Park(ing)Day

"Park(ing)Day": Leben soll Stellplätze in Mülheimer City erfüllen

Anika Füger, Cornelia Schwabe und Angelika Romeik werben vor den Räumen der Klimainitiative in Mülheim für den Aktionstag Park(ing)Day.

Foto: Oliver Mueller

Anika Füger, Cornelia Schwabe und Angelika Romeik werben vor den Räumen der Klimainitiative in Mülheim für den Aktionstag Park(ing)Day. Foto: Oliver Mueller

Mülheim.  Am Freitag ist internationaler Park(ing)Day. Dann belegen Gruppen Stellplätze und werben mit Aktionen für ein besseres Stadtklima.

Viele Autofahrer rufen nach mehr Parkplätzen in dieser Stadt. Freiflächen sind vor ihnen nicht sicher, obwohl darauf das Parken verboten ist. Nur Poller halten Falschparker ab. „Es gibt genug Stellplätze. Man muss nur ein paar Meter mehr laufen“, sagen die Mitstreiter der Mülheimer Initiative für Klimaschutz (MIK). Wer am nächsten Freitag nicht seinen Lieblingsplatz in der City mit Blech zustellen kann, sollte trotzdem gelassen bleiben. Vielleicht erfährt er am Parkautomaten, dass Fahrrad, Bahn oder Gemeinschaftsauto andere Vorteile bieten, als der individuelle, fahrbare Untersatz. „Wir wollen das Bewusstsein für ein besseres Stadtklima schärfen und die Lebensqualität verbessern“, sagt Anika Füger. „Wir wollen jetzt damit anfangen, etwas anstoßen, nicht länger warten.“ Der internationale Park(ing)Day sei dafür perfekt.

Weil die Luft zu viele Schadstoffe enthält

Weil die Atemluft in der Stadtmitte und einigen Vorortzentren bereits zu viele Schadstoffe enthalte, müssten die Mülheimer jetzt mit Handlungskonzepten beginnen. „Es dauert noch eine ganze Generation, bis spürbare Verbesserungen erreicht werden“, erklärt Cornelia Schwabe von der MIK. Daher entstand die Idee, sich in Mülheim zum ersten Mal am internationalen Park(ing)Day zu beteiligen. „In Stuttgart und München laufen die Aktivitäten immer besser“, ergänzt Hartmut Kremer von der MIK.

In den Räumen der MIk treffen sich auch Mitglieder aus anderen Organisationen und Vereinen. Daher fanden sich schnell Gruppen, die einen Parkplatz zum zeitweise vielfältig genutzten Raum verwandeln wollen. „Wir zeigen: Es gibt bessere Chancen für Flächen, als dort ein Auto abzustellen“, erklärt Anika Füger. Bei den autoverliebten Mülheimern sei da noch viel Überzeug nötig.

Laufen oder Radeln ist gesünder

67 Prozent aller Autofahrten in Mülheim liegen bei drei bis fünf Kilometern. Rund die Hälfte aller Autowege schrumpft auf drei bis einen Kilometer. „Laufen oder Radeln ist gesünder“, sagt Hartmut Kremer. Zu verteufeln sei das Auto nicht. „Aber jeder muss es bewusst einsetzen, wollen wir das Stadtklima spürbar verbessern.“ 23 Tagesstunden blockiere ein Auto einen Platz.

Akteure sind gespannt auf die Reaktionen

Darum sind die Initiatoren, die am Park(ing)Day vorübergehend 15 Stellplätze in der Stadt für ihre Aktionen nutzen, gespannt darauf, wie die Menschen reagieren. Sind die Leute spontan begeistert und machen mit? Haben sie neue Ideen? Ergeben sich gute Gespräche? Wird einigen klar, dass man auch zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Rad die City erreicht?

Oder kommt es ganz anders? Beschimpfen leidenschaftliche Innenstadtparker die neuen Parkplatznutzer? Stellen verzweifelte Parkplatzsucherinnen aus Protest ihr Auto in der Fußgängerzone ab? (Auch ohne Parknot schon täglich zu sehen) Gibt es heftige Proteste?

Wird es Proteste geben?

Alle Akteure freuen sich auf die Resonanz auf den alternativ belegten Plätzen. Am Goetheplatz lädt eine Familie zum „Kaffeetrinken statt Parken“ ein. Auf der Bachstraße erinnern Angelika Romeik und das Friedensforum an deportierte Juden mit „Stolpern statt Parken“. „Entwickeln statt Parken“ fordern Grundschüler aus dem Dichterviertel, informieren über Kinderrechte. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub zeigt, wie viele Fahrräder ein Autoplatz fasst. „Singen statt Parken“ praktiziert die Lokale Agenda 21. „Nähen statt Parken“ zeigt die MIK sowie eine Möbelbauwerkstatt. „Rikscha statt Parken“ ist eine von mehreren Aktionen der PIA-Stiftung. Weitere Vereine haben ebenfalls pfiffige Ideen.

„Wir sind gespannt auf die Reaktionen der Leute und auf viele fruchtbare Diskussionen“, sagen Cornelia Schwabe und Hartmut Kremer. „Sicher machen nächstes Jahr mehr Teams mit, um noch mehr Menschen vom Verhalten für ein besseres Klima begeistern zu können“, meint Anika Füger.

Das Ordnungsamt hat die Aktion, die am Freitag, 15. September, von 12 bis 18 Uhr stattfindet, genehmigt.

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