Regionalwettbewerb

Jugend musiziert in Mülheim: Nachwuchs mit toller Leistung

David Pee und Caspar Schneider zeigten beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in Mülheim zeigten ihr Können am Cello.

David Pee und Caspar Schneider zeigten beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in Mülheim zeigten ihr Können am Cello.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert 2020“ bot der Mülheimer Nachwuchs ausgezeichnete Leistung. Das Konzert ließ Eltern und Lehrer jubeln.

Über die olympischen Idee des „Schneller, höher, weiter“ bei Musikwettbewerben muss man wohl nicht mehr groß philosophieren. Sind doch zwei der drei Aspekte kein wirklich taugliches musikalisches Kriterium für die Bewertung interpretatorischer Leistungen. Bleibt folglich nur das „weiter“, das auch beim Deutschland-weiten Wettbewerb „Jugend musiziert“ eine entscheidende Rolle spielt. Wird der doch in jedem Bundesland zunächst auf Regionalebene ausgetragen, wo sich begabte Kinder und Jugendliche dem Urteil einer fachkundigen Jury stellen. Mit beachtlichem Erfolg für die heimischen Musikschüler, wie sich am Sonntagmittag traditionsgemäß wieder im Foyer der Sparkasse zeigte.

Dass sich dort fast ausschließlich Eltern und Verwandtschaft der jungen Preisträger versammelt hatten, muss man angesichts der im Wortsinne ausgezeichneten Leistungen schwer bedauerlich finden. Dabei war diese kurzweilige Matinee zwar kostenlos, in Sachen Musikgenuss jedoch gewiss nicht umsonst.

Jugend musiziert in Mülheim mit 48 Nachwuchskünstlern

Passenderweise gab es diesmal vom gastgebenden Sparkassen-Vorstand Martin Weck neben lobenden Worten auch Finanztipps für die 48 Nachwuchskünstler. Weil eine gewisse Frau Lagarde keine Zinsen bewillige, solle man den von seinem Institut vergebenen Gutschein doch bitteschön möglichst rasch einlösen und das kleine Preisgeld für was Nettes auf den Kopf hauen – er nannte es „investieren“. Und dann bedankte er sich bei den zahlreichen Eltern für deren Investition in die musikalische Bildung ihrer Kinder.

Dass sich die beim 57. Regionalwettbewerb besonders rentiert hatte, erfuhr man später von der zurecht stolzen Musikschulleiterin Bärbel Frensch-Endreß. Denn ihre Schützlinge gewannen diesmal 46 Erstplatzierungen, nur zwei Teilnehmer mussten sich mit einem immer noch respektablem zweiten Platz zufriedengeben. „Das ist ganz klar der hohen Qualität unserer Lehrer geschuldet.“ Und die zeigte sich denn auch in den Beiträgen der höchstbepunkteten Preisträger, die sich – mit Ausnahme der Jüngsten, die dort noch nicht spielberechtigt sind – für den demnächst in Essen stattfindenden Landeswettbewerb qualifizieren konnten.

Pianistische Glanztaten mit selten zu hörenden Stücken

Ausschreibungsbedingt gab es in diesem Jahr vor allem ein abwechslungsreiches Potpourri pianistischer Glanztaten zu hören. Mit auf großen Bühnen nur selten zu findenden Kleinoden wie der „Sonatine C-Dur op. 36 Nr. 1“ von Muzio Clementi, die von der gerade mal acht Jahre alten Sophie Yang verblüffend leichthändig vorgetragen wurde.

Oder William Gillocks „Fountain in the Rain“, wo Lara Zwitkis beispielhaft zeigte, dass man mit zunehmendem Alter immer besser und ausdrucksstärker wird. Was seinen Höhepunkt mit dem 16-jährigen Philippe Gang fand, der spektakulär sicher die „Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23“ von Frédéric Chopin zu reifer Luzidität führte. Was die Jury bereits mit der Höchstnote von 25 Punkten angemessen gewürdigt hatte.

Zum Schluss Antonin Dvorak: Einfach nur schön

Zwischen all der Klavierpracht sorgten einige feine Ensemble-Stücke für farbige Intermezzi. Wobei Caspar Schneider und David Pee mit einem „Duo für zwei Violoncelli“ ihres Lehrers Jacques Neureuter eine wunderbare Neutönerei kredenzten, deren Modernität erfrischend die eindrucksvolle Matinee belebte. Ebenso wie die auf erste Preise abonnierte Harfenistin Julia Dietrich, die diesmal Félix Godefroids „Étude de concert es-moll op. 193“ zu flirrender Pracht aufblühen ließ.

Aufhorchen konnte man schließlich auch bei der Preisvergabe an alle Mülheimer „Jugend musiziert“-Teilnehmer. Denn Bürgermeisterin Margarete Wietelmann gratulierte ihnen doch tatsächlich „im Namen der Stadt Essen“. Dann gab’s Urkunden für alle sowie von Sparkassen-Chef Martin Weck einen kleinen Geldpreis. Und zum Ausklang des „57. Preisträgerkonzert“ das beliebte „Streichquartett F-Dur op. 49“ von Antonin Dvorak, das bereits viele Motive seiner 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ vorwegnahm. Einfach nur schön.

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