Umweltschutz

Immer mehr wilder Müll macht Politik und Verwaltung ratlos

Alltag an vielen Stellen in Mülheim.

Foto: Müller/Wach

Alltag an vielen Stellen in Mülheim. Foto: Müller/Wach

Mülheim.   Die MEG muss im Jahr inzwischen über 800 Tonnen wilden Müll entsorgen. Für Gebührenzahler fallen zusätzliche Kosten von jährlich 100 000 Euro an.

In einem Punkt sind sich die politischen Fraktionen einig: „So kann es nicht weitergehen“, sagen sie angesichts von immer mehr Stellen im Stadtgebiet, wo Müll jeglicher Art still und heimlich abgelagert wird. Die Klagen von Anwohnern nehmen zu, die Rufe nach schneller Entsorgung auch. Dabei fahren die Mülheimer Entsorgungsbetriebe (MEG) inzwischen schon 830 Tonnen Müll im Jahr von Container-Standorten, von Wiesen, Waldrändern und sonstigen Orten ab, wo er nicht liegen sollte.

„Es wird immer mehr“, sagt Günther Helmich, Geschäftsführer der MEG, und listet die Entwicklung der letzten Jahre auf: Waren es 2015 noch 470 Tonnen, kamen im Jahr drauf 550 Tonnen zusammen, im vergangenen Jahr 830 Tonnen, und in diesem Jahr bis Ende Mai waren es schon wieder 370 Tonnen. Hinzu kommen all die Dinge, die bei den klassischen Sperrmülltouren gesehen und noch mitgenommen werden. Unterm Strich kämen zehn Prozent Müll drauf.

Eine erschreckende Gleichgültigkeit

„Es ist alles dabei“, berichtet Helmich. Fernseher, Kühlschränke, Reifen, Sperrmüll aller Art, Bauschutt, Asbest, Metalle, Kabel, Farben. Es seien nicht die Verpackungen aus den Einkäufen im Internet, die die großen Sorgen bereiteten. Bezirkspolitiker berichten gar von klassischem Hausmüll, der schon mal an U-Bahn-Abgängen hingestellt werde nach dem Motto: Einer wird’s schon entsorgen. Eine erschreckende Gleichgültigkeit, beklagt Ulrike Krieger (SPD).

„Das ist kein Mülheimer Phänomen“, sagt Helmich. Deutschlandweit sei dies zu beobachten. Gründe? Es mögen zum Teil Menschen aus anderen Ländern sein, die das deutsche Entsorgungssystem nicht kennen und verstehen. Aber das sei nicht die Masse, ist Helmich überzeugt und macht eher einen allgemeinen „Verlust an Disziplin“ in der Gesellschaft aus. Bei dem wilden Müll gehe es auch nicht um den Abfall, der anfalle, weil sich das Leben immer mehr auch in unseren Regionen auf die Straße verlagere. Der kommt noch obendrauf.

Aufklärung demnächst in acht Sprachen

Die Politik gibt sich ratlos. Die CDU fragt in allen Bezirksvertretungen nach Ausmaß und Kosten. Die sind beachtlich: 100 000 Euro im Jahr erhalte die MEG inzwischen zusätzlich von der Stadt für die Extratouren, berichtet Umweltamtsleiter Dr. Jürgen Zentgraf. Der Müll wird sortiert und nach Krefeld in die Verbrennung gefahren. Es zahlt der Gebührenzahler.

Kann mehr Aufklärung helfen? Flyer zum Müll wurden in Eppinghofen bereits in drei Sprachen verteilt: Deutsch, Englisch, Türkisch. „Wir werden auf acht Sprachen erweitern“, kündigt Alexandra Grüter vom Stadtteilmanagement Eppinghofen an, weiß aber auch: „Es wird immer schwierig sein, die zu erreichen, die sich nicht daran halten wollen.“ In Eppinghofen sprechen Politiker an manchen Stellen von einer „Zumutung“ für Anwohner. Peter Pickert (SPD) gehört zu denen, die den Druck deshalb auch gerne erhöhen würden und spannt den Bogen weit bis nach Singapur, wo schon ein weggespucktes Kaugummi sehr teuer werden kann. Die Politik ist ratlos. Einer fragt, ob es vielleicht Sinn machen könnte, wenn die MEG die kritischen Stellen regelmäßig anfahre und für Ordnung sorge. „Doch wäre das gerecht gegenüber denen, die sauber entsorgen und Gebühren zahlen“, fragt Zentgraf.

Mehr Kontrollen und Sanktionen?

Könnten mehr Kontrollen helfen, Sanktionen? Helmich sieht darin vielleicht den einzigen Weg, um von den Mengen herunter zu kommen. Die MEG hat sich auch selbst hinterfragt: Reichen die Öffnungszeiten am Recyclinghof? „Die Rückmeldungen sagten aus: Alles ok so, wie es ist.“

Britta Stalleicken (Grüne) macht sich für noch mehr Aufklärung und Praxisnähe in Schulen stark. Andere Politiker glauben nicht, dass Kinder die Probleme verursachen. Ratlose Politik? „Wir haben jetzt erst einmal einen Aufschlag gemacht, haben Zahlen vorliegen“, sagt Hansgeorg Schiemer (CDU). Im nächsten Schritt müssten angemessene Reaktionen erfolgen.

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