zahl derjenigen, die bereit sind, ehrenamtlich mitzumachen. 21 „Heinzelwerker“ gibt es aktuell, darunter ist auch eine Dame. Die meisten sind bereits im Ruhestand. Detlev Berghof etwa arbeitete bis 2010 bei der Sparkasse als IT-Spezialist. Endgültig in den Ruhestand wollte er sich aber noch nicht verabschieden. Da kamen die „Heinzelwerker“ ganz recht. Handwerklich begabt war er sowieso. Doch das allein ist es nicht, was den 72-Jährigen an seinem Ehrenamt reizt. „Die Menschen freuen sich, wenn sie von uns besucht werden.“, sagt er. Da gibt es dann etwa die alte Dame, die nur darum bittet, ihr Sofa zu verschieben, weil sie dahinter saugen will. Eigentlich ja nur eine Arbeit von fünf Minuten. Aber die Dame genießt vor allem, mit dem „Heinzelwerker“ ein wenig zu plaudern. „Für solche Situationen muss man ein Gespür haben“, sagt Berghof. „Man merkt den Menschen ihre Dankbarkeit an. Das ist ein gutes Gefühl.“

Allerdings gebe es auch unangenehme Besuche. Etwa wenn die Wohnung vermüllt ist. „Ich musste mal in einen total dreckigen Abfluss fassen“, erinnert sich Berghof. Oder unverschämte Forderungen werden gestellt . „Wir führen zum Beispiel keine Sanierungsarbeiten durch.“ Und ein Umzugsunternehmen sei man auch nicht. Aber die ganz große Mehrheit der Klienten ist freundlich. „Manchmal gibt es auch kleine Spenden. Davon kaufen wir dann neues Werkzeug.“

Zuwachs für das Team

Uwe Springer hört aufmerksam zu, wenn Berghof von seinen bisher sieben Jahren als „Heinzelwerker“ erzählt. Denn Springer steht ja noch ganz am Anfang. Der 45-Jährige, der als Kommunikationsdesigner arbeitet, wäre, wenn er denn endgültig mitmacht, einer der wenigen „Heinzelwerker“, die noch voll im Berufsleben stehen. Vor zu starker Belastung hat Springer aber keine Angst. „Das ist alles eine Frage der richtigen Planung.“ Gewerkelt hat er schon immer gerne. Besonders reizt Springer aber das Zwischenmenschliche, die Kommunikation, das Gespräch. „Im Grunde ist die Idee der Nachbarschaftshilfe so einfach. Es muss aber Menschen geben, die bereit sind, es auch zu machen.“ Und damit steht sein Entschluss nun endgültig fest: Er macht künftig weiter mit. „Ich kann mir vorstellen, dass andere in meinem Alter dieses Engagement auch interessant finden.“

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