Kunstmuseum

Kunst mit der Planierwalze bald auch in Mülheim zu erleben

Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow (vorne) bei ihrer Planierwalzen-Aktion Grund & Boden vor sechs Jahren in Bochum.

Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow (vorne) bei ihrer Planierwalzen-Aktion Grund & Boden vor sechs Jahren in Bochum.

Foto: Stefan Arend

Mülheim.  Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow prägen die Bodenstruktur auf Bütten. Mit Grund & Boden sind sie ein Höhepunkt im Programm des Museums.

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Wenn ein Museum keine Ausstellungsfläche hat, heißt das keineswegs, dass es kein interessantes Programm bieten kann. Den Beweis tritt Beate Reese an, die im Museum Temporär an der Schloßstraße 28-30 die Not zur Tugend macht und die Kunst im öffentlichen Raum zum Schwerpunkt.

Bedenken werden mit der Planierwalze kurzerhand beseitigt. Wenn der Aktionskünstler Ruppe Koselleck mit seiner Partnerin Susanne von Bülow am 30. März mit schwerem Gerät und Getöse in die Schloßstraße zur Ausstellungseröffnung von "Grund & Boden" anrollt, wird das sicherlich für Aufsehen sorgen und nicht nur Kunstfreunde magisch anziehen. Mit der Walze fertigen sie Prägedrucke der Bodenstruktur auf hochwertigem Büttenpapier an.

„Die Lage macht den Preis“

Dabei bilden sie die Risse im Asphalt, das Muster der Pflasters und Gullydeckel mit Hilfe von Farbpigmenten ebenso ab wie Kronkorken, Zigarettenkippen und anderen Unrat, der sich auf dem Boden befindet. „Nicht der Künstler, die Lage macht den Preis“, sagt das Duo. Dieser bemisst sich nach dem exakten Wert der Bodenrichtwertkarte am jeweiligen Standort. In Mülheim liegt der Orientierungspreis an der Schloßstraße bei 1200 Euro, am Kohlenkamp bei 840 und an der Wallstraße bei 530 Euro.

Bei der aktuellen Wohnungsknappheit fragen sich die Künstler aus Münster: „Wie lange können wir uns unsere Stadt noch leisten? Wie gesund kann das ökonomisch und ästhetisch sein?“ In ihrem Sprengel ist der Bodenpreis in den letzten sieben Jahren deutlich von 480 auf 1200 Euro angestiegen.

„Ziel ist es, neben der schmutzigen Schönheit unserer Prägedrucke, Salz in die kapitalintensiven Wunden der staatlichen Oberflächen zu streuen“, betont Koselleck, und weist darauf hin, dass das steigende Preisniveau nicht immer allein die Knappheit widerspiegelt. „Oft suchen sich auch internationale Gelder einen stabilen und sicheren Aufenthalt.“ Spekulation also. Mit der Planierwalze war der mehrfach ausgezeichnete Künstler unter anderem schon in Duisburg, Berlin und Paris unterwegs.

Kunst im öffentlichen Raum

Vom 6. April bis 5. Mai werden nach den Drucken mit der Planierwalze Materialtagebücher (seit 1996) des 1967 in Süddeutschland geborenen Künstlers präsentiert, der Soziologie und Philosophie studierte. Als moderner Don Quijote legt er sich mit den Großen an, organisiert die feindliche Übernahme von BP oder plant bei Ikea „parasitäre Publikationen“.

Museumsleiterin Beate Reese möchte mit gezielten Fragen und Fotografien die Neugier der Mülheimer wecken, ihre Stadt zu entdecken und mit anderen Augen zu sehen. Wem ist schon bekannt, dass etwa mit Emil Fahrenkamp ein exponierter Vertreter des neuen Bauens in Mülheim gewirkt und neben dem Woolworth-Gebäude auch St. Mariae-Rosenkranz auf dem Kirchenhügel geplant hat?

Vom 18. Januar bis 17. Februar werden Fotos von Walter Schernstein und Ralf Raßloff Kunst im öffentlichen Raum präsentieren. Das Beispiel Nele-Brunnen zeigt dabei, wie schwierig sich die Suche nach einem Standort für ein Werk gestalten kann, wenn der ursprüngliche Platz umgestaltet wurde.

Ab März werden drei unterschiedliche Führungen zu Kunstwerken und herausragenden Gebäuden angeboten.

Fotografie trifft auf Skulptur

Tabea Borchardt ist die erste Stipendiatin des Kunstmuseums, die seit dem Frühjahr in Schloß Styrum ihr Atelier bezogen hat.

Vom 22. Februar bis zum 24. März sind Arbeiten der 28-jährigen Fotografin zu sehen. Als Gegenpol hat sie zu dieser Ausstellung den Bildhauer Vesko Goesel eingeladen.

100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus-Jubiläum zu feiern, ist auch für Mülheim Pflicht, immerhin hat mit Werner Graeff ein prominenter Bauhaus-Absolvent in der Stadt gewirkt und verfügt die Sammlung Ziegler über einen reichen Schatz von Werken der Bauhaus-Künstler Feininger, Kandinsky und Klee. „Die Originale können wir hier natürlich nicht zeigen“, sagt Reese, die sich aber etwas anderes überlegt hat.

„Zahlreiche Design-Ikonen, die am Bauhaus entwickelt wurden, sind heute noch Teil unserer Lebens- und Arbeitswelt.“ Sie nennt beispielhaft die Freischwinger-Stühle, die Wagenfeldlampe und Bezüge von Anni Albers, deren Dekore sich als zeitlos erwiesen haben. Die klare und funktionale Form löste den überladenen Pomp ab.

„Ich weiß, es gibt in vielen Haushalten Repliken von Bauhaus-Objekten“, sagt sie, und fordert die Mülheimer auf, diese dem Museum für eine Schau anzubieten. Eine Jury werde die interessantesten Objekte auswählen. Zum Bauhaus passt die Ausstellung der Düsseldorfer Fotografin Christine Erhard (* 1969), die vom 27. September bis 10. November zu sehen ist. Sie konstruiert Raummodelle, die im realen Raum platziert und abgelichtet werden und hebt damit die Methoden der klassischen Architekturfotografie aus den Angeln.

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