Parteipolitik

Junger Grüner will in Mülheim Sprecher werden

Ein Teil des grünen Kreisvorstandes. Amtierender Sprecher ist Peter Loef (2.v.l.). Neben Fabian Jaskolla strebt auch Sabine von Winterfeld (l.) das Sprecheramt an.

Ein Teil des grünen Kreisvorstandes. Amtierender Sprecher ist Peter Loef (2.v.l.). Neben Fabian Jaskolla strebt auch Sabine von Winterfeld (l.) das Sprecheramt an.

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Fabian Jaskolla ist 20, Lehramtsstudent, erst seit drei Jahren bei den Grünen und will den knapp 120 Mitglieder zählenden Kreisverband führen

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Die Mitgliederversammlung der Grünen am 14. März verspricht eine der spannendsten seit langem zu werden. Der Vorsitzende wird neu gewählt und für das Spitzenduo, das aus einem Mann und einer Frau besteht, gibt es voraussichtlich zwei Kandidaten. Fabian Jaskolla, der 20-jährige Sprecher der Jungen Grünen tritt gegen Amtsinhaber Peter Loef an, der erneut kandidieren möchte.

Jaskolla drängt es nicht von sich aus an die Parteispitze. Er ist von unterschiedlichen Parteifreunden gefragt worden, ob er sich das vorstellen könnte. Und der 20-jährige Lehramtsstudent hat nicht nur Lust auf das Amt, sondern auch Ideen. „Vom Vorstand sind zu wenig Impulse gekommen“, kritisiert er und gehört dem Vorstand selbst seit zwei Jahren an. Parteiintern sei schon ausreichend viel geackert worden, in der Außendarstellung aber zu wenig.

Raus aus der grünen Blase

Brücken schaffen will Jaskolla nach allen Seiten, aktiv das Gespräch mit der Bürgerschaft suchen auch dahin gehen, wo es weh tut, wie er sagt, oder zumindest nicht so angenehm ist wie in der eigenen Blase, in der sich die Grünen ansonsten gern bewegen, und somit um sich selbst drehen. So könnte man sich beispielsweise aktiv mit dem Stadtteil Eppinghofen beschäftigen, der nicht gerade eine Hochburg der Grünen bei der Wahl sei. Vorbilder sieht er für eine solche Strategie in Köln oder in Duisburg. Felix Banaszak zählt auch zur Riege der aufsteigenden jungen Polittalente und steht seit einigen Wochen neben Mona Neubaur an der Spitze der grünen Landespartei. Der 28-Jährige initiiert in Duisburg „Ideen-Labore“, Jaskolla nennt es „Denkschmiede“, zu denen Menschen eingeladen werden, um mit der Partei zu diskutieren und entwickelt ganz frische Formate, um mit Menschen und auch mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. „Wir können nicht für uns beanspruchen, Kompetenz auf allen Themenfelder zu besitzen. Das wäre vermessen. Dafür fehlen uns die personellen Kapazitäten“, lautet Jaskollas Begründung für externen Sachverstand. Er will auch über relevante Landes- und Bundesthemen sprechen, was bislang gar nicht passiert sei.

Neu ist das auch für Mülheim nicht. Franziska Krumwiede-Steiner ging bei der Bundestagswahl mit ihrem Team, zum dem auch Jaskolla zählte, auf der Suche nach dem sozialen Gesicht der Stadt aktiv auf Bürger zu. Die Reaktion fand er sehr positiv, ganz im Gegensatz zu einem normalen Infostand, an dem die Passanten nur etwas in die Hand gedrückt bekommen, sei die Bereitschaft zum Gespräch sehr groß gewesen. So etwas könne man zu allen Themen machen.

Rede zum Neujahrsempfang ließ Ambition erkennen

Seine Rede zum Neujahrsempfang ließ Ambition erkennen und Jaskolla schlug einen weiten thematischen Bogen. Der reichte von Europa („Wir verkennen die Defizite nicht, sondern prangern sie an und kämpfen für Verbesserung.“) bis zur Chancengleichheit.

Da sagte er: „Meine Vision ist, dass nicht mehr der persönliche Hintergrund über die Perspektive entscheidet, sondern der eigene Wille und die eigene Leistung.“ Gerade der letzte Teil klingt stark nach FDP. Jaskolla protestiert. Den Liberalen gehe es nur um Wettbewerb. „Aber der Wettbewerb braucht auch Regeln, damit faire Chancen für einen sozialen Aufstieg entstehen.“

Jaskolla hat polnische Wurzeln

Was das bedeutet, weiß er selbst. Wie Banaszak hat auch Jaskolla polnische Wurzeln. Sein Vater kam Ende der 80er, seine Mutter ein paar Jahre später nach ihrem Studium nach Mülheim. Noch bis zum Ende seiner Grundschulzeit sprach er zu Hause mit seinen Eltern nur Polnisch. Da ist es nicht verwunderlich, dass er auch stark katholisch geprägt und in der Kirche aktiv ist. Schon früh war er in der katholischen jungen Gemeinde aktiv und wurde über die Jugendarbeit auch politisch aktiv und leitete Gruppen, was ihm im Lehramtsstudium hilfreich ist. „Wenn man sich von christlichen Werten leiten lässt, bedeutet das nicht automatisch, dass man bei der CDU landet, nur weil die das C im Namen tragen.“ Ob denn sein Herz wie das von Banaszak klar links schlägt. Er zögert. „Einen linken Hintergrund habe ich schon“, sagt er dann entschlossen.

<<<<<<< Kandidatinnen

Beim weiblichen Sprecher hat Heidemarie Sinn-Leyendecker erklärt, dass sie nicht mehr antreten will. Zwei Kandidatinnen, Kathrin Rose und Sabine von Winterfeld, die eine Mitarbeiterin der Landtagsfraktion, die andere Vorstandsmitglied, wollen für das Amt kandidieren.

Fabian Jaskolla ist in Mülheim geboren, hat am Gymnasium Broich Abitur gemacht und ist seit drei Jahren bei den Grünen aktiv.

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