Mülheimer Autorin

Humor als Erziehungsratgeber

Anke Müller freut sich, wenn sie mit ihren Lesern in Kontakt treten kann. Hier bei  einer Lesung im Mocca Nova.

Anke Müller freut sich, wenn sie mit ihren Lesern in Kontakt treten kann. Hier bei einer Lesung im Mocca Nova.

Foto: Dahlke

Wenn der Sohn in die Pubertät kommt, ist das für Eltern nicht immer zum Lachen. Anke Müller hat es trotzdem versucht und ein Buch darüber geschrieben.

Mülheim. Die Welt ist voller Geschichten und viele von ihnen sind lustig. Sie müssen nur gehört und weitererzählt werden. Anke Müller hört mit, wenn ihre Familie zusammenkommt - beim gemeinsamen Essen, wenn sie ihre Kinder irgendwo hinbringt oder mit dem Auto abholt, kurz: bei Gelegenheiten, die alle Familien aus ihrem Alltag kennen. Die Lust am Fabulieren hatte Müller schon als Kind. „Für mich war klar: Irgendwann werde ich Schriftstellerin“, sagt die heute 44-Jährige.

Ihre flotte und unterhaltsame Schreibe schulte sie als Mitarbeiterin in einer großen Werbeagentur. Dass sie sich auf eingängige Slogans versteht, die neugierig machen, zeigt auch der Titel ihres ersten Buches, das nun erschienen ist: „Mama, bleib mal im Slip.“ Der Ausspruch stammt von Müllers Sohn und heißt so viel wie „Bleib mal auf dem Teppich“.

Kinder sind Hauptpersonen

Der 13-Jährige – mitten in der Pubertät und daher von seiner Mutter liebervoll der Pubertikel genannt – und seine kleine Schwester, die noch in den Kindergarten geht und wegen ihres flatterhaften Wesens den Spitznamen „Geflügel“ verpasst bekommen hat, sind die Hauptpersonen im Buch. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht. „Die Ausgangspunkte sind schon konkrete Erlebnisse. Aber ich bin ja kein Chronist. Ich darf also zuspitzen und ausschmücken.“ Das ist Anke Müller wichtig, weil ihre Familie — der Vater und die Großeltern kommen auch vor — nicht ihre Privatsphäre verlieren sollen. Wer also das Buch gelesen hat, soll nicht glauben, er wisse nun genau, wie es bei Müller zu Hause zugeht.

Die Erkenntnis, dass unterhaltsame Geschichten quasi auf dem heimischen Esstisch liegen und nur darauf warten, erzählt zu werden, bescherte Müller ihr Alltag. Nachdem ihr Filius die Pubertät erreicht hatte, häuften sich die Situationen, bei denen sie dachte: „Das musst du aufschreiben.“ Irgendwann machte sie Ernst und die ersten Geschichten entstanden. Ein Freund aus Agentur-Tagen rät ihr schließlich zu einem eigenen Blog: So entsteht „Good word for a bad world“.

Der Literatur-Agent war schnell überzeugt

Jeden Mittwoch erscheint dort eine neue Kolumne aus dem Familienleben. Einen zugehörigen Facebook-Auftritt gibt es auch, er gefällt über 1000 Menschen. „Ich war ganz überrascht über die vielen Reaktionen, die ich bekommen habe“, erzählt Müller. Darunter sind viele Mütter, aber auch Väter, die wohl Ähnliches mit ihrem Nachwuchs erleben. „Mir haben aber auch viele Menschen geschrieben, die keine Kinder haben. Und interessanterweise auch viele junge Leute, die so um die 20 sind und sich offenbar noch ganz gut daran erinnern können als sie in dem Alter von Pubertikel waren.“

Ein Publikum war also da. Von einem eigenen Buch hatte Müller schon immer geträumt. Also nahm sie Kontakt zu einem Literatur-Agenten auf und schickte ihm Texte. Der war begeistert. „Ich war total überrascht. Er sagte, er hätte an vielen Stellen Tränen gelacht. Und am nächsten Tag war der Vertrag unterschrieben.“

Perfekte Feiertagslektüre

Nun ist das Buch im Handel und Müller schreibt schon an einer Fortsetzung. Auch erste Lesungen hat sie hinter sich, letzte Woche im Mocca Nova. Den Zuhörern gefiel es. Weitere Lesungen sollen demnächst folgen. Die Mülheimer Buchhändler hat sie schon abgeklappert und sich vorgestellt. Anke Müller schätzt es, nah dran zu sein an ihren Lesern. „Viele Kommentatoren meiner Blog-Kolumnen haben dort selbst Geschichten aus ihrem Alltag geschrieben. Das fand ich sehr anregend.“ Sie würde sich freuen, wenn sich diese Nähe auch bei Lesungen ergibt.

Von den Geschichten selbst soll hier nicht zu viel verraten sein. Als Lektüre für die Weihnachtstage eignen sie sich vortrefflich. Als kleines Gegengift gegen all den Stress, der zwischen Bescherung, Gänseessen und Kaffeetrinken aufkommen kann. Hinter den Texten, die leicht daherkommen, steckt freilich harte Arbeit. Die Geschmäcker sind verschieden, für Humor gilt das erst recht. „Ich habe mich selbst als Maßstab genommen und schreibe so, dass ich es selbst lustig finde. Es gibt natürlich auch Leute, die darüber gar nicht lachen können. So ist das eben.“

Und wie ist das mit der Kreativität, gehen ihr die Sätze so leicht von der Hand wie sie klingen? „Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten gebracht habe, sitze ich zu Hause am Schreibtisch. Dazu gehört Disziplin. Deswegen bin ich dazu übergangen, mich dann so anzuziehen, als ob ich ins Büro gehen würde. Im Blazer arbeite ich konzentrierter.“ Das wäre doch vielleicht Stoff für eine Geschichte im Fortsetzungsband.

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